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Einschulung: Brandenburg kehrt zur alten Stichtagsregelung zurück

Ulrich Thiessen / 26.02.2013, 07:15 Uhr
Potsdam (MOZ) Brandenburger Kinder sollen künftig wieder mit sechs Jahren eingeschult werden. Eine Regelung, die den Stichtag um ein Vierteljahr verschoben hatte, so dass auch Fünfjährige zur Schule gehen konnten, soll noch in diesem Jahr wieder abgeschafft werden.

Das brandenburgische Bildungsministerium bereitet eine Änderung des Schulgesetzes vor, mit der zur alten Stichtagsregelung zurückgekehrt werden soll. Dieser lag bis zum Schuljahr 2005/06 am 30. Juni des jeweiligen Jahres. Danach wurde der Stichtag auf den 30. September verschoben, wodurch derzeit auch Kinder mit fünf Jahren eingeschult werden können.

Das Bildungsministerium nennt als Grund für die Rückkehr zur alten Regelung die mangelnde Akzeptanz bei den Eltern. Die Zahl der Rückstellungsanträge für Kinder sei nach der Neuregelung sprunghaft auf mehr als elf Prozent des Jahrgangs gestiegen und über die Jahre auf diesem Niveau geblieben. Außerdem hätten die meisten anderen Bundesländer, darunter auch Berlin, den Stichtag Ende Juni, Anfang Juli. Die Verschiebung um ein Vierteljahr war damals auch mit einer Anpassung an die Berliner Regelung begründet worden.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften, Günther Fuchs, erklärte am Montag, dass der flexible Schulbeginn in Brandenburg vor allem daran gescheitert sei, dass zu wenig Lehrer für die Grundschulen bereit gestellt worden seien. Um auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder einzugehen und sie individuell fördern zu können, hätten die Schulen so ausgestattet werden müssen, wie es in den vorangegangenen Schulversuchen der Fall gewesen war.

Für den bildungspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Andreas Büttner, ist die frühere Einschulung daran gescheitert, dass die Kitas nicht die Vorbereitung auf die Schule leisten können. Deshalb beantragten so viele Eltern eine Rückstellung für ihre Kinder. Torsten Gärtner, stellvertretender Sprecher des Landeselternrates, begrüßte die Rückkehr zum alten Stichtag. Es sei ein Problem, dass Kinder, zumal wenn sie eine Klasse überspringen, schon mit 14 oder 15 Jahren die Schulen verlassen können, aber zu jung für den Beginn einer Ausbildung sind.

Fuchs kritisierte zudem, dass das Bildungsministerium im Jahr der geplanten Umstellung, wenn rund 4 000 Kinder weniger in die Schule kommen, von einer Einsparmöglichkeit von 260 Lehrerstellen ausgeht. Er verwies darauf, dass die Kommunen mehr Geld benötigen, um diese Kinder in Kitas zu betreuen.

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Kerstin B. 27.02.2013 - 20:39:40

@Mutter

Das hoffe ich auch, dass die Schulleiter ein Herz für unsere jungen Kinder haben, die im kommenden Schuljahr 2013/2014 eingeschult werden sollen und für welche ein Antrag auf Rückstellung läuft.

Oma 27.02.2013 - 12:29:54

Familienfreundliche Politik ist gefragt

ENDLICH! Warum sollen auch schon wieder die Kinder für Regierungsfehler hinsichtlich demografischer Entwicklung büßen! Vorzeitige Einschulung -> vorzeitiger Beginn des Berufslebens -> vorzeitige Erarbeitung der dann benötigten Renten = ein Stück geklaute Kindheit! Es wäre gut, wenn sich auch Berlin anschließen würde! Familienfreundlichere Politik ist gefragt! Und das so schnell, wie möglich!

Mutter 26.02.2013 - 19:21:46

leider noch nicht dieses Jahr

Ich habe mich beim Schulamt in FFO und beim Bildungministerium in Potsdam erkundigt. Leider gilt diese Regelung noch nicht für das Einschuljahr 2013. Also drück ich allen Eltern, denen es genauso geht wie uns die Daumen, dass die Rückstellungsanträge genehmigt werden. Vielleicht sehen es die Schulleiter ja auch ein bevor das Gesetz durch ist.

Peggy 26.02.2013 - 17:28:36

hoffentlich noch für dieses Jahr

Wir kämpfen auch um eine Rückstellung.....es wäre unglaublich wenn es in diesem Jahr die Kinder nicht betrifft.

kira 26.02.2013 - 17:07:42

Unglaublich!?

@Amy Ist das wahr, dass sie keine rechtliche Möglichkeit haben, ihr Kind erst ein Jahr später einzuschulen? Kann man dagegen nicht klagen? Oder einfach das Kind aus dem Kreis abmelden für ein Jahr? Das ist ja schlimmer, als in der DDR...

Kerstin B. 26.02.2013 - 16:54:07

Eeeeeeendlich

Endlich tut sich was in die richtige Richtung. Schade für die Kinder, die seit 2005/2006 früher zwangseingeschult wurden. Merkwürdig, dass in dem Artikel nichts darüber steht, wie sehr sich frühe Einschulung negativ für die Schüler selbst, ihre (schulreifen älteren) Mitschüler und Lehrer auswirkt

Amy 26.02.2013 - 15:19:14

Einschulung: Brandenburg kehrt zur alten Stichtagsregelung zurück

Das wäre ausgezeichnet. Mein Sohn (unser 4. Kind) soll dieses Jahr mit 5 eingeschult werden. Für ihn aus unserer Sicht u. der der Kita zu früh. Aber Gesundheitsamt und Schule halten ihn für Schulreif. Als Eltern hat man kein "Mitspracherecht" - da bleibt nur ein Umzug in ein anderes Bundesland mit "altem Stichtag". Ich hoff das Bundesministerium handelt schnell.

leidende Mutter 26.02.2013 - 13:18:21

Die Gesetzesmühlen mahlen aber noch sehr langsam

Noch ist diese Änderung aber nicht wirksam sondern erst in der Vorbereitung, so dass wir Eltern in diesem Jahr immer noch vor dem gleichen Problem stehen!!! Ab wann dann die neue Stichtagsregelung gültig wird kann selbst das Bildungsministerium noch nicht beantworten aber Für die Einschulung 2013 definitiv nicht.

Leser 26.02.2013 - 11:18:47

Gut so!

Wissenschaftler haben festgestellt, dass mit 5 Jahren eingeschulte Kinder weniger häufig das Abitur machen, also mit ihrem frühen Start benachteiligt werden. Die Erklärung der Forscher ist, dass das menschliche Gehirn der Frühstarter in der Entwicklung dem Lehrplan quasi hinterher hinkt, also die zu früh eingeschulten Kinder im Schnitt eher überfordert sind durch den Lehrstoff. Daher ist Einschulung mit 6 Jahren oder sogar mit 7 Jahren für die Bildungsmöglichkeiten der Kinder besser, sie können ihr Potential so besser ausschöpfen, weil sie hirnentwicklungstechnisch bereits die Vorraussetzungen für den Lehrstoff haben. Der Arbeitsmarkt muss dann zwar ein Jahr länger auf sie warten, bekommt dafür aber besser gebildete und leistungsfähigere Absolventen. Denn wie der Volksmund schon immer wusste, "Gut Ding braucht Weile". http://www.welt.de/politik/bildung/article4510313/Die-juengsten-Erstklaessler-sind-haeufig-ueberfordert.html

Mark Ucker 26.02.2013 - 09:05:40

Na endlich

Was die Spackos von der Landesregierung nicht sagen ist. dass sie nicht in der Lage sind die Bedingungen für die Berufsbildung zu ändern. Ein Kind das nach 10 Jahren im Alter von 15 jahren aus der Schule kommt, kriegt gar keine Lehrstelle, denn niemand kann einen 15 jährigen einstellen ohne grundlegend gegen den Arbeitsschutz zu verstoßen. Der einzige "positive" Effekt wäreein Vielzahl untentgeltliche Arbeitskräfte die man im freiwilligen- oder berufsvorbereitenden Jahr (bis zum Erreichen des 16.Lebbensjahres) hätte kostenlos ausbeuten können.

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