Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Beeskow war Liebe auf den ersten Blick"

Blick zum Fischerkietz: Die Witwe des Malers Alexander Sementsov vor einem Gemälde auf der Burg Beeskow
Blick zum Fischerkietz: Die Witwe des Malers Alexander Sementsov vor einem Gemälde auf der Burg Beeskow © Foto: Karl-Heinz Arendsee
Ruth Buder / 04.05.2011, 21:34 Uhr - Aktualisiert 04.05.2011, 22:41
Beeskow (In House) Alexander Sementsov hat Beeskow geliebt und in zahlreichen Bildern dargestellt. Der Maler aus 
St. Petersburg ist 2006 gestorben, er wäre am 20. Mai 
70 Jahre alt geworden. Die Burg Beeskow widmet ihm eine Ausstellung.

Sie war seine Muse, seine Organisatorin, seine ihn umsorgende Ehefrau: Galina Kuznetsovskaya. Die meisten denken, sie heißt auch Sementsov, aber sie hat bei der Heirat ihren Mädchennamen behalten. Immer wenn sie nach Beeskow komme, fühle sie sich wie zu Hause, bekennt die 63-Jährige. 1993 war sie das erste Mal mit ihrem Mann hier. Eine Berliner Galeristin hatte dem Maler geraten, sich mal den Osten anzugucken, Beeskow wäre da ganz hübsch. „Für meinen Mann war es Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Galina Kuznetsovskaya. Sein Lieblingsort ist der Fischerkietz gewesen, hierher kam er gern, um die morbide Romantik an der Spree zu allen Tages- und Jahreszeiten zu erleben. „In Beeskow hat sich mein Mann sehr frei gefühlt, aus politischer Sicht und auch als Mensch, der die Natur sehr liebte“, erzählt seine Frau. Und wahrscheinlich war der Kontrast zu seiner russischen Heimatstadt sehr reizvoll: Denn St.Petersburg und Beeskow haben gar nichts gemein.

Beeskow wurde zum wichtigsten Motiv seiner Malerei, hier nahm er wahr, was andere übersahen – die krummen Gassen, die alten Fassaden, das verwundete Kirchenschiff von St. Marien. Die Ausstellung zeigt auch ein Bild mit der noch turmlosen Kirche aus dem Jahre 1996. Sementsov ist für diesen Blick mit seinen schweren Malutensilien auf den Bergfried gestiegen und hat die Stadt von oben reflektiert. Die Beeskower schätzen seine einfühlsamen Landschaftsbilder in ihrer vibrierenden Farbigkeit oder der verhaltenen Ruhe, seine Porträts und Stillleben.

Ein Teil der Ausstellung zeigt aber auch einen ganz anderen Sementsov. Einen Sementsov, der sich mit Krieg und Gewalt auseinandersetzt. Burgmitarbeiterin Kristina Geisler legt deshalb Wert auf die räumliche Trennung der Gemälde und Grafiken. Sie selbst hat Sementsov, der seit 1994 regelmäßig auf die Burg gekommen war, als gebildeten und politisch interessierten Menschen kennengelernt. Der Kaukasuskonflikt zu Beginn der 90er Jahre hat sein Schaffen geprägt und ihn auf dem schwierigen Grat zwischen thematischer Darstellung und Abstraktion gehen lassen.

Frau Galina mag mehr die impressionistische Seite an ihrem Mann. Er hat alle seine Bilder geliebt, sagt sie, deshalb habe er sich auch immer schwer getan, eines zu verschenken oder zu verkaufen. Zur Ausstellungseröffnung am Sonnabend ist sie selbstverständlich dabei, viele Freunde und Bekannte ihres verstorbenen Mannes werden erwartet. Die Burg Beeskow würdigt mit der Ausstellung Sementsovs Gesamtwerk und erinnert an einen Künstler, der wie kein anderer die Stadt und ihren Liebreiz eingefangen hat.

Am 7. Mai eröffnet Beeskows Bürgermeister Frank Steffen um 15 Uhr die Ausstellung mit Bildern und Grafiken von Alexander Sementsov auf der Burg Beeskow. .

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG