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„Wir Rentner bleiben da drin!“

Der Stolz der Küstrin-Kietzer: das vor elf Jahren für fünf Millionen Mark sanierte Kulturhaus Küstriner Vorland
Der Stolz der Küstrin-Kietzer: das vor elf Jahren für fünf Millionen Mark sanierte Kulturhaus Küstriner Vorland © Foto: Johann Müller
Ulf Grieger / 09.06.2011, 20:21 Uhr
Küstrin-Kietz/Manschnow (In House) Das Kulturhaus Küstriner Vorland kommt nicht unter den Hammer. Für die im Haushaltssicherungskonzept der Gemeinde Küstriner Vorland beschlossene Vermarktung des Gebäudes werden jetzt zunächst Ideen gesammelt. Darauf haben sich die Gemeindevertreter verständigt.

„Das Kulturhaus sollte nicht unter den Hammer kommen. Davon war gar keine Rede“, betonte Bernd Korb, Bürgermeister von Küstriner Vorland, unter dem Eindruck der energischen Auftritte von Küstrin-Kietzern zur Gemeindevertretersitzung im Manschnower Bürgerhaus. Zwar sei die Vermarktung des Kulturhauses, wie auch der Verkauf des Gorgaster Herrenhauses und eines Manschnower Wohnblockes im Haushaltssicherungskonzept beschlossen worden. Aber das bedeute nicht, dass man das Gebäude zur Auktion freigeben will.

Die Küstrin-Kietzer hingegen wurden hellhörig, als sie herausbekamen, dass der Kulturhausverkauf im nicht öffentlichen Teil der Gemeindevertretersitzung behandelt werden sollte. Hintergrund ist dieTatsache, dass die Frist abgelaufen ist, die mit der Bewilligung von rund vier Millionen Mark Fördermitteln verbunden war. Demnach musste das 1956 errichtet Eisenbahner-Kulturhaus, das zwischen 1997 und 2000 saniert wurde, bis Ende 2011 als Kulturhaus genutzt werden. Erst danach darf es vermarktet werden. Das bedeutet allerdings nicht unbedingt den Verkauf, sondern auch die Möglichkeit der Verpachtung von Räumen an Hotel- oder Gaststättenbetreiber.

Elisabeth Valentin, Vorsitzende des Küstrin-Kietzer Seniorenvereins, machte den Gemeindevertretern recht drastisch deutlich, dass die Senioren um ihren Vereinsraum im Kulturhaus kämpfen werden. „Wir Rentner bleiben da drin!“ Küstrin-Kietz habe schon jetzt kaum noch etwas Eigenes, seit die Kita und die Wohnblöcke verkauft worden sind. Bereits bei der Schließung des Bahnübergangs am Vorflutkanal habe man die Interessen der Einwohner missachtet. Und wenn man heute das polnische Kostrzyn mit dem deutschen Küstrin-Kietz vergleiche, dann müsse man sich fast schämen, weil es dort vielerorts bereits ordentlicher aussehe. Die Armaturenwerkruine, der ehemalige Konsum und andere Schandflecke prägen das Ortsbild. „Kietz muss nicht das dreckigste Dorf sein“, ergänzte der ehemalige Bürgermeister Waldemar Rosolowski, der auch den Neubau der Ortsdurchfahrt kritisierte.

„Wir werden uns im kleinen Kreis in der kommenden Woche auf einen Termin für die Einwohnerversammlung zu diesem Thema verständigen“, erklärte Ortsvorsteherin Astrid Bialek gestern. Dieses Herangehen wäre von vornherein das Richtige gewesen, so die Ortsvorsteherin. Ideen für die Vermarktung und die wirtschaftlich effektive Auslastung der Räume könnten jederzeit bei ihr benannt werden. „Wir überlegen auch, in wieweit wir die Nutzung der alten Schule und des Kulturhauses optimieren können“, erklärte sie. Zwar stehe der Verkauf der alten Schule nicht im Haushaltssicherungskonzept. „Aber auch diese Haus verursacht Kosten.“ Derzeit nutzen der Kinderverein Traumzeit , der Jugendklub und der Tischtennisverein Räume in der alten Schule. Astrid Bialek erinnerte die Gemeindevertreter daran, dass das Kulturhaus auch dank der fleißigen Arbeit vieler Bürger so attraktiv sei. So habe es in den vergangenen Jahren viele Initiativen zur Verschönerung des Umfeldes gegeben. Zudem sei auch der Sportplatz in Freizeitarbeit entstanden.

Manuela Kutscher, seit acht Jahren Leiterin des Kulturhauses, kritisierte die Gemeindevertreter dahingehend, dass bislang noch niemand mit ihr über die Zukunft des Hauses gesprochen habe. „Es gibt viele Anfragen von Veranstaltern und Paaren, die ihre Hochzeit bei uns feiern wollen. Was soll ich ihnen denn sagen? “

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