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Schauspieltruppe stellten die Schlacht bei Wittstock vor 375 Jahren nach

Die Schauspieler Martin Semmelrogge (r.) alias Melchior Graf von Hatzfeld und Frank Markwardt alias der Bürgermeister von Wittstock proben am Freitag das Freiluft-Theaterstück "Die Schweden kommen".
Die Schauspieler Martin Semmelrogge (r.) alias Melchior Graf von Hatzfeld und Frank Markwardt alias der Bürgermeister von Wittstock proben am Freitag das Freiluft-Theaterstück "Die Schweden kommen". © Foto: dapd
04.06.2011, 14:59 Uhr
Wittstock (DDP) Mit 25 Kanonen stehen sich die Landsknechte gegenüber. Der Pulverrauch liegt so reichlich in der Luft, dass man kaum noch etwas von dem Geschichtsspektakel sehen kann. Peter Venzmer ist Intendant und Regisseur dieser Kanonade im historischen Ambiente am Scharfenberg. Seine Schauspieltruppe stellt am Wochenende unter dem Motto „Die Schweden kommen!“ die Schlacht bei Wittstock nach - ein Höhepunkt des diesjährigen Gedenkjahres an die einzige Schlacht des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) auf brandenburgischem Boden vor 375 Jahren.

Der Dreißigjährige Krieg wütete 1636 bereits 18 Jahre und hatte Befehlshaber wie Schwedenkönig Gustav II. Adolf, Pappenheim, Tilly und Wallenstein das Leben gekostet. Am 4. Oktober 1636 (nach julianischem Kalender 24. September 1636) trafen im Konflikt um Hegemonie und Konfession erneut Skandinavier und Kaisertruppen südlich von Wittstock aufeinander.

Der rund 22.000 Mann starken verbündeten kaiserlich-sächsischen Armee standen etwa 19.000 schwedische Soldaten gegenüber, die trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit siegreich hervorgingen. Die Schlacht gilt als eine der blutigsten des Dreißigjährigen Krieges.

Venzmers Open-Air-Schauspiele erinnern alle zwei Jahre mit einer Veranstaltung an die für Wittstock und Region prägende Schlacht. Seit 1992 bietet sein Grevesmühlener Action-Theater Historienspektakel an den Mauern der Alten Bischofsburg. Die Stücke haben immer wieder Verheerung und Verwüstung zum Thema, vergegenwärtigen Geschichte und mahnen zugleich. Sie ergänzten die Ausstellung im Inneren der Burg, sagt der gelernte Elektroingenieur. Das Antikriegsmuseum informiert über Ursachen, Verlauf, Folgen und Nachwirkungen des Waffengangs. Es bildet einen Höhepunkt an der Themenroute „Schwedenstraße“, die Regionen Nordbrandenburgs, Mecklenburgs und Vorpommerns bis Rügen durchzieht.

Zu der Veranstaltung im Gedenkjahr war auch das schwedische Königshaus eingeladen, wie Venzmer berichtet. Royaler Besuch kommt zwar nicht, doch als Vertretung sollte ein Vier-Sterne-General dem Open-Air-Duell der beiden Feldherren beiwohnen. Der Sieg des schwedisch-schottischen Heeres unter Johan Banér, gespielt von Alfons Kujat, über die kaiserlich-sächsischen Einheiten von Melchior Graf von Hatzfeld, verkörpert von Martin Semmelrogge, festigte die schwedische Herrschaft über Nordostdeutschland. Sie währte reichliche 175 Jahre, ergänzt Venzmer, der gebürtige Rügener.

Auf der Freilichtbühne des Jahres 2011 befehligen Kujat und Semmelrogge 125 Landsknechte. Schwerterklirren und Musketenschüsse, Feuersäulen und Pferdegetrappel machen die Schrecken der Schlacht fühlbar.

Am Scharfenberg blieben nach dem Waffengang Tausende Tote zurück. Nach Schätzungen des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg verloren bis zu 8.000 Soldaten ihr Leben. Von dem Schicksal der Getöteten zeugt ein 2007 gefundenes Massengrab mit 125 Skeletten. Es stellt Europas größtes und besterhaltenes Grab aus dieser Epoche dar, dessen interdisziplinäre Untersuchung internationale Maßstäbe in der Schlachtfeldarchäologie setzte.

Durch Leichenfledderei weitestgehend unkenntlich gemacht, wurden hier Freund und Feind zusammen bestattet. Pathologen fanden Spuren, die nach Mittelschweden und Schottland, in das Baltikum und in die deutschen Gebiete führen. Den Lebensverhältnissen dieser einfachen Landsknechte wird sich ab 1. April 2012 die Sonderausstellung „1636 - Ihre letzte Schlacht“ in Brandenburg/Havel widmen.

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