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Neu Zittauer Betrieb fürchtet den Untergang

JWEILBACHERN / 14.10.2008, 19:56 Uhr
Gosen-Neu Zittau Von Jan C. Weilbacher

Der Streit zwischen dem Landwirtschaftsbetrieb Dr. Lehmann GbR in Neu Zittau, der als Pächter etwa eine Fläche von 1000 Hektar bewirtschaftet, und dem Land Brandenburg spitzt sich zu. Der Betriebs-Chef wirft dem Land vor, unter anderem durch die Renaturierung der Müggelspree die Firma in den Ruin zu treiben und versucht nun die Eigentümer zu überzeugen, gemeinsam gegen das Land vorzugehen.

Es ist eine gigantische Fläche, die der Familienbetrieb bewirtschaftet: 1100 Hektar. Bis auf einen kleinen Teil von etwa Hundert Hektar sind die Flächen von rund 300 Eigentümern gepachtet, 900 Hektar davon befinden sich in den Spree-Niederungen - von Köpenick bis Fürstenwalde. Daraus ergeben sich für Volker Schmohl, der die Geschicke des Betriebs leitet, Probleme, für die er das Land verantwortlich macht. Es greife vorsätzlich in Eigentumsrechte ein, so Schmohl. Dem Landwirtschaftsbetrieb drohe der Ruin, weil mehr und mehr bewirtschaftete Flächen unter Wasser stünden. Schuld seien zum einen eine verfehlte Flusswasserführung und dass der Wasser- und Landschaftspflegeverband (WLV) "Untere Spree" seiner Arbeit zum Beispiel zur Binnen-Entwässerung und der Entkrautung der Gräben nicht nachkomme. "Im letzten Jahr konnten wir auf den Gosener Wiesen deshalb kein Heu einfahren", sagt der 43-Jährige.

Zudem setze dem Betrieb seit einiger Zeit die Renaturierung der Müggelspree zu. Oberhalb von Hartmannsdorf stünde ein Großteil der Flächen seit der Altarm-Anschlüsse im Bereich Mönchwinkel ganzjährig unter Wasser, so Schmohl.

Bei den Flächen des Betriebs handle es sich um ein ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet, so Thorsten Weidner, Vorsitzender des WLV, zu den Vorwürfen. "Es ist gang und gäbe, dass die Flächen im Winter unter Wasser stehen." Die Tiere müssten dann runtergenommen werden. Kein Renaturierungsprojekt habe mit dieser Vernässung zu tun. Dass Flächen ganzjährig unter Wasser sind, stimme nicht, so Weidner.

Seit 2006 läuft bereits ein Rechtsstreit zwischen dem Neu Zittauer Betrieb und dem Land. Doch da der Familie Lehmann lediglich 100 Hektar selbst gehören, bezieht sich ihre Klage nur auf diese Fläche. Schmohl will nun die anderen Eigentümer ins Boot holen, zumal nach seinen Angaben im Rahmen der Müggelspree-Renaturierung noch Schlimmeres zu befürchten ist. In einer Einladung an die Eigentümer zu einer Informationsveranstaltung, die am Freitag stattfand, ist von einem "Totalverlust je nach Lage der Flächen" die Rede. "Für den Kernbereich von Erkner bis nach Steinfurt ist eine absolute Vernässung vorgesehen, in deren Folge eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung eher unwahrscheinlich erscheint, außer in ausgesprochenen Trockenjahren."

"Das entspricht nicht der Wahrheit", sagt Weidner. Die Leute würden mit Falschaussagen verunsichert. In diesem Bereich sei kein Spatenstich vorgenommen worden und es sei auch nicht beabsichtigt. "Das Problem mit den zeitweise hohen Wasserständen dort ist bekannt."

Etwa 100 Teilnehmer waren nach Auskunft von Schmohl bei der Veranstaltung. 90 Prozent von diesen seien bereit, ihn zu unterstützen. Aufgrund von "akustischen Problemen" ist die Veranstaltung aber abgebrochen worden. Schmohl will bei einer neuen Versammlung prüfen, welcher Eigentümer der Klage beitreten würde. In Frage käme auch eine Forderungsabtretung oder eine Bevollmächtigung für den Neu Zittauer Betrieb. Schmohl betonte, er hätte mit den Altarm-Anschlüssen kein Problem, wenn der WLV seine Arbeit machen würde. "Das machen wir", so Weidner. Aber "alles kann man verbessern. Wir sind jederzeit gesprächsbereit".

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