Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kleintierklinik Düppel: OP gelungen, Patient schnurrt

Seltener Patient: Tierärztin Alexandra Dettweiler zeigt eine verletzte Steppenweihe, die von Naturschützern gerettet wurde.
Seltener Patient: Tierärztin Alexandra Dettweiler zeigt eine verletzte Steppenweihe, die von Naturschützern gerettet wurde. © Foto: MOZ/Henning Kraudzun
Henning Kraudzun / 20.05.2011, 19:21 Uhr
Berlin (In House) Ob Orthopädie, Augenheilkunde oder Chirurgie – in der Kleintierklinik der Freien Universität in Berlin-Düppel werden jährlich 30 000 kleine Patienten versorgt. Meist kommen die Halter mit Hunden und Katzen. Eine Spezialabteilung ist für Wildvögel reserviert.

Ein Federknäuel mit Schnabel zappelt in der Decke. Behutsam wickelt Alexandra Dettweiler die Steppenweihe aus der Umhüllung, dann begutachtet sie den Verband, der die Hälfte des Flügels bedeckt. Mit dem Allgemeinbefinden des gefiederten Patienten zeigt sich die Tierärztin zufrieden, nur die offene Fraktur bereitet noch Sorgen. „Wir werden die Wunde unter Narkose noch einmal behandeln müssen“, sagt die 25-Jährige.

Der seltene Greifvogel, der mit einer Schussverletzung von Naturschützern auf Malta gerettet und mit dem Flugzeug nach Berlin transportiert wurde, ist in der Kleintierklinik der Freien Universität in einer Spezialstation untergebracht. Seine Nachbarn sind Habichte, Bussarde oder Falken, die nach Unfällen mit Lkw oder völlig abgemagert eingeliefert werden.

Viele Tiere landen sofort auf dem Operationstisch, danach erhalten sie noch Antibiotika oder Schmerzmittel. Auch eine Physiotherapie gehört zum Klinikprogramm. „Das kann Gymnastik für den verletzen Flügel sein, der durch Beugen und Strecken trainiert wird“, erklärt Dettweiler. Schwierige Patienten seien Greifvögel nicht. „Nur Habichte können hektisch werden.“

Auch auf den anderen Stationen der Tierklinik geht es mitunter hektisch zu. 3500 Operationen absolvieren die rund 30 Ärzte jährlich, darunter sind Spezialisten für Augen, Herzkreislauf, Tumore oder Zähne. „Mit den kranken Tieren kommen auch leidende Familien, man sieht viel Kummer“, sagt Professor Leo Brunnberg, der als Klinikleiter selbst jeden Tag am OP-Tisch steht. Viele tierische Patienten, darunter sind meist Hunde und Katzen, kennt er persönlich.

Seine Visite gleicht daher einem Besuch bei Freunden, viele Hände müssen geschüttelt, viele Pfoten gestreichelt werden. Ständig umschwirren ihn Kollegen, die ihm Röntgenbilder entgegenhalten und um fachlichen Rat fragen. So berichtet eine Ärztin, dass der Hinterlauf einer Katze „furchtbar knackt“. Brunnberg eilt in den Untersuchungsraum und tastet das Tier ab. „Kreuzbandriss“, lautet seine trockene Diagnose. In einem weiteren Zimmer gibt er dem Operateur einer anderen Katze entscheidende Tipps: „Da machst du eine Platte auf den Knochen und dann wird‘s gut.“

Die technische Ausstattung, über die der 65-Jährige und seine Ärzteschaft verfügen, ist wohl einzigartig in Deutschland. Es gibt einen Computertomografen, digitale Röntgen, moderne OP-Räume, ein Elektrokardiogramm, eine Blutbank sowie Speziallabore. Selbst ein Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie bei Krebs wurde angeschafft. „Tumore sind bei Tieren leider ganz häufig“, erklärt der Fachmann. Sie hätten dennoch gute Chancen, die Krankheit zu überwinden.

Auf der Intensivstation werden viele Tiere nach den Eingriffen versorgt. Rotlichtlampen sorgen in den Boxen für Wärme, ein Tropf stabilisiert den Kreislauf. Die Problemfälle werden mit Schildern kenntlich gemacht. „Die Ärzte müssen wissen, wer hier gerne beißt und kratzt“, sagt der Professor. Die Steppenweihe verhalte sich hingegen ganz zahm, sagt Alexandra Dettweiler. Die Veterinärin hofft, dass der Greifvogel bald wieder fliegen kann. Wenn die Rehabilitation gelingt, werden ihn NABU-Experten in der Heimat aussetzen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG