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Verrostet und noch immer gefährlich

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BKLOPPSTECHN / 01.11.2008, 07:40 Uhr
Podelzig/Klessin Im Bodenordnungsverfahren Reitwein/Podelzig/Rathstock werden gegenwärtig der Hathenower Weg nach Reitwein und die alte Frankfurter Handelsstraße zwischen Klessin und Lebus ausgebaut. Während die 2,2 km lange Straße zwischen Hathenow und Reitwein wächst, verzögert sich der Bau zwischen Klessin und Lebus. Die große Anzahl an gefährlicher Kriegsmunition, die hier entlang des Weges mehr als 60 Jahre nach Kriegsende noch immer im Boden steckt, ist der Grund dafür.

Mehr als zwei Tonnen Munition haben Sven Emmerich und die anderen Männer vom Munitionsräumdienst der Firma Röhl seit Anfang September aus der Erde geholt - Artillerie- und Granatwerfergeschosse, Maschinengewehre, Handgranaten. Die mittlerweile verrosteten Zünder der Granaten stellen eine besonders explosive Gefahr da. "In unserem Job darf man nicht leichtsinnig sein und den Respekt vor der Munition verlieren", sagt Räumstellenleiter Emmerich. Er steht beinahe in täglichem Kontakt mit Jürgen Schwarz vom Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei in diesem Gebiet. Denn nur dessen Spezialisten dürfen die Munition abtransportieren und, wenn nötig, auch vor Ort zünden. Auch das kam in den vergangenen Wochen, seit entlang des einstigen Pflaster- und Feldweges nach Munition gesucht wird, vor.

Klessin war in den letzten Kriegswochen sehr stark umkämpft. Das Gebiet des jetzigen Straßenbaus gehörte zur Hauptkampflinie. Und so stößt der Suchdienst nicht nur auf Munition, sondern findet auch Gefallene - deutsche und russische Soldaten. Erwin Kowalke, der Umbetter vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, gräbt ihre sterblichen Überreste aus. In der vorigen Woche waren es elf Gefallene, in dieser Woche einer. Mehr als 20 Kriegstote wurden bisher in dem Straßenbaugebiet zwischen Klessin und Lebus entdeckt. In der Mehrzahl junge Soldaten der Roten Armee.

Die gesetzlich vorgeschriebene Munitionssuche sei erweitert worden, sagt Jürgen Bensch, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft für das Bodenordnungsverfahren Reitwein/Poldelzig/Rathstock. "Wir lassen nicht nur den Weg absuchen, sondern auch die Böschungen bis zu den Feldern. Durch die starken Vibrationen beim Straßenbau könnten zum Beispiel verrostete Zünder ausgelöst werden. Dem wollen wir einfach vorbeugen."

Die große Anzahl der Munitionsfunde, selbst unter dem Straßenpflaster, in zugeschütteten Bombentrichtern entlang des knapp zwei Kilometer langen Weges bewirkte jetzt sogar einen Baustopp. "Die Kosten für diese notwendige, erweiterte Munitionssuche müssen die Mitglieder der Teilnehmergemeinschaft tragen", sagt Vorstands-Vorsitzender Bensch. "Auch wenn wir eine 90prozentige Förderung für alle Maßnahmen zur Flurneuordnung in unserem Verfahrensgebiet bekommen. Zu dem Eigenanteil von zehn Prozent der Gesamtkosten kommen nun auch noch bis zu 20 000 Euro mehr hinzu - allein für die Munitionssuche an diesem einen Weg. Und der ländliche Wegebau ist ja nur ein Teil der geplanten Maßnahmen zur Flurbereinigung in unserem Gebiet."

Das Bodenordnungsverfahren Reitwein/Podelzig/Rathstock umfasst eine Fläche von mehr als 4798 Hektar, die seit 2003 neu vermessen und Eigentümern zugeordnet wurden. Für rund 4100 Hektar Ackerland und 550 Hektar Wald wurden seitdem Eigentums- und Nutzungsrechte geklärt. Wege und Meliorationsgewässer wurden neu kartiert beziehungsweise instand gesetzt. Von großer Bedeutung ist aber der Ausbau eines tragfähigen landwirtschaftlichen Wegenetzes, gerade bei den schwierigen Bodenverhältnissen im Oderbruch. Solche Wege, wie der zwischen Hathenow und Reitwein (4,50 m breit) oder Klessin und Lebus (3,50 m) werden nach ihrem asphaltierten Ausbau aber eben auch dem öffentlichen Ortsverkehr zugute kommen.

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