Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Aschenbecher sind weg

© Foto:
Christian Thiesen / 04.01.2008, 07:37 Uhr
Bad Freienwalde Seit Jahresbeginn haben Liebhaber von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen einen Grund mehr, mit dem Qualmen aufzuhören: Das Rauchen in Gaststätten, Restaurants und Imbissstuben ist seitdem in Brandenburg untersagt. Wer dort weiterhin seinem Laster frönen will, kann dies nur noch in abgetrennten Räumen oder draußen vor der Tür. Die Gastwirte in der Region betrachten das neue Gesetz überwiegend gelassen und haben sich auf die veränderten Umstände eingestellt. Sie haben die Aschenbecher von den Tischen genommen und offene Raucherbereiche aufgehoben.

"Ich vertraue auf meine Gäste, die müssten mittlerweile eigentlich wissen, das das Rauchverbot in Kraft ist" - Gastwirt Sven Lender macht sich keine Sorgen, Gäste seiner Pension "Lender" im Zentrum von Bad Freienwalde an das neue Gesetz erinnern zu müssen. Er hat daher auch auf besondere Hinweisschilder - etwa mit einer durchgestrichenen Zigarette - verzichtet und sich darauf beschränkt, die Aschenbecher von den Tischen zu räumen.

Da es Lender nicht möglich ist ein separates Raucherzimmer einzurichten, müssen Raucher bei ihm vor der Tür qualmen. Dass bei ihm Gäste wegbleiben, hat er in der kurzen Zeit seit dem Rauchverbot nicht feststellen können. "Die meisten werden sich daran gewöhnen, aber einige Raucher sicherlich nicht mehr so lange bleiben wie früher, weil sie nicht ständig rausgehen wollen", so Lenders Prognose.

Fast gegenüber auf den anderen Seite der Königsstraße lässt Phi Nguyen vom Asien-Imbiss "Saigon" noch Nachsicht walten: Wenn ein Gast rauchen will, darf er das und bekommt auf Wunsch einen Aschenbecher gebracht. Nguyen nutzt den vom Gesetzgeber eingeräumten Spielraum, dass erst ab Juli Geldbußen bei Verstößen verhängt werden. "Die meisten meiner Gäste sind Raucher", begründet er sein Vorgehen. In Zukunft befürchtet er Umsatzeinbußen, einige seiner Stammkunden hätten bereits angekündigt, nicht mehr zu kommen, wenn sie nicht mehr rauchen dürften.

Auch Ulf Meichßner, der im "Saigon" gerade zu Mittag gegessen hat hält nichts vom Rauchverbot in seiner derzeitigen Form. "Eine Zigarette zum Bier gehört für mich einfach dazu", so der leidenschaftliche Raucher, der seit 40 Jahren zum Glimmstengel greift. Er plädiert für ein Rauchverbot, wie es früher in der DDR galt: " Zur Mittagszeit sollte das Rauchen nicht erlaubt sein, sonst ja."

Ganz gelassen bleibt Enrico Merten vom Bad Freienwalder Kurtheater, auch wenn sein großer Saal jetzt Nichtraucherzone ist. Bei ihm muss niemand vor die Tür, da er einen abgetrennten Raucherraum hat. Auch für sein Lokal "Treff 13" in der Karl-Marx-Straße mit einer großen Mehrheit an qualmenden Besuchern schwebt ihm schon eine Lösung vor: "Vielleicht mache ich daraus einen Raucherclub."

Veränderungen gibt es im "Forsthaus" in Leuenberg. Dort ist der bestehende Raucherbereich abgeschafft worden, da er offen war und keine Türen hatte. "Die Auswirkungen des Gesetzes müssen sich noch zeigen, aber bei Veranstaltungen wurde immer schon der Nichtraucherbereich wesentlich häufiger gebucht", erklärt Inhaberin Petra Schippert.

Gar nichts ändert sich dagegen im "Gänseblümchen" in Schiffmühle: Das Restaurant ist bereits seit drei Jahren ein erklärtes Nichtraucherlokal. "Wir bleiben von dem ganzen Hick-Hack mit dem neuen Verbot verschont", freut sich Betreiber Wolfgang-Mathias Schirmer.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG