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Nein zu Atomstrom von der Oder

Wie beim Staatsakt: Mike Bischoff (2.v.r.) übergibt die Unterschriften in der polnischen Botschaft Berlin an Botschaftsrat Arkadiusz Roman im Beisein von Volker Schmidt-Roy aus Mescherin und Ewa Kos von den polnischen Grünen.
Wie beim Staatsakt: Mike Bischoff (2.v.r.) übergibt die Unterschriften in der polnischen Botschaft Berlin an Botschaftsrat Arkadiusz Roman im Beisein von Volker Schmidt-Roy aus Mescherin und Ewa Kos von den polnischen Grünen. © Foto: Hartmut Babst
Michael Dietrich / 11.07.2011, 08:03 Uhr
Schwedt (In House) Die Oder soll ein freier Fluss bleiben, ein atomkraftfreier. Nach Bekanntwerden polnischer Pläne zum Bau eines Atomkraftwerkes in Grenznähe haben 20 000 Menschen der Region dagegen protestiert. Ihre Unterschriften sind jetzt der polnischen Botschaft übergeben worden.

Zwei erfolglose Anläufe hatten die Aktivisten der Initiative Atomfrei leben in der Uckermark (Aflum) bereits unternommen, um die von ihnen gesammelten 20 000 Unterschriften aus der Region an die polnische Regierung zu übergeben. 2009, lange vor der Katastrophe in Japan, hatten mehr als 20 000 Schwedter, Gartzer, Angermünder und auch polnische Bürger die Protestaktion gegen den beabsichtigten Bau des Atomkraftwerkes in Odernähe unterstützt. Jetzt, anderthalb Jahre später, kam es endlich zu einem Termin mit einem offiziellen Vertreter Polens. Aflum-Mitglieder und polnische Grüne übergaben Kopien der 20 000 Unterschriften an Botschaftsrat für Energiefragen Arkadiusz Roman in der Polnischen Botschaft in Berlin.

Die polnische Regierung setzt unverändert auf Atomstrom zur Sicherung ihrer Energieversorgung. Zwei Atomkraftwerke sollen bis 2030 vom französischen Betreiberkonzern Areva errichtet werden. Und nach wie vor ist die Gefahr nicht vom Tisch, dass die nahe der deutschen Grenze gebaut werden. Sechs der möglichen Standorte liegen an der Oder, vier davon wenige Kilometer von Schwedt entfernt. Sie stehen zwar auf der Rankingliste nur im Mittelfeld, aber nur wenige Punkte von den Spitzenreitern entfernt. Besonders der Hinweis, dass der private Investor an diese Empfehlung der Wissenschaftler nicht gebunden ist, macht den Atomkraftgegnern Sorge. Zu gut Deutsch kann der Investor auch einen Standort an der Oder wählen, wenn er beispielsweise die Energietrasse Richtung Westeuropa, die in der Uckermark über die Oder geführt wird, für entscheidend hält.

Bei der Übergabe der Unterschriften machte der Botschaftsrat vorsichtige Andeutungen, dass es durchaus Bedenken auf polnischer Seite gebe, die Atomkraftwerke in Grenznähe zu Deutschland zu bauen. „Gehen Sie davon aus, dass wir keinem Land, das gerade den Atomausstieg beschlossen hat, ein Atomkraftwerk direkt an die Grenze bauen“, sagte Arkadiusz Roman. Die Aflum-Vertreter regten an, dann konsequent zu sein und die Standorte in Odernähe auch von offizieller Seite von der Rankingliste zu streichen. Quasi als Zeichen, dass Polen es wirklich ernst meint. Der Botschaftsrat versprach, diese Anregung und die Unterschriften an die polnische Regierung weiterzuleiten.

„Die Bürgerinitiative ist und bleibt hellwach, was die Baupläne für Atomkraftwerke in Polen betrifft. Wir haben dem Botschaftsvertreter auch eine Expertise für ein Alternatives Konzept mit Erneuerbarer Energien in Westpommern übergeben. Wir werden keine Ruhe geben, bis die Pläne für Atomkraftwerke an der Oder entgültig vom Tisch sind“, so Aflum-Vertreter Volker Schmidt-Roy.

Nach Meinung der Atomkraftgegner und polnischen Grünen könnte Polen die angestrebte Versorgungssicherheit auch mit erneuerbaren Energien erreichen, zum Beispiel mit Offshore-Windkrafträdern.

Mit dem Botschaftsrat wurde ein Folgetreffen im Frühjahr 2012 und eine gemeinsame Kanufahrt im Nationalpark Unteres Odertal vereinbart.

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