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Letzte Ruhestätten für treue Kameraden

HKRAUDZUNN / 03.11.2008, 07:36 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 13:39
Beeskow (wtu/krau/bei/jcw)Die Liebe eines Menschen zu seinem Haustier kann so stark sein, dass er für das Tier nach dessen Tod eine würdige Bestattung will und nicht nur eine einfache Entsorgung. In der Region kann man sogar Tiergräber auf öffentlichem Gelände entdecken. Heute dürfen Vierbeiner im eigenen Garten oder auf Tierfriedhöfen begraben werden.

Merkwürdige Gräber existieren in einem Waldstück bei Müllrose. Die Steine sind schon verwittert, die Inschriften kaum noch zu lesen. Um den Friedhof auf dem Grundstück des heutigen Gutes Zeisigberg rankt sich eine besondere Geschichte.

Im Waldboden wurden bis in die 1960er Jahre die Kadaver kleiner Tiere vergraben. Keine Haustiere, sondern Mäuse, Hühner, Enten, Drosseln, Maulwürfe. Zu Grabe getragen wurden sie von den Patienten der früheren Heilstätte für Lungenkranke. "Es waren richtige Prozessionen. Die Patienten haben sich verkleidet, für das tote Tier wurde ein kleiner Sarg angefertigt", weiß Winfried Selenz, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft für Gesundheit und Soziales (EGS), die dort heute ein Seniorenheim betreibt."Am Grab wurden dann die Bierflaschen geöffnet. Die Leute haben einen Anlass gesucht, einmal richtig zu feiern. Sie hatten viel Langeweile. Da hatte keiner eine emotionale Beziehung zu den beerdigten Tieren", sagt er. Pikant: Zur "Trauergruppe" gehörten Frauen und Männer, die sonst in unterschiedlichen Gebäuden der Heilanstalt untergebracht waren und kaum Kontakt zueinander hatten.

Die Prozessionen wurden in den 1920er Jahren begründet, vier Jahrzehnte waren sie eine kleine Tradition. In den 1970er Jahren wurde die Heilanstalt aufgelöst. 35 bis 40 dieser Prozessionen seien dokumentiert, es werden weitaus mehr vermutet, sagt Selenz. Die Patienten waren oft viele Monate in der Heilanstalt, Ausgangsscheine gab es nur vom Arzt. Weitere Geschichten stehen auch in dem Band "Von der Lungenheilstätte Müllrose 1907 zum Gut Zeisigberg 2007".

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen im Gut Zeisigberg soll auch der Friedhof wieder für Besucher zugänglich gemacht werden. Auch die Grabinschriften werden dann wieder angebracht, so der Geschäftsführer. Einer lautet: "Die Maus Agatha Knabberspeck, fraß und soff die besten Sachen weg. Als sie trank von unserem Tropf, war es geschehen um ihren Kopf."

Tilo Lück stieß beim Pilzsuchen mitten im Wald auf einen Grabstein - im Spreenhagener Ortsteil Röthen. Das Todesjahr 1914, das auf dem Stein steht, könnte auf einen gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg hinweisen. Doch was nicht zu dieser Vision passt, ist die Inschrift: "Hier ruht mein treuer kleiner Kamerad, mein lieber Lauser, geboren 25. September 1902, gestorben 13. August 1914." "Ich vermute stark, dass es sich um das Grab eines Haustieres handelt", so der 23-jährige Spreenhagener.

Und er hat Recht. Spreenhagens Amtsdirektor Joachim Schröder weiß etwas über den Grabstein. "Nicht weit weg von dem Grundstück gab es mal die Villa eines Industriellen", erzählt er, "ein Herr von Osten". Dieser Mann sei gerne zur Jagd gegangen, so Schröder. Und dabei hat er stets seinen Hund "Lauser" mitgenommen, seinen treuen Kameraden. Woran er allerdings schließlich gestorben ist nach zwölf Jahren, ist nicht bekannt.

Auch wenn der geliebte Zwerghase stirbt, soll er würdig begraben werden. So dachte es sich vor zwei, drei Jahren ein kleines Mädchen aus Berlin und überredete seine Eltern, vor die Tore der Stadt zu fahren. Hier sollte das Haustier seine letzte Ruhe finden. Beim Blick auf die Landkarte war der passende Ort schnell gefunden: Hasenfelde. Angerührt von der Geschichte des Berliner Mädchens, die noch immer gern im Ort erzählt wird, zeigte ihr Bauer Alfred Ockel ein lauschiges Plätzchen - nicht mitten auf dem Feld, aber zumindest am Rand.

Weiterhin gibt es kommerzielle Tierfriedhöfe in Brandenburg. Doch die meisten Halter im ländlichen Raum beerdigen ihre Tiere im heimischen Garten, sagt die Beeskower Tierärztin Marion Germann. Zudem gebe es die Möglichkeit, über eine Firma, die vom Landkreis offiziell mit der Aufgabe betraut wurde, das Tier einäschern zu lassen. Dies sei jedoch eine Kostenfrage.

Wer sein Tier auf einem "richtigen" Friedhof beerdigen möchte, kann das bei Kerstin Czerwinski tun. Sie betreibt in der Gemeinde Wiesenau, in Kunitz Loose, einen Tierfriedhof, auf dem es inzwischen schon über 100 Grabstellen gibt. "Vom Meerschweinchen bis zum großen Hund finden die Tiere hier ihre letzte Ruhe. Erst vor kurzem haben wir einen Schäferhund begraben", sagt die junge Frau, die sich um alle Formalitäten für die würdige Bestattung der liebgewonnenen Haustiere kümmert. Ihre Dienstleistung mit allen notwendigen Informationen kann man auch im Internet unter: www.animalsouls.de finden. "Die Leute sind sehr dankbar, dass es so eine Möglichkeit gibt. Manche pflegen das Grab mehrere Jahre."

Diese Adresse gibt auch die Eisenhüttenstädter Tierärztin Dr. Barbara Schulze weiter. "Hin und wieder müssen wir ein Tier einschläfern. Dann sind die Besitzer dankbar, dass es eine Stelle gibt, an der sie es begraben können. Wir haben auch die Adresse eines Krematoriums. Obwohl die Einäscherung des Tieres 300 bis 500 Euro kosten, nehmen das manche in Anspruch."

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