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Ein Riese wird 100

Wasserturm in Bernau
Wasserturm in Bernau © Foto:
BHORN / 14.06.2011, 20:09 Uhr
Bernau (In House) Der Bernauer Wasserturm gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Er erinnert zwar durch sein rotes Backsteinmauerweg an Pulverturm und Steintor an der Bernauer Stadtmauer, ist aber bedeutend jünger als die historischen Bauten der Bernauer Stadtbefestigung. Er besteht jetzt 100 Jahre. Dieses Jubiläum nahm unser Autor Karl Bülow zum Anlass, der Geschichte des Turms und der Bernauer Wasserleitung nachzugehen.

Das Wasserwerk an der Börnicker Chaussee und der Wasserturm am Sportplatz gingen 1911 als erste Abteilungen der Stadtwerke in Betrieb. Diesem für die Stadtgeschichte wichtigen Ereignis gingen vielfältige Aktivitäten voraus. Ernst Koch hat in seiner Chronik von 1894-1945 diese Vorarbeiten für die Nachwelt festgehalten.

Januar 1910:

Vom Bankier Mendelssohn in Börnicke werden die Wiesen am Börnicker Damm (40 030 Quadratmeter) für 10 500 Mark erworben. Der Ingenieur Prinz aus Berlin wird mit den Vorarbeiten beauftragt. Für ein Projekt mit Kostenanschlag und Erläuterungsbericht soll er 3000 Mark erhalten.

März 1910:

Das vom Ing. Prinz vorgelegte Projekt weist aus: Ohne Grund und Boden, Wohnhaus und Vorarbeiten wird die Wasserversorgung für Bernau 340 000 Mark kosten. Das Stadtparlament wünschte folgende Änderungen:

1. Das Terrain, auf welchen die Betriebsanlagen (Maschinenhaus, Schöpfbrunnen, Enteisungsanlage) zu stehen kommen, soll so angehöht werden, dass von hier bis zu Dammkrone der Straße ein Abflussgefälle erzielt wird.

2. Soweit es möglich bzw. notwendig ist, sollen auch die Hohestein-, Grün-, Kronen-, und Roßstraße sowie die Zepernicker Chaussee ebenfalls zweiseitige Rohrleitungen erhalten.

3. Die für den Lohmühenweg projektierte einseitige Leitung soll unter dem westlichen Bürgersteig verlegt werden.

Die gesamte Bauleitung wurde dem Ing. Prinz gegen eine Pauschalentschädigung von 14 000 Mark übertragen.

Mit den Arbeiten an der Wasserleitung wurde im Mai 1910 begonnen und ein Jahr später floss das kühle Nass durch die Leitungen in die angeschlossenen Haushalte und Betriebe. Der Bahnhof wurde im Juni 1911 an die städtische Wasserleitung angeschlossen.

Koch hat folgendes Vorkommnis während der Bauarbeiten wegen der Weitsichtigkeit der Verantwortlichen für bewahrenswert gehalten, so das der Bau der Kanalisation erst später erfolgen sollte:

Und zwar war das im Juni 1910. Da wurden bei der Durchlegung der Wasserleitungs-, Gas-, und Kanalisationsrohre die Fundamente des Königstores (heute Steintor) an beiden Seiten mit hartgebrannten Steinen in Zementmörtel unterfangen bzw. mit einer aus gleichem Material hergestellten Schutzmauer versehen.

Während der Bauarbeiten wurde die Finanzierung geregelt und auch der Bau des Wasserturms ausgeführt.

In der der Chronik von Ernst Koch kann man dazu Folgendes nachlesen:

August 1910:

1. Die Kreissparkasse gibt 340 000 Mark als Darlehen

2. Zinsen jährlich 4 Prozent, Tilgung 1 1/4 Prozent mit Zuwachs ersparter Zinsen

3. Sicherheit: Gesamtes Vermögen der Stadt.

Zum Wasserturm stand in den Brandenburger Blättern vom 15. Juni 2007 Wissenswertes geschrieben. So hieß es darin: „Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Bernau und die Entstehung neuer Wohngebiete zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte – ebenso wie in zahlreichen anderen Städten Brandenburgs – den Bau eines Wasserwerkes notwendig. Als Standort für den Wasserturm wurde der Mühlenberg ausgewählt. Am 27. Mai 1910 begannen die Erdarbeiten für das drei Meter tief gegründete Stufenfundament. Bereits ein Jahr später floss das Wasser.

Der Wasserturm ist 43,90 m hoch. Seine neugotischen Stilanleihen zeigen sich insbesondere im Eingangsbereich sowie in der Gestaltung der Sitze, die an mittelalterliche Burgtürme erinnert. Der Schaft geht nahtlos in die Spitze über – im Gegensatz zu dem meisten anderen Wassertürmen des Landes Brandenburg, die auskragend konstruiert sind.

Der acht Meter hohe Hochbehälter, der 350 000 Kubikmeter Wasser aufnehmen konnte, besteht aus genietetem Stahl und ist auf einem Mauerwulst gelagert. Auf seinem oberen Rand befindet sich ein Umgang.

Zusammen mit anderen Bernauer Türmen prägt das Bauwerk die Stadtsilhouette. Bereits zu DDR-Zeiten wurde der Turm in die Denkmalliste aufgenommen. Vor einigen Jahren gab es Überlegungen, den leer stehenden Turm für kulturelle Zwecke zu nutzen, was inzwischen geschehen ist.“

In der Bernauer Konzertreihe „Siebenklang“ gab es bereits mehrere Konzerte im Wasserturm. So spielte erst am 19. Mai Wolfram Huschke mit seinem Cello in diesem technischen Gebäude. Dieser Ort entspricht besonders dem Gedanken des Festivals „Siebenklang“, das sich zur Aufgabe stellt, jährlich sieben Konzerte an sieben ungewöhnlichen Orten zu bieten. Davor haben Madeleine Bloom im Jahr 2010 und Moving Sounds im Jahr 2009 ein großes Publikum angezogen und dem 100 Jahre alten Gemäuer ganz ungewöhnliche Erlebnisse verschafft.

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