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Antifa
 attackiert
 Schoknecht

Ellen Werner / 01.07.2011, 06:37 Uhr - Aktualisiert 01.07.2011, 08:37
Finowfurt (In House) Sie lagen in Briefkästen. Sie wurden auf dem Flößerfest verteilt. Auf Flugblättern, die möglicherweise Tausende lasen, hagelt es Vorwürfe gegen Schorfheides Bürgermeister Uwe Schoknecht. Der verwahrt sich gegen Vorhaltungen, auf dem rechten Auge blind zu sein.

„Finowfurt ist bekannt als Naziort – und das nicht ohne Grund“, nehmen die Verfasser vorweg. Insbesondere gegen Schoknecht richten sich ihre Vorwürfe. „Seit nunmehr vier Jahren“, so beginnt der unter einem Pseudonym verfasste Text, „schauen Bürgermeister Uwe Schoknecht, die Gemeindevertretung und der Rest Finowfurts dabei zu, wie nur wenige Meter vom heutigen Flößerfest entfernt das größte Nazifest in Brandenburg stattfindet“.

Gemeint ist das Sommerfest der NPD (in Vorjahren der DVU). Veranstaltungsort ist ein abgelegenes Anwesen in Finowfurt. Die Partei ist nicht verboten, das Gelände privat. Auch die Veranstaltung verbietet sich somit nicht per se. Ohnehin gehen die Flugblattautoren – unterzeichnet ist das Schriftstück mit „Bürgerbündnis für eine nazifreie Schorfheide“ – noch weit über den Vorwurf hinaus, das Fest werde geduldet.

Als „Lippenbekenntnis“ – zumal ein nicht erneuertes – bezeichnen sie Schoknechts Teilnahme an der Podiumsdiskussion Anfang 2008. Damals setzten die Sportfreunde Stiller mit ihrem Finowfurter Konzert in der Turnhalle ein Zeichen gegen Rechts. Die Gemeinde, insbesondere Schoknecht, verdränge seitdem antifaschistischen Protest, prangern die Verfasser an. Der Bürgermeister und das Bündnis Schorfheide unternehmen nichts gegen neonazistische Umtriebe, scheinen „gar auf dem rechten Auge blind zu sein“. Alles in allem sorge das „für den braunen Ruf der Region“.

Er könne sich vorstellen, aus welcher Ecke das kommt, pariert Uwe Schoknecht nun. Öffentlich reagiert er auf die Vorwürfe erst auf Anfrage der MOZ. „Mit mir persönlich hat von diesen Leuten nie jemand gesprochen“, sagt er und ergänzt: „Wir haben damals ganz klar gesagt: Finowfurt ist kein Naziort, es ist bunt und vielfältig.“ Strategien will das Oberhaupt der Kommune sich nicht vorschreiben lassen. „Wir halten wenig davon, an einem bestimmten Tag etwas zu tun.“ Bis jetzt sei die Herangehensweise eine andere gewesen. „Wir verfolgen eine klare Politik“, sagt Schoknecht und stellt vor allem „eine vernünftige Jugendarbeit“ heraus. In Abstimmung mit dem Mobilen Beratungsteam, den Pfarrern in der Gemeinde „und vielen, vielen anderen“.

Gegen das NPD-Fest am vorigen Wochenende gab es außer dem Flugblatt keine Proteste, teilt eine Sprecherin der Polizei auf Nachfrage mit. Auch keine weiteren Zwischenfälle außer diesem: Bei einem Konzert seien Liedtexte mitgehört worden und wegen möglicherweise strafrechtlich relevanter Passagen in einem Fall Anzeige erstattet worden. Im übrigen sei das Fest von der Ordnungsbehörde genehmigt worden.

Das im Flyer beschriebene Grundstück ist als Veranstaltungsort für rechtsextremistische Aktivitäten bekannt. Dass es mit sechs Konzerten 2010 auch zum „Veranstaltungsort Nummer 1 für Nazi-Konzerte im Land“ wurde, bestätigt das Innenministerium aber nicht. Die Zahl sechs beziehe sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auf rechtsextremistische Konzerte in ganz Brandenburg, informiert Sprecher Ingo Decker auf Anfrage.

Für Uwe Schoknecht geht es erst einmal weniger darum, Fakten richtigzustellen. „Das ist keine Art des politischen Umgangs“, urteilt er über den Flyer. Mit „den Leuten, die das in den Raum stellen“ würde er sich gern persönlich unterhalten, sagt der Bürgermeister. Am Ende des Flugblatts steht eine Forderung: „Keine Wiederwahl von Uwe Schoknecht!“ Die Bürgermeisterwahl mit dem bisher einzigen Kandidaten steht am 11. September an. Er wisse die Mehrheit der Gemeindevertreter hinter sich, so Schoknecht.

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