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Ein Stückchen Heimat im Plattenbau

Rumänischer Abend: Nina Riedel, der Portugiese Carlos Monteiro und die Rumänin Elisabet Szakacs betrachten landestypische Ostereier.
Rumänischer Abend: Nina Riedel, der Portugiese Carlos Monteiro und die Rumänin Elisabet Szakacs betrachten landestypische Ostereier. © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Lina Hatscher / 29.04.2011, 07:47 Uhr
Frankfurt (In House) 31 Studenten aus neun Nationen wohnen aktuell im Verbuendungshaus Fforst. Seit mittlerweile fünf Jahren leben und wirken Viadrina-Studenten aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam in dem Plattenbau in der Forststraße. Ziel ist es, ein Stück Heimat zu schaffen.

Der Plattenbau in der Forststraße fällt auf, denn die großen Räume im Erdgeschoss sind außergewöhnlich bunt gestaltet. In einer Ecke stehen zwei Sessel, darüber hängt ein Kronleuchter, den meisten Platz nimmt eine Bar in der Mitte des Raums ein. „Abends kochen wir oft zusammen“, erklärt Nina Riedel die köstlichen Düfte, die durch die Räume schweben. Sie ist die erste Vorsitzende des Vereins Verbuendungshaus Fforst, der hinter dem von Studenten selbstverwalteten Wohnprojekt steht. „Momentan wohnen 31 Studenten aus neun Nationen hier im Haus“, sagt Nina Riedel. Dazu kommen noch Alt-Mieter aus Frankfurt, die schon vor dem Umbau des Hauses vor etwa sechs Jahren dort gewohnt haben. „Die waren zuerst schon skeptisch, aber wir kommen meist gut miteinander aus. Im vergangenen Jahr haben wir ein großes Nachbarschaftsfest veranstaltet“, erzählt Aline Russ, eine Bewohnerin. Sie und die anderen Bewohner wünschen sich, dass sich die Kluft zwischen Studenten und alteingesessenen Frankfurtern verkleinert.

Angestoßen wurde das studentische Wohnprojekt durch die Universitätsleitung. Entwickelt wurde das Konzept zur internationalen Verständigung während eines Seminars. „Janine Nuyken, die Vizepräsidentin der Viadrina, hat sich damals bei uns gemeldet“, erinnert sich Christian Langé, ein Designer des Berliner Ateliers Anschlaege.de. „Wir hatten vorher schon Projekte zur Interkulturellen Kommunikation gemacht.“ Im Wintersemester 2005/2006 begannen die Designer zusammen mit etwa zwölf Studenten in einem Seminar mit der theoretischen Arbeit. „Das Haus in der Forststraße kam schnell ins Gespräch, wir sahen die Chance, dort Raum für Austausch zu schaffen“, sagt Christian Langé. Und ein Stückchen Heimat für die Studenten aus unterschiedlichen Ländern.

„Außerdem sollten die Mieten nicht höher steigen, als in den Wohnheimen jenseits der Oder, damit das Zusammenleben nicht am Geld scheitert“, sagt der Designer. Zunächst war das Wohnprojekt vor allem auf den deutsch-polnischen Austausch ausgelegt, mittlerweile ist es zu einem internationalen Projekt geworden, sagt Aline Russ. Symbolisch dafür, dass Unterschiedliches zusammen durchaus gut funktionieren kann, ist der Zebrahirsch. Das Zebra mit Hirschkopf ist das Motto-Tier der Fförster, wie sich die Bewohner selber nennen. „Wir haben bei dem Design mit Klischees gespielt“, erklärt Christian Langé. Mit Vorurteilen haben die Fförster tatsächlich manchmal zu kämpfen, doch sie nehmen das gelassen hin. „Wir sind keine Burschenschaft, keine Hausbesetzer und kein Jagdverein“, sagt Nina Riedel und lacht. Manchmal habe es schon Missverständnisse wegen des Namens gegeben. „Aber in den vergangenen fünf Jahren haben wir es ganz gut geschafft, dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen und sich wohl fühlen im Fforst. Und das wollen wir feiern“, sagt die Vorsitzende. Die große Jubiläumsparty ist für den 
12. Mai mit der Frankfurter Band „Jack Novelle“ geplant. „Wir stellen Fotos aus den letzten fünf Jahren zu einer Ausstellung zusammen und wir vergeben Ehrenmitgliedschaften“, sagt Aline Russ. Alle Veranstaltungen stehen dieses Jahr unter dem Stern des Jubiläums, den Auftakt bildete ein rumänischer Abend am Mittwoch.

Bisher haben etwa 100 bis 120 Studenten im Fforst gewohnt, sagt Lena Scholtke. „Es bestehen auch noch enge Freundschaften, die über das Wohnen hinaus gehen.“ Auch wenn es manchmal vier oder mehr Sprachen braucht, damit sich alle verstehen, funktioniert die Verständigung. Das bestätigt der französische Student Kevin Ohayoun. „Ich wohne erst seit drei Monaten im Fforst, aber mein Deutsch ist schon viel besser geworden und die Atmosphäre gefällt mir sehr gut.“

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Uwe Gr. 01.05.2011 - 08:34:06

Herzlichen Glückwunsch

Schön zu sehen, wie das Projekt von Generation zu Generation wiedergeboren und weitergelebt wird. Liebe Heimat, du wirst dadurch deutlich bunter!

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