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Ein Mann, ein Stück und 13 Rollen

Irina Voigt / 09.07.2011, 07:02 Uhr
Fredersdorf-Vogelsdorf (In House) Freitagabend hatte das Ein-Personenstück „Kiek ma“ im Theater untendrunter in Buckow Premiere. Mitautor und Darsteller ist der Fredersdorfer Schauspieler Till Petri.

Ein kleines Theater geht Konkurs. Ein junger Bühnendarsteller ist noch da und denkt über die Geschichte des Hauses nach. Dabei erscheinen ihm die verschiedensten Figuren aus der Theaterliteratur auf der nunmehr leeren Bühne, auch Hausmeister und Gerichtsvollzieher kommen und wollen ihre Pflicht tun.

Hinter jeder Person auf der ausgedienten Bühne aus Theatergeschichte und Theaterleben steckt Till Petri. Der junge Mann verkörpert all die Figuren in seinem eigenen Stück. Es ist nicht das erste Theaterstück, das der heute 27-Jährige geschrieben hat. Als Zwölftklässler in der Berliner Freien Waldorfschule in Mitte hat er mit fünf Klassenkameraden ein Musical über Streetdance und Hiphop geschrieben und aufgeführt. „Das war der Punkt, von dem an ich wusste, dass ich Schauspieler werden will“, sagt er. Vorher sei es ihm mehr um Musik gegangen.

Und dieses Ziel hat er konsequent verfolgt. Sein erstes Vorsprechen hatte er mit 18. „Da bin ich nicht genommen worden, weil ich zu jung war“, erinnert er sich. Erst in letzter Runde gab es für ihn in der Folge bei Bewerbungen an Schauspielschulen ein Aus. „Ich habe mich darauf konzentriert, einen Studienplatz zu bekommen“, und bei der Musterung habe er sich „erfolgreich so dämlich angestellt“, dass man ihn nicht wollte. Durch Zufall sei er dann zur Folkwang-Hochschule nach Essen, einer staatlichen Uni für Schauspiel, gekommen. „Da habe ich vorgesprochen und wurde genommen“, sagt Till Petri, der seit zwölf Jahren mit seiner Familie in Fredersdorf-Vogelsdorf lebt. In Essen hat er 2008 erfolgreich seinen Abschluss als „Diplomierte Bühnendarsteller“ gemacht. Nach zwei Jahren in Neuss am Rheinischen Landestheater ist er seit Januar zurück im Märkischen, hat ein Engagement beim Theater untendrunter in Buckow.

Seinen Einstand gibt er jetzt in Buckow auch als Stückeschreiber. Er hat das Stück „Kiek ma“ aber nicht allein geschrieben, sondern mit seiner Mutter Juliane Petri, die auch Regie führt. Sie hat Pädagogik studiert, war Erzieherin und hat viel mit Kindern gearbeitet. „Sie hat mir schon bei der Vorbereitung aufs Vorsprechen viel geholfen und mir immer zur Seite gestanden“, sagt Till Petri. Bei weitem nicht alle Eltern täten das, wenn sie erführen, was ihre Kinder vorhätten. Nach wie vor sei die Bühnenschauspielerei „brotlose Kunst“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Zusammenarbeit mit seiner Mutter beim Schreiben sei „schnell, angenehm und schmerzlos“ gewesen. Es sei eben auch von Vorteil, wenn man sich so gut kenne.

Till Petri will alles spielen – vom jugendlichen Liebhaber bis zum Psychopathen („das macht mehr Spaß“). Erfahrungen hat er auch schon vor der RTL-Kamera für einen Werbespot für DSDS gesammelt. Natürlich steht auch eine Karriere als Filmschauspieler auf seiner Agenda. Wo er sich in zehn Jahren sehen würde? „Da bin ich 37 – Kommissar Brunetti wäre nicht schlecht“, kommt rasch die Antwort.

Aber aktuell galt es das Lampenfieber zu überwinden, vor der Premiere, die Freitagabend in Buckow über die Bühne ging. Toi, toi, toi und über die Schulter gespuckt …

Nächste Aufführungen: Freitag, 15. Juli, 20 Uhr, Freitag, 5. August um 20 Uhr, Freitag, 12. August um 20 Uhr

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