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Angst vor Kloake im Oderbruch

Sabine Steinbeiß / 14.07.2011, 07:48 Uhr
Altwriezen (In House) Die geplante Broilermastanlage auf der Gemarkung von Altwriezen sorgt weiter für Diskussionen. Viele Einwohner fühlen sich und ihre Sorgen nicht ernstgenommen. Sie bemängeln das Desinteresse der Stadtverordneten und die Abstimmungen ohne Anhörung ihrer Bedenken.

Aus der Märkischen Oderzeitung hätten sie von der Errichtung einer Broilermastanlage erfahren. „Vorher erfolgte keine Information oder auch nur Diskussion über diese Anlage und die Auswirkungen auf die Einwohner“, sagt Regine Kühmstedt. Die Altwriezenerin bemängelt die Massentierhaltung rund um den Wriezener Doppelortsteil.

„In der Milchviehanlage Beauregard befinden sich etwa 1750 Tiere, in der Schweineanlage Altwriezen rund 5500, in den Entenanlagen Odervorland circa 60 000“, zählt sie zusammen. Jetzt sollen zwei Broilermastanlagen in direkter Nachbarschaft hinzukommen: Neumädewitz mit 150 000 und Altwriezen mit 84 000 Plätzen.

Auf fünf Seiten hat Regine Kühmstedt gemeinsam mit ihrem Mann Hartmut ihre Einwände gegen den Bau der Broilermastanlage aufgeschrieben und an das zuständige Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz geschickt.

„Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist laut Gesetz bei einer Anlage ab 85 000 Plätzen gefordert. Es fällt schon sehr ins Auge, dass hier eine Anlage mit 84 000 Plätzen geplant ist“, schreibt das Ehepaar Kühmstedt. Sie verweisen auf die nur 500 Meter entfernte, nächste Hähnchenmastanlage für 150 000 Tiere. „Die liegt noch näher an Altwriezen. Muss man nicht beide Anlagen gemeinsam betrachten?“

Die Hochwassergefahr sei mit Blick auf Tierevakuierungen vollständig übergangen worden. Das Oderbruch sei ein hochsensibles künstlich geschaffenes Ökosystem, das der Überwachung bedarf. In Altwriezen befinde sich ein Schlafdeich, der 1997 mit Sandsäcken geschlossen wurde. „Wir befinden uns genau im Einzugsgebiet des Hochwassers. Dieser Teil des Oderbruchs würde wie eine Badewanne volllaufen“, zeigt Regine Kühmstedt auf.

Viel größere Sorgen machen sich die beiden um die Keimbelastung. Die Altwriezenerin bemängelt die „schwammigen, unkonkreten und auch unrichtigen Aussagen“ im Bauantrag. Die Anlage sei ohne Filter und richtiges Keimgutachten genehmigt worden. Dazu sei eine Quelle von 1969 angegeben worden. „Leider gibt es 2011 durchaus neue Keime, die insbesondere in Hähnchenmastanlagen und im Hühnerkot in extremer Konzentration vorliegen.“ Biogasanlagen würden MRSA- und EHEC-Keime sowie Staphylokokken liefern. „Wir sind umzingelt von solchen Keimschleudern. Niemand schützt uns vor der Kloake im Oderbruch“, betont Regine Kühmstedt.

Das Ehepaar versteht nicht, warum sich keiner der Abgeordneten die kompletten Bauunterlagen angesehen haben. „Ihnen lag lediglich eine glattgebügelte Kurzvariante vor.“

Die Gegner der geplanten Broilermastanlage treffen sich an diesem Sonntag ab 18.30 Uhr im Bürgerhaus Altwriezen.

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Ottokar Domma 15.07.2011 - 16:24:07

Angst vor Kloake

Na endlich die längst erwartete Initiative (oder Protestbewegung). Dabei aber immer den Ball schön flach halten. Wo bleibt der Protest gegen die ständig steigenden Energiepreise, wo der Protest gegen die Kriegseinsätze der Bundeswehr, wo der Aufschrei gegen die Milliarden die unsere Regierung ins Ausland verschenkt. Wie zu Erichs Zeiten - keine Kritik an der Politik der Oberen, nur im unteren Segment durfte man eine Eingabe machen. Alles gelenkt und die Presse steuert!

Moldawier 14.07.2011 - 11:53:39

Tierfabriken und Pflanzengifte

Neben den chemischen Einsätzen im Tierbereich wird ebenso und wesentlich mehr bei den Pflanzen (Obst und Gemüsse) die chemische Keule geschwungen. Da ist der Kommentar von Schnitzel is out nur halbherzig. Auch die Biogasanlagen in der Region führen zu Monoanbau und Transportaufwand von Lieferung und Entsorgung. Die Auswirkungen der Abprodukte (Keime und Bakterien)sind ebenso unerforscht und verschmutzen nach ersten gefessitgten Erkenntnissen erheblich die Umwelt.

Broiler-Fan 14.07.2011 - 11:33:39

Lecker Broiler

Ich esse gern lecker Broiler... schön saftig am Spieß gebraten....

Kakadu 14.07.2011 - 10:15:17

Ein besseres Körpergefühl mit der reinen Seele

Und alle anderen, die Fleisch essen, haben natürlich eine unreine Seele. Nachtigall ich hör dich trabsen und bin beseelt! -------------------------- Leute, lebt vegetarisch

nachtigall 14.07.2011 - 09:28:48

Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs

Es ist wirklich einfach auf Fleisch zu verzichten. Die ersten Wochen sind noch etwas schwierig, aber dann wird mann belohnt durch ein besseres Körpergefühl und eine reinere Seele. Das ist meine eigene Erfahrung und heute würde ich mich beim Essen von Fleisch echt ekeln.

www.schnitzel-ist-out.de 14.07.2011 - 09:12:13

Gegen industrielle Tierfabriken

Tierquälerei, Umweltverschmutzung, Gesundheitsgefährdung, Antibiotikamissbrauch.... Die Liste ist lang, die gegen Tierfabriken spricht! Insbesondere sollten sich die Menschen fragen, ob sie es ethisch vertreten können, Tiere in kürzester Zeit wie Ballons aufzupumpen, so dass ihre Beine das Gewicht nicht mehr tragen können, ihnen betäubungslos die empfindlichen Schnäbel abzuschneiden und sie die sechs kurzen Wochen ihres qualvollen Lebens unter Schmerzen dicht gedrängt in dunklen sticken Ställen einzusperren, bis sie milliardenfach im Akkord geschlachtet werden! Wir haben hierzulande ÜBERPRODUKTION, hier wird nur das Brustfleisch gegessen, exportiert werden "minderwertige" Hähnchenteile, die hier nicht gewünscht werden. In Schwellenländern werden mit dem BILLIGexportfleisch die Existenzen zerstört! Außerdem gilt für unser "Vieh" KEIN Gesetz! Außer "Mindestanforderungen" und die sind lächerlich! WIR WOLLEN KEINE TIERFABRIKEN MEHR!!! www.gegen-massentierhaltung.de Wacht endlich auf und kämpft gegen dieses selbstzerstörerische System, das nur einen Sinn hat: den Tierquälern die Taschen vollzumachen!

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