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Altlasten als Attraktionen

Joachim Eggers / 09.06.2011, 21:25 Uhr
Erkner (In House) Die Chemie-Vergangenheit Erkners wird die Stadt noch auf Jahrzehnte belasten. Jetzt soll sie zugleich als besondere Attraktion touristisch vermarktet werden.

„Die Wiege des Kunststoff-Zeitalters steht in Erkner.“ Diesen Satz geprägt zu haben, schreibt sich der Freundeskreis Chemie-Museum auf die Fahne, und sein Vorsitzender, der pensionierte Chemie-Professor Gerhard Koßmehl, nahm ihn am Mittwochabend im Wirtschafts- und Tourismusausschuss als Ausgangspunkt für die Überlegungen der Chemie-Freunde. Der Satz knüpft daran an, dass der erste vollsynthetische Kunststoff, das Bakelit, in Erkner entwickelt wurde.

Dieser Satz soll, das ist die erste Idee, künftig an zentraler Stelle in der Stadt in großen Buchstaben zu lesen sein. Fritz Kretschmer, Koßmehls Vize, hatte da schon recht präzise Vorstellungen – eine Tafel an einem 1,80 mal 2,40 Meter großen Stahlgerüst soll es sein, sie könnte, so Kretschmers Vorstellung, in der Nähe des Bahnhofs-Ausgangs aufgestellt werden. Der Standort ist aber noch genauso offen wie die Finanzierung. „Die Erkneraner sollen sich der Einzigartigkeit der Stadt bewusst werden.“

Die zweite Idee ist ein Kunststoff-Kabinett, das die Brücke vom alten Bakelit zur Zukunft der Kunststoffe schlagen soll. Kretschmer setzt auf die Mitarbeit des Kunststoff-Verbands Berlin-Brandenburg bei der Suche nach Sponsoren für ein solches Kabinett. Untergebracht werden könnte es, so Kretschmers Hoffnung, im City Center. Ideal wäre das Jahr 2013, in dem Leo Henrik Baekeland, der Erfinder des Bakelit, 150 Jahre geworden wäre.

Die Vorschläge stießen auf viel Wohlwollen. Lothar Kober von der Linkspartei ging noch ein Stück weiter und schlug vor, wichtige Punkte der Chemie-Entwicklung im Stadtbild mit Tafeln zu markieren – „nicht nur die Pfälzer und Gerhart Hauptmann“. Koßmehl zeigte sich angetan von der Anregung. Klaus Bachmayer (SPD) fragte, ob auch die Aspekte Erwähnung finden würden, die „nicht so lecker“ seien – also die bleibenden Belastungen für Mensch und Umwelt. Ja, sagte Kretschmer, man habe schon an Führungen zu historischen Chemie-Standorten gedacht – zum Beispiel auch zu der Grundwasser-Reinigungsanlage, die seit 2008 unterhalb der Baekaland-Brücke betrieben wird. Damit könnten die Erfolge bei der Dekontaminierung allen, die daran zweifelten, vor Augen geführt werden. Auch Koßmehl bekannte sich dazu, die unschönen Seiten des Themas zu behandeln. „Als einer, der den verheerenden Angriff von 1944 von Woltersdorf aus miterlebt hat, habe ich das immer mit reflektiert.“

Die Vorschläge sollen in die weitere Arbeit an dem Tourismus-Konzept einfließen. Außer mit Gerhart Hauptmann will die Stadt mit ihrer natürlichen Umgebung und mit architektonischen Kleinoden wie der Bahnhofsiedlung Besucher und Gäste anziehen.

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