Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bagger rollen blasige Tartanbahn auf

Das Ende der Buckelpiste: Baggerfahrer Thomas Kaubisch schiebt die defekte Tartanbahn zusammen.
Das Ende der Buckelpiste: Baggerfahrer Thomas Kaubisch schiebt die defekte Tartanbahn zusammen. © Foto: MOZ
Manja Wilde / 12.07.2011, 20:15 Uhr
Schöneiche (In House) Die Stunden von Schöneiches fehlerhafter Tartanbahn sind gezählt. Am Dienstag schickte die Firma Schmitt ihre Bagger ins Rennen, um den blasigen Belag aufzurollen. Am Montag nahm ein Gerichtsgutachter Proben. Sie sollen klären, ob falsches Füllmaterial schuld an den Schäden ist.

Seit mehr als einem Jahr ist die neue Tartanbahn auf dem Schön­eicher Jahn-Sportplatz wegen Mängeln für Leichtathleten gesperrt. Seit gestern drehen dafür ganz andere Schwergewichte ihre Runden auf der Strecke: Bagger rollen die blasige Piste auf. Der Sportplatzbauer Schmitt GmbH hat damit begonnen, die Laufstrecke zu sanieren. „Laut Bauzeitenplan sollen die Arbeiten acht Wochen dauern“, sagt Bauamtsleiterin Petra Jeschke. Während der Bauzeit ist der Platz für alle Sportler gesperrt.

Erik Lange steht am Rande der 400-Meter-Bahn und beobachtet, wie Baggerfahrer Thomas Kaubisch die schwarz-rote Kunststoffschicht zusammenschiebt. Der Vorsitzende der Interessen Gemeinschaft Leichtathletik (IGL) ist zufrieden. „Wir können froh sein, bald wieder ein Dach zu haben“, sagt er. Seit die Bahn für Sportler gesperrt ist, müssen seine rund 130 Vereinsmitglieder auf Schulsportplätze und sogar nach Woltersdorf ausweichen. „Wir haben uns hier selbst wie ein Fremdkörper gefühlt“, sagt Erik Lange.

Wie ist es zu dieser Situation gekommen? Im Jahr 2008 hatte die Gemeinde Schöneiche ihren Sportplatz für rund 450 000 Euro sanieren lassen. Damals baute die Firma Schmitt GmbH die alte Asche-Bahn zu einer modernen Tartanbahn um. Im September 2008 erfolgte die Bauabnahme. Wenige Monate später, am 19. Mai 2009, musste die Bauüberwacherin der Gemeinde die erste Mängelrüge aussprechen, sagt Petra Jeschke. Die Tartanbahn schlug erste Blasen. Schuld soll das als Unterbau eingebrachte Material sein. „Dadurch hat sich die Bahn aufgebläht.“

Die Gemeinde klagte gegen die Baufirma, verlangte die Mängelbeseitigung. Die Baufirma ihrerseits klagte gegen den Materiallieferanten. Schon vor einem Jahr sollte ein Gutachten klären, wen die Schuld trifft – wer also die Kosten tragen muss. Dem Gericht reichte das Gutachten nicht, es wollte einen gerichtlich bestellten Gutachter schicken. Sein Kommen ließ auf sich warten. Am Montag dieser Woche nun sah er sich die Schöneicher Buckelpiste an.

Um 9.30 Uhr schritten Bauamtsleiterin, Gutachter und Anwältin der Baufirma die Bahn ab, um die schlimmsten Verwerfungen zu ermitteln. Dort entnahm der Gutachter fünf Proben. „Vier Proben gehen sofort ins Labor, eine dient als Rückstellprobe“ sagt Petra Jeschke. Für die Gemeinde selbst sei es indes nicht wichtig, was dabei herauskommt. „Wer die Kosten zu tragen hat, müssen die Baufirma und ihr Zulieferer unter sich ausmachen.“ Kalkuliert seien für Mängelbeseitigung und Bauüberwachung derzeit rund 330 000 Euro, so Jeschke.

Die Gerichtsurteile stehen aus. Die Schmitt GmbH hat dennoch mit der Sanierung der Bahn begonnen. „Wir wollen, dass die Sportler so schnell wie möglich wieder Sport machen können“, sagt Bernd Walther, technischer Leiter des renommierten Sportstättenbauers aus Groß Köris, der sogar für seinen Sportanlagenbau im Berliner Olympiastadion von Hertha BSC eine Empfehlung erhielt. Solche Probleme, wie sie in Schöneiche aufgetreten sind, habe er noch nie erlebt, sagt Bernd Walther, obwohl stets der gleiche Zulieferer eingesetzt werde.

Obwohl die Sanierung der Tartanbahn sowohl von den Sportlern der IGL und des SV Germania lange gefordert wurde, kam der Start etwas überraschend. Germania-Sprecher Peter Pohle erhielt die Info, dass der Platz seit gestern gesperrt ist, erst gestern Morgen. „Eine Absprache und Abstimmung mit dem Vorstand der SV Germania als Pächter des Sportplatzes erfolgte nicht“, merkt er kritisch an. Die IGL erhielt die Information bereits in der vergangenen Woche – mit der Aufforderung, ihre Sprunganlage von der Tartanfläche zu entfernen. Dies habe der Verein w egen der Ferienzeit noch nicht geschafft, räumt Erik Lange ein. „Aber daran soll es nun nicht scheitern“, versprach er.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG