Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wenn das Geld für die Brille fehlt

Gutes Sehen schützt: Optiker Thomas Giese passt Irmgard Tank die neue Brille an. Da sie selbst nicht in der Lage war, die benötigte neue Fernbrille zu bezahlen, warb Sigrun Pilz (im Hintergrund) um Spenden bei mehreren Panketalern. Foto: MOZ/Sergej Scheib
Gutes Sehen schützt: Optiker Thomas Giese passt Irmgard Tank die neue Brille an. Da sie selbst nicht in der Lage war, die benötigte neue Fernbrille zu bezahlen, warb Sigrun Pilz (im Hintergrund) um Spenden bei mehreren Panketalern. Foto: MOZ/Sergej Scheib © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
BGALLREIN / 30.06.2011, 06:53 Uhr
Panketal (In House) „Altersarmut ist längst mitten unter uns angekommen“, stellt Sigrun Pilz fest. Die Initiatorin des „Eichenkränzchens“, eine Gruppe von Anwohnern aus Panketal, die sich ehrenamtlich für das Seniorenheim Eichenhof engagiert, hat dies jetzt exemplarisch erleben müssen. Irmgard Tank, eine 82-jährige Bewohnerin, benötigte dringend eine neue Fernbrille. Sie verfügt jedoch über keine Ersparnisse und erhält über die Grundsicherung im Alter rund 90 Euro Taschengeld für den persönlichen Bedarf wie Körperpflegemittel oder Medikamente, die nicht verordnet werden. „Eine Tasse Kaffee oder ein Eis ist da kaum noch drin“, sagt Sigrun Pilz. Der Betrag reiche erst recht nicht aus, wenn Zuzahlungen für eine Brille, für den Zahnersatz oder für orthopädische Schuhe geleistet werden sollen. Anfragen beim Sozialamt und bei der Krankenkasse hätten ergeben, so Frau Pilz, dass es seit der Änderung der Sozialgesetzgebung im Jahr 2005 keine Leistungen von der Kasse und auch keine Härtefallregelung gebe. „Viele Menschen mit üblichen Ostrenten, die in stationärer Pflege sind, sind nach dem Aufbrauchen ihrer Rente darauf angewiesen, Ersparnisse oder das sogenannte Taschengeld für gesundheitliche Leistungen anzusparen“, hält Sigrun Pilz fest. „Immer mehr alte Menschen, gerade auch Alleinlebende ohne Angehörige, kommen in diese Lage.“

Der 82-jährigen Irmgard Tank konnte jedoch geholfen werden. Die Panketaler Thomas Giese, Marcus Pausch, Olaf Pilz, Mario Bzowka, Michael Gertenbach, die Freizeitfußballer der Pankekickers und Sigrun Pilz spendeten die benötigten 340 Euro für die Brille. Nach rund vier Wochen ohne Brille, konnte Irmgard Tank jetzt wieder aufatmen. „Wenn ich die Treppe hinunterging, konnte ich die einzelnen Stufen gar nicht richtig“, sagt sie und ist froh, dass sie ihren Alltag jetzt wieder leichter bewältigen kann.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
GK 04.07.2011 - 14:49:55

@ Karl

Nachdem auch ich mir erstmal die Tränen trocknen musste, weil ich natürlich mitgelitten habe, fällt mir nichts mehr ein - außer "Danke, Karl, für diesen Beitrag!"

Karl 03.07.2011 - 19:22:01

Elend

Bundestagsabgeordnete in unserem schönen Land leben am Rande des Existenzminimums. Weiß jeder. Es weiß auch jeder, dass sich die herrschende Politkaste im Bundestag auch regelmäßig die Diäten selbst erhöht. Über diesen Selbstbedienungsladen regt sich auch keiner mehr auf. Und damit die armen, sich den Arsch wund schindernden Abgeordneten nicht mehr so viel Arbeit haben, wurde die nächste Erhöhung gleich für zwei Jahre hintereinander beschlossen.Zur Zeit betragen die Diäten pro Abgeordneten 7668 Euro - im Monat. In den Jahren 2012 und 2013 sollen sie um jeweils 292 Euro steigen.Die Diäten orientieren sich an der Besoldung von Bundesrichtern, erreichen deren Höhe aber auch mit den geplanten Steigerungen nicht. Noch nie in meinem Leben habe ich von vergleichbarem Elend gehört! Wenn man dann noch bedenkt, dass jeder dieser arg Gebeutelten eine steuerfreie Aufwandsentschädigung (in der Wirtschaft nennt man so etwas Spesenvorschuss) in Höhe von knapp 48.000 Euro pro Jahr erhält, der allerdings nicht abgerechnet werden muss, wird das Elend dieser Menschen richtig greifbar. Außerdem haben Abgeordnete auch noch 12.000 Euro/Jahr für Büroausstattung zur Verfügung. Das reicht natürlich nicht: Allein im Jahr 2009 bestellten 115 Bundestagsabgeordnete insgesamt 396 Montblanc-Füller im Wert von 68.000 Euro über die Bundestagsverwaltung. Den Abgeordneten des Deutschen Bundestages wird in Berlin rund um die Uhr ein Fahrservice mit Dienstlimousinen und Chauffeur angeboten. Dazu gibt es eine Netzkarte erster Klasse der Bahn für ganz Deutschland für das ganze Jahr. Eigentlich alles nur für den dienstlichen Gebrauch. Aber genau wie bei Spesen, Mitteln für das Büro und den Montblanc-Füllern kontrolliert das keine Sau. Zwei Tage habe ich über das Elend unserer obersten Volksvertreter bittere Tränen vergossen.Nicht mal das Salär eines Bundesrichters bekommen sie dafür, sich ab und zu mal den Hintern breit zu sitzen. Dann las ich diesen Artikel hier in meiner Morgenzeitung. Und dann dachte ich daran, dass in einem Teil Deutschlands schon mal jeder Mensch einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenfreie Brille hatte.Nur, wenn man einen modischen Rahmen haben wollte, musste man zuzahlen, Die Gläser waren umsonst. Aber dieser ehemalige Teil Deutschland ist heute pfuibaba und jemand, der sich an ihn erinnert, ein ewig Gestriger und überhaupt: Was gehen uns alte Leute an? Das Geld für den Sozialstaat sowie richtige, auch erwähnenswerte Rentenerhöhungen brauchen wir doch dringend für die Bundeswehr in Afghanistan und für das Aushalten anderer Parasiten...

GK 01.07.2011 - 23:57:49

Autos anzünden?

Nun, Autos anzünden ist nun wirklich keine Lösung! Auch hier trifft es die Falschen, nämlich die, die auf ihr Auto angewiesen sind, die, die sich nicht einfach mal schnell ein neues Auto kaufen können. Deren Herzblut am schwer zusammengestotterten Wagen hängt. Viel schlimmer ist die gesellschaftliche Ignoranz solcher unsäglicher Umstände, die Situationen, wie die, in der sich z.B. die alte Dame befindet, erst ermöglichen. Wir brauchen keine Hassbrenner. Wir brauchen Menschen, wie die, die 89 friedlich auf die Straßen gegangen sind! Wir hucken wie die verstörten Kaninchen hinterm Busch und warten darauf, abgeschossen zu werden. Wir sehen und erkennen, aber wir handeln nicht. Das hatten wir schon einmal. Stolz wird das Wirtschaftswachstum verkündet, sich auf die Brust getrommelt. Wo bleibt das Wachstum? Bei den meisten Beschäftigten der öffentlichen Wirtschaft kommt nichts an. Man versucht uns, die Augen zu verkleben, der EURO solte uns nicht schlechter stellen und tut es jeden Tag aufs Neue. Da wird nicht nur das Leben jetzt immer teurer, da steht es angesichts der jährlich gemeldeten zu erwartenden Rente in großen Lettern unsichtbar über unseren Köpfen: Altersarmut! Schön totgeschwiegen, schon jetzt in unserem Land. Da helfen auch keine abgefackelten Autos.

Sympathisant 01.07.2011 - 19:41:24

Warum?

Warum werden mir die Autoanzünder immer sympathischer???

Roter Adler 01.07.2011 - 08:35:23

Die Skrupellosen

Welchen Grad von Abgebrühtheit, Verrohung und Skrupellosigkeit muß man eigentlich vorweisen um in Deutschland Bundespolitiker zu werden und um dann solche "Sozialgesetze" durchzuwinken?

leser 01.07.2011 - 01:22:51

was ist hier los???????????????

was läuft in deutschland falsch? ein deutscher der 45 jahre arbeit bekommt das gleiche geld oder weniger wie ausländische zuwanderer die niemals in deutschland gearbeitet haben und etwas in die kasse einzahlten. was ist heir los-wie kann das sein. will man deutschland abschaffen??????????

GK 30.06.2011 - 23:39:43

Deutschland - schäm dich!

Das denke ich schon lange - so sehr es auch bedauernswerte Armut in der Welt gibt - die Politiker sollten vor der eigenen Tür kehren und sich im eigenen Land einsetzen! Ich kenne selbst zwei Fälle - alleinstehend, keine Familie, die unterstützen kann, das Leben lang gearbeitet, im Alter von Grundsicherung abhänging, weil die Rente nicht reicht, um die nötigsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Viele Rentner leben schlimmer als Hartz 4-Empfänger! Das ist die bittere Wahrheit! Eine Schande - Deutschland, mach die Augen auf! Ich habe noch 25 Jahre bis zu meiner eigenen schon jetzt lachhaften Rente - da wird einem Angst und Bange!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG