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Senioren-Praktika in Polen

Joachim Eggers / 15.07.2011, 07:45 Uhr
Erkner (In House) In den 50er Jahren hat Renate Breiter Grundkenntnisse in polnischer Sprache erworben. Mehr als 50 Jahre später sind sie wieder gefragt – die Erkneranerin gehört zu den ersten Senioren-Praktikantinnen in einer Behinderten-Einrichtung in Polen.

„Senioren – bei uns noch gefragt“ heißt ein von der EU gefördertes Projekt der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht (Gefas), mit dem grenzüberschreitende Freiwilligen-Begegnungen von Menschen über 50 Jahren gefördert werden sollen. Die Gefas hat dabei ihre Kontakte zu einem Verein in Erkners polnischer Partnergemeinde Goluchow genutzt, um gegenseitige Freiwilligen-Aufenthalte anzuschieben.

Renate Breiter aus Erkner und Gudrun Radzimanowski aus Bad Saarow waren die ersten beiden Deutschen, die vom 29. Mai an drei Wochen in einem Therapiezentrum für behinderte Menschen in der ländlichen Gemeinde gearbeitet haben. Gestern berichteten die beiden vor einem größeren Kreis in der Erk­neraner Begegnungsstätte der Gefas im Fichtenauer Weg von ihren Erfahrungen. Sie zeigten sich begeistert.

In der Behinderten-Werkstatt haben die beiden Seniorinnen den polnischen Betreuern assistiert. Die beiden halfen beim Kochen und Kuchenbacken, aber auch bei dem, was die Behinderten machen: Hand- und Klebearbeiten, Gartenpflege, Sportübungen mit Tanzanleitungen und anderes mehr. Gudrun Radzimanowski schwärmte von der Diszipliniertheit, mit der die Besucher des Therapiezentrums stickten oder Bilder malten. Breiten Raum in ihren Schilderungen nahm die polnische Gastfreundschaft ein. „Im Dorfladen haben wir eingekauft und das anschreiben lassen – das habe ich noch nie erlebt“, so Gudrun Radzimanowski. Wie Renate Breiter hatte sie einen vorbereitenden Sprachkurs absolviert. Weil die Erkneranerin mit ihrer Vorbildung so sprachkundig ist, übernimmt sie jetzt auch die Vorbereitung der nächsten beiden Freiwilligen: Helga Teschner und Renate Heinke aus Erkner werden vom 12. September bis 3. Oktober nach Polen fahren. Sie baten um Tipps: „Was kann man denn nach Polen mitbringen, was wird dort gebraucht?“ Gudrun Radzimanowski und Renate Breiter empfahlen Material für das Therapiezentrum – Buntstifte, Scheren, Häkelmaterial, Stickgarn. „Wir haben uns auf den Aufruf der Gefas hin gemeldet und freuen uns schon auf den Aufenthalt“, so Helga Teschner.

Derweil sind – schon zum zweiten Mal – auch zwei polnische Freiwillige in Erkner und Fürstenwalde bei der Gefas zu Gast: Irena Skowronska und Wiktor Nowicki. Sie verständigten sich noch mit Hilfe von Renate Breiter. Irena Skowronska äußerte sich voll des Lobes über die Tafel, in der Bedürftige für einen symbolischen Obolus Lebensmittel beziehen können.

Dass es immer Zweier-Teams sind, hat sich bewährt, sagt Gefas-Chef Siegfried Unger. „So fahren die Teilnehmer nicht alleine.“ Das Projekt läuft insgesamt über zwei Jahre. Zwei bis dreimal, stellt sich Unger vor, soll es nächstes Jahr noch dreiwöchige Praktika in Polen geben.

Das Projekt gehört in eine Reihe ähnlicher Vorhaben in jedem deutschen Bundesland. Laut einer Förderliste der Nationalen Agentur Bildung für Europa, die das EU-Programm durchführt, erhält die Gefas 16 440 Euro für das Projekt und liegt damit etwa im Mittelfeld der deutschen Vorhaben.

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Versteher 18.07.2011 - 13:24:52

EU Gelder sind Deutsche Steuergelder

Warum fördert die eu nicht das gleiche praktikum in deutschland,denn hier fehlen doch auch solche kräfte? warum wird solch projekt gefördert,dass deutsche dazu zwingt nach polen zu gehen und dort ihre arbeitskraft gratis anzubieten. wenn die frauen hierzulande das praktikum durchführen würden,dann gibt es kein geld dafür- traurig. der deutsche muss nach polen und wir holen Polen,weil ein arbeitgeber für die einstellung dieser leute auch eu gelder bezieht. wo bleibt die logik. und da wundert mansich noch warum es mit unserem land bergab geht?

Siegfried Albrecht 18.07.2011 - 12:54:59

senioren-praktika in polen / renate breiter

Bravo Renate, habe den Bericht in der Zeitung moz gelesen. Gruß Siegfried

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