Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

NVA-Militärgefängnis in Schwedt: Der Mythos als Abschreckung

Schon optisch wirkte das Militärgefängnis an der Stadtgrenze in Schwedt (Uckermark) furchteinflößend.
Schon optisch wirkte das Militärgefängnis an der Stadtgrenze in Schwedt (Uckermark) furchteinflößend. © Foto: MOZ/Karl-Heinz Wendland
Maria Neuendorff / 29.05.2011, 19:11 Uhr
Schwedt (In House) „Ab nach Schwedt“ war eine Drohung, die Angst und Schrecken unter NVA-Soldaten verbreitete. Auch 20 Jahre nach der Wende weiß man immer noch sehr wenig über den einzigen Armeeknast der DDR. Militärhistoriker Rüdiger Wenzke hat nun erstmals die Geschichte des Gefängnisses untersucht.

Baracken, Wachhunde und Stacheldrahtzäune – das war der erste Eindruck, den Ankömmlinge vom Schwedter Gefängnis bekamen. Optisch zumindest. Denn in ihrer Fantasie hatte sich schon vor ihrer Ankunft ein Bild verfestigt. „Schwedt“, das bedeutete nicht einfach Freiheitsentzug. Schwedt bedeutete Prügel, Hunger, Maloche und Dunkelarrest. So wurde es nach der Eröffnung des Militärgefängnisses 1968 jedenfalls unter den Soldaten von Generation zu Generation weitergegeben. Der Name einer Stadt wurde zum Synonym für unmenschliche Haftbedingungen.

Doch was war wirklich dran an dem furchterweckenen Ruf? „Der Mythos Schwedt hat eine reale Grundlage, wurde allerdings überstrapaziert weitergegeben und von Vorgesetzten gezielt gepflegt“, ist das Fazit von Rüdiger Wenzke. Der Historiker vom militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam hat 15 Jahre lang die Geschichte des DDR-Militärstrafvollzugs erforscht. Die Ergebnisse sind im Mai in einem 492 Seiten dicken Buch erschienen.

Es ist die bisher erste Untersuchung zu dem Thema, das für Wissenschaftler schwer anzugehen ist. Denn sämtliche Original-Unterlagen sind bis heute verschollen. „Fest steht, dass am 
31. August 1990 laut einem schriftlichen Protokoll rund 820 Erziehungs- und Vollzugsakten sowie Personenkarteien die Disziplinareinheit Schwedt in Richtung Strausberg verließen“, berichtet der Historiker. Danach verliere sich ihre Spur in den Kellern des ehemaligen Ministeriums für Nationale Verteidigung. „Ob es dort zu einer teilweisen oder vollständigen Vernichtung der Unterlagen oder zu einer weiteren Auslagerung kam, lässt sich nicht mehr nachvollziehen“, so Wenzke.

Auch die Suche nach Zeitzeugen gestaltete sich für ihn schwierig. „Viele wollen bis heute nicht über ihre Erlebnisse reden“. Nach Schwedt kamen vor allem Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere, denen Straftaten wie Befehlsverweigerung, unerlaubtes Entfernen von der Gruppe oder Fahnenflucht zur Last gelegt wurden. Doch auch eine falsche Bemerkung am falschen Ort konnte für Militärangehörige nach Schwedt führen.

Klaus Auerswald zum Beispiel hatte sich 1968 kritisch gegen die gewaltsame Zerschlagung des Prager Frühlings geäußert. Wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt, kam er in das Gefängnis, dass er bis heute als „Alptraum“ bezeichnet. Nach seiner Entlassung sei er „verängstigt, körperlich ausgelaugt und gleichzeitig politisch gestärkt in der Antipathie diesem System gegenüber“ gewesen, berichtet er in einem Interview, das Militärhistoriker Wenzke mit ihm führte.

Durch die Zeitzeugengespräche bekam der Autor auch Einblick in den Haftalltag. In seinem Buch listet er den straffen Tagesablauf auf: Um 3.45 Uhr wecken, Frühsport, Morgentoilette, Ausrücken zur Arbeit. Die Mittagspause betrug gerade einmal 20 Minuten. „Für die meisten Militärstrafgefangenen stellte der Strafvollzug in Schwedt eine unerbittliche Disziplinierung dar, die auf die Brechung der Persönlichkeit ausgerichtet war“, schreibt Wenzke. Bei geringsten Verstößen wurden harte Strafen verhängt. Ehemalige Gefangene berichten von Schlägen mit Gummiknüppeln und Arrestzellen ohne Tageslicht und Toilette, in denen Gefangene bis zu 16 Stunden lang stehen mussten.

Zwar wurden in den 80er Jahren die Haftbedingungen verbessert, doch mit der Einrichtung der sogenannten Disziplinareinheit konnten Soldaten nun auch ohne Gerichtsverfahren hinter Gitter kommen. Ein probates Mittel wie die Statistik zeigt. „Seit der Einführung gingen die Straftaten in der NVA schlagartig hinunter“, hat Wenzke recherchiert. So sei Schwedt vor allem auch eine Drohkulisse gewesen, um die Truppe im Zaum zu halten. „Vorgesetzte instrumentalisierten den Mythos Schwedt bewusst als Abschreckung und Druckmittel“, meint Wenzke. Sein Buch schließt eine Forschungslücke. Bisher gab es so gut wie keine wissenschaftliche Literatur zum DDR-Militärstrafvollzug. „Da ist 20 Jahre nichts passiert“, sagt der 56-jährige Historiker, der im brandenburgischen Baruth geboren ist.

Auch in Schwedt selbst fängt man erst langsam an, die Geschichte aufzuarbeiten. Das Gelände am Stadtrand verfällt zusehends. Anlässlich des Jahrestages der offiziellen Schließung des Gefängnisses am 31. Mai 1990 findet morgen an den Uckermärkischen Bühnen ein Symposium mit Vorträgen, Führungen auf das Gelände und einer Lesung statt. „Das Thema wurde lange vernachlässigt, aber die Veranstaltung ist schon mal ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung“, meint Wenzke.

Rüdiger Wenzke: „Ab nach Schwedt“, Ch. Links Verlag. Das öffentliche Symposium beginnt um 14 Uhr an den Uckermärksichen Bühnen in Schwedt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Anleiter 04.06.2011 - 00:37:16

MSG

Keine Frage,es ging im Strafvollzug nicht um die Frage Recht oder Unrecht. Der Staat machte sein eigenes Recht. Aber es war nicht so Grausam wie manche denken. Ich war von 1983 bis zur Wende dort als Anleiter beschäftigt. Ich sage es noch einmal,die meisten waren zu Unrecht in Schwedt!!! Gruß ,der Anleiter

ölkjhgf 30.05.2011 - 23:41:40

@thomas klar

tja-darf man hier alles schreiben? fragen sie mal menschen die im internet sachen schreiben die auch in unserem staat nicht erlaubt sind. ich sage nur meinungsfreiheit. menschen die ihre meinung in rechtsgerichteter richtung schreiben. was meinen sie was mit denen passiert? ein paar solcher beiträge hier verfasst und an die richtige stelle bekommt sdas mit ,dann haben sie erstmal ein problem- so sah es früher aus und so sieht es heute auch aus. wenn sie heute etwas gegen den staat schreiben kann das schon als terrorverdacht ausreichen um rechtliche konsequenzen nachsich zu ziehen. vielleicht sollten sie auch einmal heutige opfer befragen. wie alt sind sie eigentlich? ich bin in der früheren ddr aufgewachsen-sie schreiben aber nur über hören sagen und plappern nur nach was sie vorgesetzt bekommen. sie haben doch anscheinend gar keine ahnung wie das leben in ddr war

Thomas Klahr 30.05.2011 - 23:26:38

@ölkjhgfd

. . . und weil es heute noch schlimmer ist dürfen Sie als freier Mensch auch morgen noch in diesem Forum systemkritische Beiträge verfassen. Oder wissen Sie wohl möglich gar nicht genau was das MfS vor 1989 mit politischen Gegner angestellt hat?! Vielleicht besuchen Sie mal eine der vielen Gedenkstätten oder befragen Opfer des MfS, um zu erfahren wie unrecht Sie doch haben.

ölkjhgfd 30.05.2011 - 22:53:25

das privileg des siegers

sieht es heute anders aus. früher stasi heute staatsschutz und heutzutage wird das ganze volk überwacht-schlimmer als damals. politische feinde werden heutzutage auch die rechte aberkannt und genauso behandelt wie früher- nur heute ist es so wie früher- niemand schreibt darüber. hätte die ddr die brd erobert,dann wäre es genau umgekehrt und es wäre veröffentlicht worden was alles so in der brd unrechtmäßig gelaufen ist. das ist das privileg des siegers. so auch schon nach dem krieg-die russen und alliierten waren die befreier und alle solche humanen retter. heutzutage weiss man aber,dass es nicht so war

Gefr. d. R. 30.05.2011 - 22:15:19

unmenschlich - Militärgefängnis Schwedt

hört doch mal auf mit der Krümelkackerei, das Thema ist dazu viel zu ernst Fakt ist, dass es Schwedt gab und Fakt ist auch dass dort junge Menschen wegen Kleinigkeiten zerbrochen wurden ... dass es sowas in unserer "menschenfreundlichen" sozialistischen Gesellschaftsordnung gab zeigt doch wieder mal wie verlogen die Kommunisten damals waren Schwedt - Stasi - Schießbefehl - Mauertote - Knast für Ausreiseantragsteller - das war unsere sozialistische DDR

der richtige Leser 30.05.2011 - 21:26:15

@Leser

nichts ist wurst. wenn jemand hier was schreibt was nicht der wahrheit entspricht,dann hat man das gute recht das richtig zu stellen. was schreiben sie denn hier überhaupt wenn sie doch sagen,dass es doch wurst ist? warum ist es ihnen dann nicht egal was hier geschrieben wird? sie kommen doch auch nicht drum rum hier ihren senf abzugeben? also kritisieren sie hier nicht andere menschen ,sondern fassen sie sich mal an ihre eigene nase

Leser 30.05.2011 - 20:31:44

Ob Truppe oder Gruppe....

....oder was auch immer, ist eigentlich total Wurscht! Da ist wohl jemand ziemlich angenervt, dass das Thema überhaupt auf den Tisch kommt, oder warum wird jetzt auf so was Belanglosem herumgehackt und vom eigentlichen Thema abgelenkt?

leser 30.05.2011 - 19:26:23

@rudolf

schon von je her auch bei der nva wurde das so genannt http://de.wikipedia.org/wiki/Unerlaubte_Entfernung_%28Milit%C3%A4r%29 wenn es den begriff truppe nie gab woher kommt dann der im militär so oft genannte begriff "Truppenstärke"oder "Truppenbewegung" o.ä.?natürlich ist das ein üblicher begriff im militär http://de.wikipedia.org/wiki/Truppe wenn truppe die gesamtheit der militärischen streitkräfte bedeutet,dann bedeutet das unerlaubte entfernen von der truppe natürlich das unerlaubte entfernen vom militär. und genauso wurde dieses auch bestraft. sie erzählern totalen unsinn hier-erst schreiben sie dass es den begriff truppe bei der bundeswehr und nva nie gab-was totaler blödsinn ist,denn anschließend sagen sie selbst,dass truppe der sammelbegriff der streitkräfte ist-- ist das kein militär????? unerlaubtes entfernen von der einheit? totaler blödsinn-denn ein unerlaubtes entfernen von der truppe bedeutet,dass sich derjenige kurzzeitig dem militärdienst komplett entzieht. also beispielsweise unerlaubt das militärgelände verlässt etc. die einheit ist der kleinste teil und ein unerlaubtes entfernen von der einheit würde einfach bedeuten,dass derjenige sich von seiner einheit unerlaubt entfernt ,aber dennoch sich auf dem militärgelände befindet-und das wäre dann wohl eher befehlsverweigerung.

rudolf 30.05.2011 - 15:54:32

truppe

soldat -> gruppe -> zug -> kompanie -> bataillon etc. etc.... weder in der nva noch in der heutigen bundeswehr gab bzw. gibt es gemäss den zdv den begriff truppe. vielmehr war es ein "unerlaubtes entfernen von der einheit.." der begriff "truppe" ist kein militärischer begriff (auch nirgendwo als vorschrift bzw. dienstvorschrift verankert), sondern umfasst als sammelbegriff die gesamtheit der streitkräfte. als truppe werden geläufig bereits duos (also mindestens zwei soldaten) bezeichnet.

qwert 30.05.2011 - 12:33:56

wie schlecht

jaja die moz redakteure- erstmal los schreiben ohne nachzudenken. was bitte ist das unerlaubte entfernen von einer gruppe??????????????? was soll daran strafbar sein? einfach mal im internet schauen wenn man keine ahnung hat. jeder der bei der armee war weiss, dass es Truppe heißen muss. wenn man kiene ahnug hat sollte man lieber nicht über einthema schreiben

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG