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Die Jagd nach dem Silvesterschmaus

Beliebt wie eh und je: Karpfen geh÷ren bei vielen Brandenburgern entweder Silvester oder Neujahr auf den Teller. Foto: MOZ/Bettina Winkler
Beliebt wie eh und je: Karpfen geh÷ren bei vielen Brandenburgern entweder Silvester oder Neujahr auf den Teller. Foto: MOZ/Bettina Winkler © Foto:
JNEISERN / 30.12.2008, 08:00 Uhr
Eisenhüttenstadt/Neuzelle Er ist der Klassiker unter allen Festessen an Silvester oder Neujahr, und er ist der Brandenburger Fisch des Jahres 2009 - der Karpfen. Egal ob in Biersoße, gegrillt oder "blau", dieser Speisefisch hat zum Jahresende hin Hochsaison in brandenburgischen Kochtöpfen. Nach Angaben des Landesfischereiverbandes gibt es landesweit 34 Karpfenzüchter, die 4300 Hektar Teiche bewirtschaften. Jährlich werden dort etwa 1100 Tonnen Karpfen abgefischt. Einen Teil davon gibt es heute und morgen ganz frisch zu kaufen. Doch viele Karpfenzüchter kämpfen ums Überleben.

"Wenn das so weitergeht, wenn wir keinen Weg finden, den Teichwirten unter die Arme zu greifen, dann könnte es sein, dass wir in Zukunft auf Karpfen aus Polen oder Tschechien zurückgreifen müssen", erklärt Lars Dettmann, Geschäftsführer vom Landesfischereiverband Brandenburg. Mindestens 60 Prozent der angebotenen Karpfen stammen nach seinen Angaben aus der Teichwirtschaft. Dort werden sie drei bis vier Jahre aufgepeppelt, bis sie ins Netz und über den Ladentisch gehen.

Doch die Teichwirtschaft ist laut Dettmann ein "Zuschussgeschäft". Und das habe mehrere Gründe: Zu allererst stelle der zunehmende Kormoran-Bestand ein gewaltiges Problem dar. Denn die Vögel haben die jungen, zweijährigen Karpfen mit einem Gewicht von zirka 500 Gramm zum Fressen gern. "Ohne die Kormorane beträgt die natürliche Verlust­rate bei der Karpfenzucht etwa 30 Prozent", sagt Lars Dettmann. "Mit Kormoranen liegt sie bei 60 Prozent." Zweitens gebe es strenge Auflagen seitens des Naturschutzes, denn die Teiche gelten als Feuchtbiotope, die nicht nur Karpfen, sondern auch anderen Tieren und Pflanzen einen exzellenten Lebensraum bieten. Und der dritte Grund, der den Karpfenzüchtern das Leben so schwer macht, ist der Wegfall einer finanziellen Förderung durch Land und EU. 250 Euro pro Hektar hatte es bis 2007 zur Pflege der Teichlandschaft gegeben.

"In anderen Bundesländern hat man mittlerweile eine andere Art gefunden, die Teichwirtschaft zu unterstützen", weiß Frank Gürtler, der in Kieselwitz 15 Hektar Teichfläche zur Fischzucht beitreibt und in der Region um Eisenhüttenstadt der einzige echte Karpfenzüchter ist. Landesweit gibt es laut Landesfischereiverband 34 von seiner Sorte. Gerade der Wegfall der Finanzspritze würde viele Teichwirte hart treffen, bestätigt Gürtler. Aber die Situation werde im Allgemeinen immer kritischer. "Wir haben da Glück, weil wir nicht auf Karpfen spezialisiert sind." Die seien ein Nebengeschäft. Das Hauptaugenmerk liegt auf Forellen.

Dennoch gerade zum Jahresende wollen die meisten Karpfen essen. Deshalb verkauft auch Frank Gürtler weiterhin den beliebten Silvesterschmaus - in und um Eisenhüttenstadt. Wer den Fisch allerdings lebendig erwerben möchte, um ihn noch in der Badewanne schwimmen zu lassen, der hat schlechte Karten. "Wir dürfen den Kunden gar keine lebenden Fische mitgeben", betont Gürtler. Und Fischer Peter Schneider aus Brieskow-Finkenheerd bestätigt das. "Das ist schon seit Jahren verboten." Deshalb wird das Schuppentier an Ort und Stelle geschlachtet. Schneider selbst bewirtschaftet keine Teiche, sondern fängt seine Karpfen in der Oder. "Doch die Wildfische würden den jetzigen Bedarf bei weitem nicht decken." Da gingen jährlich etliche Tonnen über den Ladentisch, sagt er. Deshalb kauft Schneider lebende Karpfen von Züchtern hinzu - beispielsweise aus der Lausitz - die dann die letzten Wochen im Schlaubewasser schwimmen.

"Ich mag besonders die großen Karpfen, so um die zehn Kilogramm", betont Lars Dettmann und räumt mit einem Vorurteil auf: "Das Fleisch schmeckt auch nicht schlammig, wenn der Fisch vor dem Verkauf ordentlich in frischem Wasser gehältert wurde." Beim Chef des Landesfischereiverbands kommt Karpfen als Brandenburger Fisch des Jahres 2009 übrigens nicht nur Silvester, sondern einmal im Monat auf den Tisch - immer frisch. Apropos Frische. Wer seinen Karpfen heute bei Gürtler oder Schneider kauft, der kann ihn durchaus zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren. "Der Fisch muss nur ausgenommen sein und darf nicht im eigenen Saft schwimmen", rät Dettmann.

Hier gibt es frische Karpfen :

Karpfen aus der Fischzucht Gürtler, Kieselwitz, Tel. 033654 360:

Dienstag (30.12.)

- Bauernmarkt Eisenhüttenstadt 8-14 Uhr,

- Dörfertour, Verkauf etwa eine halbe Stunde, Lawitz, ca. 9.30 Uhr; Neuzelle 10 Uhr; es folgen Wellmitz, Ratzdorf, Kobbeln und Treppeln,

- Verkauf auch am Mühlenteich Kieselwitzer Mühle 2,

Mittwoch (31.12.)

- Bauernmarkt Ehst. 8-12 Uhr

Fischerei Schneider,

Brieskow-Finkenheerd, Tel. 033609 36833

Dienstag (30.12.)

- City Center Eisenhüttenstadt 9-18 Uhr,

- Fischfachgeschäft Fürstenberg 9-18 Uhr,

- Fischerei Schneider in Brieskow-Finkenheerd 9-18 Uhr

Mittwoch (31.12.)

- City Center 9-12 Uhr,

- Fürstenberg 9-12 Uhr,

- Fischerei in Brieskow-Finkenheerd 9-12 Uhr

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