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Superstar-Whisky aus dem Spreewald

Benno Dietrich / 01.06.2011, 09:43 Uhr - Aktualisiert 08.06.2011, 10:57
(In House) Vor vier Jahren präsentierte Torsten Römer in Schlepzig seinen ersten Spreewälder Whisky. Bereits 2010 tauchte der „Sloupisti“ mit besten Bewertungen in der britischen Whisky-Bibel von Jim Murray auf und ist seitdem sehr gefragt. Dabei wollte Torsten Römer im Spreewald eigentlich nur ein Ferienhaus kaufen …

Für Torsten Römer ist es immer noch ein Wunder, als im vergangenen Jahr eine Whisky-Kennerin auf ihn zukam und davon sprach, dass sein Whisky „Sloupisti“ vom berühmtesten Whisky-Autoren der Welt, Jim Murray, geadelt wurde. Jedes Jahr bewertet der britische Whisky-Papst die besten Sorten. Und plötzlich taucht der „Single Malt Sloupisti“ (wendisch für Schlepzig) in der Whisky-Bibel 2010 von Murray auf. Und nicht nur das: Er erhielt fulminante 94 von 100 Punkten. Zudem nennt Murray den Spreewald-Whisky „riesig“ und „abgefahren“, ordnet ihn in die Kategorie der „Superstar-Whiskys“ ein und meint: „Lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen, genießen Sie die Klarheit der Aromen.“ Torsten Römer ist heute noch etwas ungläubig: „Ein unbekannter, nur dreijähriger Whisky und dann gleich 94 Punkte, das ist gigantisch.“ Und noch immer weiß der gebürtige Bremer, der nun schon seit fast 20 Jahren im Spreewald lebt, nicht, auf welchen seltsamen Wegen sein Whisky nach England kam. „Wahrscheinlich hat ein Whisky-Enthusiast den „Sloupisti“ an Murray geschickt. Gewusst habe ich es nicht.“

Aber wie kommt Brandenburgs erster Single Malt Whisky in das kleine Spreewald-Dorf Schlepzig, zumal Torsten Römer als leidenschaftlicher Biertrinker alles Hochprozentige meidet und sowohl das Schnapsbrennen als auch die Gastronomie nie sein Metier waren? Er begründet dies mit drei Worten: „Zufall, Glück und Zeit“. In der Tat verschlug ihn der Zufall in diese Region, die der studierte Mediziner und Radiologe 1991 besuchte und sich sogleich in den Spreewald verliebte. „Eigentlich waren wir hier nur auf der Suche nach einem Ferienhaus, doch dann wurde uns dieses Gasthaus aus dem 18. Jahrhundert angeboten.“ An einen Spreewälder Whisky war längst noch nicht zu denken. „Bei dem Umbau und der Restaurierung des alten Backstein-Fachwerks tat es uns leid, die Kneipe zuzumachen, also belebten wir sie wieder“, schaut der 60-Jährige zurück. Zum Gasthof gesellte sich noch ein Hotel, und 1998 kam eine Brauerei dazu, in der seitdem gemeinsam mit dem Braumeister Uwe Zech Spreewälder Zwickel, Doppelbock, Weizen, Pils und Dunkel hergestellt werden. Es folgte außerdem eine Brennerei für Obst- und Getreidebrände sowie Liköre.

Eines Tages kam Torsten Römer auf die Idee, auch mal eine Malzmaische anzusetzen – die Grundlage für einen Whisky. Er füllte den gebrannten Sud in ein kleines Fass ab. Dann ging er wieder zum Tagesgeschäft über. Jahre später – er war mit seiner Frau unterwegs – fragte sie ihn, angeregt durch einen schlechten Whisky, was denn eigentlich aus der Malzmaische geworden war. Dieser Moment wurde zur Geburtsstunde des „Sloupisti“, denn nach einer Verkostung wurde das Getränk als wohlschmeckend befunden, und der Mann der Tat begann mit einer ersten kleinen Produktion. Dazu kam die Maische in gebrauchte Weinfässer aus Franken, in denen vorher Silvaner-Auslese lagerte. „Wenn die Fässer dreimal genutzt wurden, bekomme ich sie“, erzählt er. Jetzt bedurfte es nur noch der guten Nase von Torsten Römer und seines Brennmeisters Enrico Hebler. So begann das Spreewälder Whisky-Märchen.

Heute lagert er seinen Whisky auch in Fässern aus dem weltberühmten Weingebiet Chateau d’Yquem südlich von Sauternes sowie in neuen Eichenfässern aus dem brandenburgischen Neu-Zittau. Finishing nennt man die Lagerung, wenn der Whisky für mehrere Monate oder Jahre nacheinander in verschiedenen gebrauchten Fässern abgefüllt wird, ein Trend, der erst in letzter Zeit in Mode gekommen ist.

Nachdem der „Sloupisti“ von der Fachwelt gefeiert wurde, war die Nachfrage so groß, dass er mit der Produktion nicht mehr hinterherkam. Der Whisky braucht eben Zeit. Und schon hatte Torsten Römer eine neue Vision: einen Brennereihof. Hier wurde kürzlich bereits die neue Verschlussbrennerei für Whisky und Rum in Betrieb genommen. In der mit modernster Kupferschmiedekunst hergestellten Anlage kann sechsmal so viel Whisky gebrannt werden wie in der alten. Auf dem Hof entstehen auch ein Fasslager, ein Café, ein Hofladen sowie eine rustikale Degustationskneipe zum Verkosten.

Immer wieder hat Torsten Römer neue Ideen. So lässt er in diesem Jahr ein Fass mit Korn-Destillat, kombiniert mit Wacholder- und Kümmel-Destillat, auf einem Spreewaldkahn durch die Kanäle schippern. „Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.“ Ziel ist auch eine Wodka- und Gin-Produktion. (

Spreewälder Feinbrand und Spirituosenfabrik mit Gasthof und Hotel, Dorfstr. 53/56, 15910 Schlepzig, Tel: 035472/6620; www.spreewaldbrauerei.de)

n Bei einem Single Malt darf der Whisky ausschließlich aus gemälzter Gerste in einer einzigen Destillerie hergestellt werden. Dabei kann ein Single Malt durchaus eine Mischung sein, aber immer nur aus einer einzigen Brennerei. Im Gegensatz zu einem Blend, der in Geruch, Geschmack und Farbe sehr gut gleichmäßig zu reproduzieren ist, weisen Single Malts einen eigenen individuellen Charakter auf, der durch die Herstellung und die Lagerung bestimmt wird.

n Erst 1963 traute sich die schottische Firma Glenfiddich aus Dufftown ihren Whisky wieder als Single Malt zu vermarkten, hatte damit Erfolg und war Wegbereiter für einen Trend. Dennoch halten Blends noch einen Marktanteil von 90 Prozent der schottischen Whisky-Produktion.

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