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Leidenschaftlich und kraftvoll

Renate Parschau / 26.07.2011, 07:49 Uhr
Bernau (In House) Rund 130 Besucher atte das Orgelkonzert am Sonntag in der St. Marien Kirche Bernau angezogen – ein Rekord für die Sommerkonzerte, wie Kantorin Britta Euler versichert. Dafür, dass sie nicht enttäuscht wurden, sorgte der Waliser Nigel Hurley. Der 1969 in Cardiff geborene Künstler studierte neben dem Orgelfach auch Klavier bei Tasten-Legenden wie dem 2005 verstorbenen Lasar Berman oder Amadeus Webersinke.

Hurley eröffnete das Programm mit „Tiento de batalla“, einer spanischen Variante der Toccata, von Juan Cabanilles (1644-1712). Feine Figurationen und ein gewaltiger Schluss, genau wie in der Trio-Sonate von Johann Sebastian Bach.

In den Mittelpunkt des Programms hatte er die opulente 2. Sonate in d - Moll von Reger gestellt und für die Ankündigung dessen sämtliche Vornamen „Johann Baptist Joseph Maximilian“ aufgezählt – besonders amüsierte den humorvollen Waliser der Name „Johannes der Täufer“ für den wegen seiner Hochzeit mit einer geschiedenen Protestantin exkommunizierten Reger. Aber das Werk ist überhaupt nicht lustig, eher sperrig und ungeschmeidig. Es kommt, wie es scheint, dem Naturell des Künstlers sehr entgegen, wie man an seiner Interpretation unschwer erkennen konnte.

Wie im Nachklang zu den Regerschen Choralfantasien stellt der 2. Satz „Invocation“ eine Anrufung dar, eine Verzagtheit und ein Aufbäumen. Aber auf die Klage in „sehr dumpfer Registrierung“ folgt die Anhörung in „sehr lichter Registrierung“ mit dem Choral „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ – nicht unbedingt für den Hochsommer sondern für die Weihnachtszeit gedacht. Mit einer Engführung des Themas wird die Sonate am Ende mit leuchtkräftigen Akkorden gekrönt.

Das kommt Hurleys kräftiger, zupackender Spielweise nahe und so hatte er hatte nach einer Spieldauer von 26 Minuten den letzten Holzwurm aus dem Gebälk vertrieben. Falls doch noch einer überdauert hatte, ist er spätestens bei Bachs Passacaglia und Fuge c-moll BWV 582 ausgerückt. Hurley spielt leidenschaftlich, kraftvoll und spannungsgeladen. Es gab herzlichen Beifall – und eine Zugabe: den tänzerischen und unterhaltsamen „Bolero de concert“ des Kirchenmusikers Wely.

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