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Sorbischer Priester in Dresden seliggesprochen

In der Sorbischen Grund- und Mittelschule im sächsischen Radibor, der Geburtsstadt des sorbisch, katholischen Priesters Alojs Andritzki haben Schüler ein Plakat über ihn angefertigt.
In der Sorbischen Grund- und Mittelschule im sächsischen Radibor, der Geburtsstadt des sorbisch, katholischen Priesters Alojs Andritzki haben Schüler ein Plakat über ihn angefertigt. © Foto: dpa
13.06.2011, 18:20 Uhr
Dresden (DDP) Der 1943 im KZ Dachau ermordete sorbische Priester Alojs Andritzki ist seliggesprochen worden. Bei einem feierlichen Gottesdienst im Freien vor der Dresdner Hofkirche am Pfingstmontag sagte Bischof Joachim Reinelt, Andritzki habe besonders christlich gelebt und sei für seinen Glauben gestorben. Mit diesem Mut sowie seiner stets freundlichen und aufmunternden Art habe sich Andritzki von anderen Gläubigen abgehoben, erklärte Reinelt vor mehreren tausend Katholiken, die auch aus Polen und Tschechien angereist waren. Papst Benedikt XVI. würdigte in Rom das Wirken des Priesters.

Andritzki, der der slawischen Minderheit der Sorben in der Lausitz angehörte, ist der erste gebürtige Sachse, der seliggesprochen wurde. Er hatte als Jugendseelsorger die Nationalsozialisten scharf kritisiert und war dafür 1941 ins Konzentrationslager Dachau gekommen. Dort wurde er zwei Jahre später im Alter von 28 Jahren ermordet. „Der hat den Mut gehabt, zu sagen, nein, ich geh‘ lieber ins KZ, als unter Hitler zu dienen“, sagte Reinelt. Selbst im KZ habe Andritzki wie ein Heiliger gelebt und anderen Gefangenen Lebensmut gespendet.

Andritzki gilt in der katholischen Kirche als Vorbild für den Glauben und als Märtyrer, die nach ihrem Tod seliggesprochen werden können. Gläubige können sich im Gebet an einen Seliggesprochenen wenden und um Fürbitte bei Gott bitten. Für jeden Seliggesprochenen wird zudem ein Gedenktag festgelegt, meistens der Todestag. Für Alojs Andritzki wurde der 2. Februar bestimmt, der Tag, an dem er in Dachau schwer erkrankt mit einer Giftspritze umgebracht wurde.

An der Zeremonie in Dresden nahmen laut Polizei rund 8.000 Menschen teil. Unter ihnen waren auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der selbst Sorbe und Katholik ist, sowie weitere Minister sowie Angehörige Andritzkis. „Alojs hat die jungen Menschen begeistert“, sagte Tillich in sorbischer Sprache in einer Fürbitte.

Zu der Messe angereist waren vor allem viele Sorben in Trachten, aber auch Katholiken aus Polen und Tschechen. „Aljos war wirklich durchdrungen vom Glauben“, sagte am Rande der Messe eine Besucherin, die aus der Heimatregion Andritzkis stammt.

Zwtl: 2.500 katholische Geistliche in Dachau interniert

Der Priester aus dem ostsächsischen Radibor hatte sich trotz starken Drucks durch die NS-Machthaber sowohl zu seiner Herkunft als Sorbe als auch zu seinem katholischen Glauben bekannt. Beides galt im Dritten Reich als äußert gefährlich. Im Konzentrationslager Dachau seien rund 2.500 katholische Geistliche interniert gewesen, sagte Reinelt. Andritzki war als junger Kaplan an der Dresdner Hofkirche, dem Ort der Seligsprechung, 1941 von der Gestapo verhaftet worden.

Der römische Kardinal Angelo Amato verlas bei der Zeremonie ein Schreiben von Papst Benedikt XVI. Dieser hatte die Seligsprechung bereits am Pfingstsonntag auf dem Petersplatz in Rom gewürdigt. In Andritzki habe das Wirken des Heiligen Geistes machtvoll aufgeleuchtet, sagte der Papst. Trotz der Qualen im KZ sei er „für seine Mitgefangenen und Verwandten Quelle des Glaubens und der Freude gewesen“. „Diese tiefe und wahre Freude, die nur der Heilige Geist schenkt, wünsche ich euch allen“, erklärte Benedikt XVI.

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