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Calau eröffnet Witze-Rundweg

  Kleine Schusterjungen-Figuren aus Bronze leiten Besuchern den Weg über den Rundweg.
Kleine Schusterjungen-Figuren aus Bronze leiten Besuchern den Weg über den Rundweg. © Foto: MOZ/Harriet Stürmer
Harriet Stürmer / 13.06.2011, 19:19 Uhr
Calau (In House) Calau gilt als Heimat des sogenannten Kalauers – des Wortwitzes. Passend dazu gibt es seit Kurzem einen Witze-Rundweg in dem südbrandenburgischen Ort. Auf diese Weise will man Besuchern das Städtchen auf humoristische Weise näher bringen.

Mit Witzen ist das ja immer so eine Sache. Im Grunde sollen sie einen zum Lachen bringen. Aber nicht jeder kann einen Witz so erzählen, dass der Zuhörer am Ende wirklich lacht. Natürlich kommt es auch auf den Witz an sich an. Mal angenommen, die Pointe ist schwer verständlich, dann kann sie schnell verpuffen. Der Witz misslingt und endet als Rohrkrepierer. Selbstverständlich gibt es auch einfach schlechte Witze. Beim Kalauer – dem Wortwitz oder Wortspiel – ist die geringe Lustigkeit bisweilen gewollt, sie wird sogar ironisch genutzt und derart auf die Spitze getrieben, dass der Witz nur deshalb lustig ist, weil er so schlecht ist – ein Flachwitz eben.

Geburtsstadt des Flachwitzes ist Calau. Das ist zwar nur eine von mehreren Theorien zur Herkunft des Begriffs Kalauer, aber die gängigste. Demnach kreierten die seit dem 19. Jahrhundert zuhauf in der Stadt tätigen Schuster Witze am laufenden Band. Man sagt, dass die Handwerker oft nachts arbeiten mussten, damit die große Nachfrage nach Calauer Schuhen oder Stiefeln befriedigt werden konnte. Um die Müdigkeit zu vertreiben, sollen sie sich gerne Witze erzählt haben. „Neben den örtlichen Gegebenheiten witzelten sie über die Doppeldeutigkeit so manchen Wortes“, sagt Tourismusmanager Stephan Uhlig.

Und wie der Zufall es so wollte, war der Satiriker Elias Levy alias Ernst Dohm Mitte des 19. Jahrhunderts hin und wieder in Calau zu Besuch. Dort schnappte er die Scherze der Schusterjungen auf und brachte sie in das bekannte Berliner Satireblatt „Kladderadatsch“, das von 1848 bis 1944 erschien. Wenn man so will, hat sich der Begriff Kalauer also dank Dohms Rubrik „Aus Kalau wird berichtet“ im Volksmund gefestigt.

So weit die Theorie, nun mal ein praktisches Beispiel aus Calau, wo der neue Witze-Rundweg historisch überlieferte Kalauer mit realen Orten in Beziehung bringt. Am Heimatmuseum, einem kleinen Fachwerkhaus an der Stadtkirche, steht zum Beispiel auf einer Tafel Folgendes geschrieben: „Warum gab es auf dem Calauer Kirchdach an der Ostseite einen Wetterhahn und keine Henne?“ – „Wer hätte denn da die Eier auffangen sollen?“ Eher mäßig, was? Vielleicht sorgt ja ein Wortspiel, das am ehemaligen Haus des Korbmachers gegenüber dem Rathaus zu lesen ist, für mehr Erheiterung: „Warum hat Korbmacher Krause keine Haare mehr auf dem Kopf?“ – „Weil die Afrikaner ,Krauses Haar‘ haben!“ Naja ... Aber der nächste Kalauer wird bestimmt seine Liebhaber finden. Er steht passenderweise vorm „Hotel zur Post“: „Was ist an der Knackwurst am wertvollsten?“ – „Das N!“

Über diesen Wortwitz kann selbst Tourismusmanager Uhlig noch herzhaft lachen. Dabei hat er ihn wahrscheinlich schon zig Mal gelesen. Weil sich der gebürtige Calauer mit der Geschichte seiner Stadt und ihren historischen Kalauern bestens auskennt, führt er nun regelmäßig Touristen über den Witze-Rundweg. Es versteht sich von selbst, dass er die Lacher dabei auf seiner Seite hat. Allerdings sollen die bisher gut 20 an prägnanten Orten prangenden Witztafeln die Besucher nicht nur zum Lachen bringen. Sie sollen zusätzlichen Anreiz dafür schaffen, die kleine Stadt südlich des Spreewaldes näher kennenzulernen. Deshalb wurden die Tafeln vor historisch bedeutenden Gebäuden aufgestellt. Unter einem passenden Kalauer stehen Hinweise zum jeweiligen Bauwerk und zur Stadtgeschichte. An bisher fünf Tafeln leiten zudem kleine Schusterjungenfiguren aus Bronze Besucher durch die Innenstadt.

Lange hatte es Calau verschlafen, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen und den Begriff des Kalauers für das Stadtmarketing nutzbar zu machen. „Jetzt wollen wir dieses Leitbild umsetzen und nach und nach weiterentwickeln“, sagt Uhlig. Natürlich verspricht sich die Stadt vom Witze-Rundweg eine größere Attraktivität. Der Spreewald ist nicht weit entfernt. Gegen die dortigen Touristen-Hochburgen Lübbenau, Lübben oder Burg kommt man freilich nicht an. Vielleicht aber lassen sich ja mit der neu entdeckten witzigen Art mehr Tagesausflügler anlocken als früher.

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