Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Jobcenter muss den Gürtel 
enger schnallen

Sabine Rakitin / 14.06.2011, 19:31 Uhr
Eberswalde (In House) Im Jobcenter Barnim wird der Gürtel enger geschnallt. 
40 Mitarbeiter weniger betreuen 534 Arbeitslose mehr als im vergangenen Jahr. Das größere Problem ist jedoch, dass die finanziellen Mittel in diesem Jahr stark zusammengestrichen worden sind.

„Wir haben wesentlich weniger Geld als noch im vergangenen Jahr zur Verfügung“, sagt Mandy Kaina, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Barnim. Wie groß der Aderlass genau ist, verkündet sie vor den Mitgliedern des Sozialausschuss des Kreistages allerdings nicht. Nur, dass das Geld im vergangenen Jahr noch dazu reichte, 1133 Hartz-IV-Empfänger über den zweiten Arbeitsmarkt zu beschäftigen. In diesem Jahr könnten lediglich 535 Frauen und Männer, die Arbeitslosengeld II beziehen, untergebracht werden.

„Wenn man die gleiche Zahl von Leuten wie 2010 bewegen will, geht das nur, wenn die Laufzeit der Maßnahmen verkürzt wird“, erklärt sie den Kreistagsabgeordneten. Für den Einzelnen bedeutet das: Statt bisher durchschnittlich sechs Monate dauert die Arbeitsgelegenheit, die er bekommt, nur noch drei Monate.

Noch drastischer fallen die Kürzungen im Bereich „Aktivierung und berufliche Eingliederung“ aus. 794 Maßnahmen im vergangenen Jahr stehen 166 in diesem gegenüber.

Die finanziellen Mittel, die das Jobcenter zur Verfügung habe, würden deshalb vor allem als Eingliederungszuschüsse an Arbeitgeber gezahlt oder für die berufliche Weiterbildung von Langzeitarbeitlosen eingesetzt, sagt Mandy Kaina.

Insgesamt sind im Barnim im April 18 666 Empfänger von Arbeitslosengeld II in 10 795 Bedarfsgemeinschaften registriert gewesen. 712 davon waren Jugendliche unter 
25 Jahren. Gerade in ihnen sehen die Mitarbeiter des Jobcenters seinen Schwerpunkt: „Das sind 712 Jugendliche, die wir in Ausbildung bringen wollen“, erklärt die Vize-Geschäftsführerin. Dabei entgegen kommt der gemeinsamen Einrichtung von Bundesarbeitsagentur und Landkreis, dass es zurzeit sehr viele freie Ausbildungsplätze und auch freie Arbeitsstellen gibt. Wer von den Jugendlichen die Voraussetzungen für eine Ausbildung nicht mitbringt, dem finanziert das Jobcenter durchaus auch Nachhilfeunterricht.

Mit 2964 gibt Mandy Kaina die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Barnim an – Frauen und Männer, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind. Auf die Frage aus dem Sozialausschuss, wie groß unter ihnen der Anteil derer sei, die noch Vermittlungschancen hätten, bleibt die Vize-Chefin des Job-Centers eine Antwort schuldig.

Heiner Loos (FDP) geht offenbar davon aus, dass die meisten nicht arbeiten wollen und verlangt in diesen Fällen die konsequente Streichung aller Leistungen. „Wenn sie Hunger haben, werden sie schon was tun“, ist er überzeugt. Rene Devrient (SPD), der in der Schorfheide eine „Sozialherberge“ betreibt, beruhigt den FDP-Mann: „Bei mir arbeiten die alle. Man muss sie nur richtig anfassen!“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Leser 20.06.2011 - 18:01:05

rene devrient

ja Rene, man muß sie nur richtig anfassen, bei mir arbeiten alle in der döllner "sozialherberge", deswegen hast du ja auch die anzeige am hals und das internet ist voll!

Kalr 15.06.2011 - 12:43:34

Keiner...

... ... ist so schlau wie Heiner (Loos)" möchte man da leicht sarkastisch anmerken. Aber noch rechtzeitig verschlägt es mir die Spucke vor einem solchen Kreistagsabgeordneten, der sozial abgesichert und - vom Krankenversicherten mit ständig steigenden Zwangsabgaben üppig alimentiert - hier so perfide und menschenverachtend über andere Menschen urteilt. Nun, die nächsten Wahlen kommen bestimmt und ich hoffe sehr, danach wird es dem schlauen Heinerlein die Spucke verschlagen haben.

Lisa 15.06.2011 - 12:21:15

Arm trozt Arbeit

Ich gehe jeden Tag arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Große Sprünge kann ich mir nicht erlauben, einen Urlaub mit der Familie schon garnicht. Ich verlasse täglich um 7 Uhr das Haus und bin oft erst abends um 18 oder 19 Uhr zu Hause. Freizeit gleich null. Dennoch liege ich dem Staat nicht auf der Tasche. Einem Hartz IV Empfänger geht es verhältnismäßig sehr gut, denn soviel Freizeit hätte ich auch gerne mal. Ich kenne sogar Hartz IV Empfänger, die sich einmal im Jahr einen Urlaub leisten können. Dies wiederum kann ich nicht. Klar sind die Leistungen für diejenigen als Überbrückung okay, aber ich habe was gegen Schmarotzer, die nicht arbeiten wollen oder einfach zu dämlich sind um arbeiten zu gehen. Denen sollte man gänzlich die Leistung versagen.

Thomas K. 14.06.2011 - 22:12:51

@Bienchen

Sie kennen nicht die Worte von Herrn Westerwelle im genauen Wortlaut oder haben sie einfach nicht verstanden. Wieso "wehrlos und ängstlich"? Ich bekomme keine Prozesskostenhilfe gewährt wenn es um meinen Lohn geht.

Bienchen 14.06.2011 - 21:40:59

Das ist unfair

Lisa ein "feiner" Mitmensch sind sie! Jeder weiß, dass das Jobcenter nicht mehr Arbeitsamt heißt, weil es ein Wirtschaftsunternehmen ist. Es lebt davon, Leistungen zusammen zu streichen. Das tut das Jobcenter besonders gern bei Wehrlosen und Ängstlichen. Bei mir hat es das Jobcenter auch versucht. Es unterstellte mir, Leistungen erschlichen zu haben. Ich habe einen prima Rechtanwalt und das Jobcenter mußte noch 480€ drauf zahlen. Der FDP- Mann kennt sicher keine Not. Das ist pure Hetze! Die häßlichen Worte des Herrn Guido Westerwelle in Bezug auf Hartz IV Empfänger sind mir noch in Erinnerung. Diese Hetze in TV und Zeitungung sind unerträglich. Hartz IV ist erniedrigend! Das Volk wird gegeneinander aufgehetzt, um von der miesen Politik abzulenken. Nicht am Volk liegt es, dass es nur noch Berg ab geht! Das Volk wird nur noch belogen und betrogen. Armseelig ist, wer das nicht erkennt.

Lisa 14.06.2011 - 19:58:49

Junge meist zu Faul

Die meisten jungen Leute, die Hartz IV beziehen sind zumeist nicht arbeitswillig bzw. arbeitsfähig. Das Jobcenter sollte des öffteren mal über Kürzungen oder Streichung von ALG II nachdenken, oder sogenannte Bedarfsgemeinschaften unangekündigt kontrollieren. Wieviel Geld dadurch eingespart werden kann, gleicht den anderen Verlust bestimmt aus.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG