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Nabu: Streusalz trocknet Bäume aus

Herbst im Frühsommer: So sehen die Blätter vieler Bäume aus, die die Straße Am Weidendamm in Bad Freienwalde säumen.
Herbst im Frühsommer: So sehen die Blätter vieler Bäume aus, die die Straße Am Weidendamm in Bad Freienwalde säumen. © Foto: MOZ
Steffen Göttmann / 07.07.2011, 19:30 Uhr
Bad Freienwalde (In House) Die Kronen der Bäume entlang der Straße Am Weidendamm in Bad Freienwalde wirken bereits herbstlich. Gisela Ziehm, Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Oderland , schlägt Alarm. „Das Streusalz der vergangenen Winter fordert seinen Tribut“, warnt sie.

„Wir müssen uns endlich entscheiden, ob wir Salz streuen oder auf Alleen verzichten“, sagt Gisela Ziehm. Die Sprecherin der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen weist auf die braunen Stellen in den Kronen der Bäume hin, die die Straße Am Weidendamm in Bad Freienwalde säumen. Sie seien ein beredtes Beispiel dafür, wie es vielen Allen im Land geht, auf denen im Winter viel Salz gestreut werde.

Wer von der Einfahrt zum Eduardshof blickt, kann dies gut erkennen. Die grünen Blätter haben braune Ränder. „Das Salz verkrustet den Boden um die Bäume, sodass sie kein Wasser mehr aufnehmen können“, erläutert Gisela Ziehm die Ursache. Außerdem nehmen die Blätter das Salz auf. Fallen sie zu Boden, reichert sich dort erneut Salz an, führt Ziehm aus.

Es bedürfe mehrere Kreisläufe, bis es endlich abgebaut werde. „Auf der Gebrauchsanweisung für Streusalz steht der Hinweis des Herstellers, dass man es nicht auf Baumscheiben ausbringen soll“, so die Nabu-Chefin.

„Der massive Einsatz von Streusalz halten wir für die größte Gefährdung der Altbaumstruktur“, so die Sprecherin der Schutzgemeinschaft. Gerade jetzt im Frühsommer sei zu erkennen, wie viele Bäume bereits geschädigt seien. In den vergangenen beiden harten Winter sei besonders viel gestreut worden.

Die Äußerung der Straßenmeister, sie hätten Menschenleben zu retten, brandmarkt Giesela Ziehm als „Totschlagargument“. Ihrer Auffassung nach sei es besser, Straßen nur zu räumen und nur bei Blitzeis zu streuen, dann würden die Autofahrer vorsichtiger fahren. „Die durch den Einsatz von Streusalz erzeugte Schwarzdecke vermittelt den Eindruck, dass schnell gefahren werden kann“, sagt Giesela Ziehm. „Dieser Irrtum führt häufiger zu schweren Unfällen, weil die Leute den Film auf dem Asphalt nicht sehen“, ist sie sich sicher.

Zahlreiche Anrufer, häufig Pendler, Schichtarbeiter oder Krankenschwestern, die nachts zur Arbeit müssen, beschweren sich im Winter in der MOZ-Redaktion, wenn Bundes- oder Landesstraßen nicht ausreichend geräumt oder gestreut sind. Gisela Ziehm lässt diese Einwände nicht gelten und verweist auf Paragraf Eins der Straßenverkehrsordnung: Jeder Autofahrer hat sein Fahrverhalten den Straßenverhältnissen anzupassen. „Es müssen Lösungen zum alternativen Winterdienst gefunden werden“, fordert Gisela Ziehm.

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Ulli 09.07.2011 - 21:36:02

Für Salz!

frau ziem? ich entscheide mich gegen die alleen und auch noch gegen die berufspendler, welche täglich nach berlin kommen und mit ihren 13 euro den stundenlohn nach unten ziehen.

Verona F. 08.07.2011 - 12:38:47

Nabu-Ansichten-alles für die Natur

Genau Frau Ziehm! Ich wünschte, Sie müssten Berufspendlerin sein, und dann noch im Schichtdienst Ihr Geld verdienen. Und mit Holz heizen müsste ebenso verboten werden. Schade um die gelichteten Wälder. Das arme Niederwild

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