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Mit MINIMAX gegen die Flammen

SKLUG / 20.07.2011, 13:59 Uhr - Aktualisiert 20.07.2011, 14:00
- Ende des 19 (In House) Auch heute noch werden in Neuruppin Feuerlöscher hergestellt, etwa 60 verschiedene Typen der mobilen Löschtechnik. Damit wird eine über 100-jährige Tradition fortgesetzt, denn die Stadt war über viele Jahrzehnte eine Hochburg der Feuerlöscherproduktion. Ehemalige Mitarbeiter des Werkes fügten ihre Sammlungen zu einer Ausstellung zusammen, die auf dem Neuruppiner Museumshof ihr Zuhause fand. Wegen Aufgabe des Hofes ist die einzigartige Sammlung nur noch bis Ende September zu sehen. Die Zukunft ist ungewiss.

„Feuer breitet sich nicht aus, hast Du MINIMAX im Haus, doch hast Du MINIMAX im Keller, brennt’s im Dachstuhl umso heller!“ Zumindest den älteren Neuruppinern ist dieser Spruch mehr als bekannt, hat er doch über Jahrzehnte das Leben in der nordbrandenburgischen Stadt mitgeprägt. Die MINIMAX-Feuerlöscher aus Neuruppin waren ebenso bekannt, wie sich der Ort als Fontane-Stadt einen Namen machte. Kein Wunder, denn bereits 1936 waren in dem Werk am Neuruppiner See 350 Mitarbeiter, 178 Angestellte im Innen- und 62 im Kundendienst beschäftigt. Hinzu kamen 90 Generalvertretungen und 60 Untervertretungen. In den 80er Jahren zählte die Belegschaft einschließlich der Lehrlingsausbildung fast 800 Leute. Neuruppin war zu DDR-Zeiten der einzige Feuerlöscher-Hersteller des Landes und übernahm sogar die Produktion für die damalige CSSR. Zwar verschwand nach dem 2. Weltkrieg der Name MINIMAX aus rechtlichen Gründen und wurde durch „PYREX“, „EMIX“ und schließlich durch „neuruppin“ ersetzt, aber aus den Köpfen konnte der Markenname nie ganz verbannt werden.

Seit 1998 ist die Geschichte des Feuerlöschers und der MINIMAX-Werke in einer Dauerausstellung im Neuruppiner Museumshof zu sehen. Mit der langen Tradition im Rücken, entstand hier eine bislang einmalige Zusammenstellung von Feuerlöschern sowie Fotos und Dokumenten.

Wie kaum ein zweiter kennt sich Dieter Gorsleben auf diesem Gebiet aus und konzipierte gemeinsam mit Hans Martin Schreiber die Ausstellung. Während Hans Martin Schreiber Chefchemiker und Leiter der Löschmittelforschung war, arbeitete Dieter Gorsleben von 1967 bis 1994 in der Konstruktion des Feuerlöschgerätewerk Neuruppin. Beide befassten sich zudem sehr intensiv mit der Geschichte des Handfeuerlöschers sowie deren Löschmittel, vor allem seit der Stilllegung des alten Hauptwerkes am Neuruppiner See, wo mehrere Generationen unter wechselvollen Bedingungen – von der Kaiserzeit bis zur Wende – 90 Jahre lang Handfeuerlöscher produzierten. Und sie haben alte Feuerlöscher und historisches Material gesammelt.

Der Ursprung des Neuruppiner Werkes geht auf das Jahr 1900 zurück, als in Berlin auf dem Tempelhofer Feld eine französische Firma mit großem Aufwand ihren Wasserlöscher „Excelsior“ präsentierte. Bei dieser Werbeaktion war zufällig auch der spätere MINIMAX-Gründer Wilhelm Graaff als Zuschauer dabei. Von der „geschickten Inszenierung“ und den „unanfechtbaren Löscherfolgen“, wie er in den Erinnerungen in seinem Buch „Meene Tekel!“ (1908) schrieb, war er so begeistert, dass er sofort die Unternehmensführung ansprach und schließlich den Vertrieb des Feuerlöschers im norddeutschen Raum übernahm. Doch er wollte mehr und stellte bereits 1901 gemeinsam mit seinem Bruder Clemens eine eigene Feuerlöscherproduktion auf die Beine. Der Anfang war nicht leicht, denn es herrschte die Meinung vor: Wozu einen teuren Feuerlöscher, wenn auch ein Wassereimer genügt.

Ein Jahr später entwickelten sie die erste eigene Apparatur, die so genannte Spitztüte, die 1903 den Namen „MINIMAX“ erhielt - MINImum an Preis, Gewicht und Größe, bei einem MAXimum an Einfachheit und Leistungsfähigkeit war die Devise. Den endgültigen Standort Neuruppin bezogen die Gründer 1905, nachdem die Kapazität in Berlin zu klein wurde.

Jetzt nahm die Produktion einen großen Aufschwung, nicht zuletzt, weil MINIMAX-Chef Graaff großen Wert auf die Werbung und die Vertriebsstrukturen legte. Es wurden MINIMAX-Organisationen in 37 Ländern aufgebaut, Verkaufsprämien und die Herausgabe von monatlichen Hausmitteilungen in fünf Sprachen eingeführt. Mit der Schaffung einer „Arbeiter-Unterstützungskasse“, die aus Strafgeldern für Verstöße gegen die Arbeitsordnung und den Überschüssen aus der Betriebskantine gefüllt wurde, sowie einer Betriebskrankenkasse sollte eine gute Arbeitsatmosphäre geschaffen werden.

Doch auch eine andere Seite der Geschichte des Werkes ist in der Ausstellung zusehen – die Produktion im Auftrag der Wehrmacht. So wurden während des 2. Weltkrieges unter anderem Flammenwerfer, Panzerlöschanlagen und Nebelgeräte hergestellt. Außerdem werden Schicksale einzelner Zwangsarbeiter dokumentiert.

Nach dem Krieg stiegen die jährlichen Stückzahlen kontinuierlich an, von 252 000 (1958) bis 1,3 Millionen (1988). Vor der Wende waren die Neuruppiner Feuerlöscher in den roten Stahlzylindern im ganzen Land präsent, vom kleinen im Trabbi bis zu den größeren in den Haushalten und Betrieben.

(Museumshof in Neuruppin, Fischbänkenstr. 3, Telefonnummer: 03391/651747, Öffnungszeiten Di-So 10-17 Uhr)

- Im Mittelalter herrschte der Aberglaube vor, dass das Feuer von Gott gewollt sei und deshalb nicht unmittelbar bekämpft werden durfte. Um das eigene Haus vor einem Brand zu bewahren, wurden lediglich Sprüche angebracht, vergraben oder nur ausgesprochen.

- Vor rund 300 Jahren kamen die ersten „Wunderlöschgeräte“ zum Einsatz, z. B. das Feuerlöschfässchen von 1715, bei dem mit zwei Pfund Schießpulver ein 20-Liter-Wasserfaß zur Explosion gebracht wurde. Später kamen auch Lösungen und Salze in Glasballons zum Einsatz

- Der erste selbsttätige Handfeuerlöscher wurde 1851 konstruiert, wobei durch Druckerzeugung eine Minute lang ein Wasserdampfstrahl mit geringer Reichweite heraustrat.

Jahrhunderts folgten die ersten Wasser-Dauerdrucklöscher sowie Löscher mit anderen Löschmitteln, wie der Kohlendioxid-Löscher, der Schaum- und Trockenlöscher.

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