Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Warum "Lausi" dabei blieb

© Foto: köhler
Hans Eberhard / 11.06.2011, 06:35 Uhr - Aktualisiert 11.06.2011, 11:09
Frankfurt (Oder) (In House) Sören Lausberg kann sich noch gut erinnern: „Mit acht Jahren fuhr ich mein erstes Radrennen für die damalige BSG Kraftverkehr. Das war ein Kriterium in Hansa Nord, ich wurde Dritter.“ Seine ersten Übungsleiter waren Horst Krüger, Helmut Stenzel und Herbert Jäger.

Meistens, so gibt Lausberg zu, hatte er Schwierigkeiten, bei längeren Kanten mitzuhalten. „Einmal hatte mich das große Feld in der Senke der Kunersdorfer Wüste beim Anstieg nach Lebus gnadenlos abgehängt. Ich wollte schon aufgeben, ganz mit dem Radsport aufhören, kämpfte mich auf der Geraden aber wieder ran. Das muss Gerald Rentsch beobachtet haben. Nach dem Rennen sagte der Trainer: ‚Lausi, das hast du gut gemacht.‘ Er nahm mich mit in den Materialkeller und schenkte mir nagelneue Renntrikots. Das war ein motivierendes Ereignis, und ich blieb dabei!“

Sören Lausberg wechselte als Talent später von der Betriebssportgemeinschaft zur Sportschule und zum damaligen Frankfurter ASK, ab 1994 zum SC Berlin und zum RSV „Werner Otto“. Er wurde ein „Bolzer“, ein Sprinter mit der Spezialdisziplin 1000 Meter und bestimmte bis 2003 zehn Jahre lang die Weltspitze mit. Der gebürtige Eisenhüttenstädter gewann viermal WM-Silber im Einzelzeitfahren. Er war zweimal WM-Zweiter im Teamsprint und zweimal auch Olympia-Vierter.

Heute ist Sören Yves Lausberg, von den Sportkameraden immer noch „Lausi“ genannt, als Diplom-Informatiker am Berliner FES dem Sport treu geblieben. Der 41-Jährige ist am Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten mittlerweile stellvertretender Abteilungsleiter und gehört dem Betriebsrat an. Am Schöneweider Institut, schon 1962 als DDR-Entwicklungsabteilung der DHfK gegründet, geht es um die Optimierung im System „Mensch und Material“, schlichtweg um die Erkenntnis: „Ohne gutes Material keine Medaillen!“

Nicht nur deutsche Bob- und Rennschlittenpiloten, auch Schützen, Schwimmer, Kanuten, Ruderer, Leichtathleten, Segler, Eisschnelläufer, Triathleten sowie Ski- und Behindertensportler profitieren von dieser Einrichtung mit rund 60 Angestellten. Lausberg entwickelt im Bereich der Messtechnik derzeit die Software für Radsportler und Eisschnelläufer und legt damit die Basis für Training und Leistungsdiagnostik – also ein Rad- und Ergometer-Spezialist durch und durch.

Der ehemalige Frankfurter Sportschüler und Sportsoldat ist verheiratet und hat einen Sohn. Der 13-jährige Justin freilich zeigt (noch) kein großes Interesse für den Sport im Allgemeinen und den Radsport im Besonderen. „Hauptsache gesund und munter“, kommentiert der Vater, der sich bei 1,91 Metern Länge seine einstigen athletischen Vorzüge bewahrt hat. „Aber 110 Kilo Gewicht derzeit sind ein wenig zu viel“, mosert er rum.

Grund für seinen Frankfurt-Besuch waren nicht nur die Eltern, sondern eine spezielle Einladung. Jürgen Damm, einst Kfz-Meister und Übungsleiter, später Kampfrichter, hatte 36 Jahre nach Gründung der BSG Kraftverkehr wieder ehemalige Aktive, Trainer und Mechaniker zum 2. Traditionstreff eingeladen – nach der „Bremsdorfer Mühle“ nun ins „Graham“. Der jetzt 70-Jährige, der wegen seines Sohnes Marcus von den Lok-Fußballern zu den BSG-Radrennern gewechselt war, kann als Übungsleiter, Chronist und Kraftfahrer so manche „Schnurre“ erzählen: Über den gefürchteten EFKA-Berg (genannt nach dem Kino), über die vom ASK förmlich aus dem Boden gestampfte Trainingsstrecke in Groß Lindow, über die Touren zur Berliner Winterbahn ...

„Fahrtechnisch waren wir in der BSG Kraftverkehr gut besattelt“, urteilt er. „Nur im Busbereich mussten wir uns mit älteren Modellen begnügen. Der alte Ikarus 66, den wir wegen der Form nur ‚Zigarre‘ nannten, streikte manchmal auf Wettkampffahrten. Aber wir hatten ja immer eine fast komplette Ersatzteilkiste dabei und konnten die Pannen schnell beheben.“

Von 1975 an delegierte die BSG nahezu 30 Talente zur Frankfurter Sportschule, darunter neben Lausberg auch den späteren Oderrundfahrt-Sieger Torsten Bredow sowie Roland Schiewek, Heiko Mietzner, Uwe Venske, Jan-Erik Schneidewind, Dirk Jäger, Rene Diers, Eckhard Ramm, Oliver Schaarschmidt und Torsten Hoffmann. Fast alle kamen – die meisten wegen der erwarteten fröhlich-feuchten Runde diesmal aber nicht mit dem Fahrrad ...

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG