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Krimineller Kunstbetrieb

Echter Dali: Der K³nstler hat "Das goldene Zeitalter" 1956/57 geschaffen. Wõhrend dieses Bild als Original gilt, sollen fast 90 Prozent der gehandelten Dali-Werke Fõlschungen sein. Foto: Welf Grombacher
Echter Dali: Der K³nstler hat "Das goldene Zeitalter" 1956/57 geschaffen. Wõhrend dieses Bild als Original gilt, sollen fast 90 Prozent der gehandelten Dali-Werke Fõlschungen sein. Foto: Welf Grombacher © Foto:
USTIEHLERN / 25.01.2009, 18:26 Uhr
Berlin Sage und schreibe 1800 Grafiken in der Stunde konnte Salvador Dali (1904-1989) signieren. Manchmal kritzelte er seinen Namen auch auf leere Blätter. 40000 solcher Blanko-Bögen mit der Unterschrift des Meisters stellten französische Zöllner 1974 auf einen Streich sicher. Windige Kunsthändler wollten darauf so manches fragwürdige Original entstehen lassen. Daher verwundert es nicht, dass Dali die Hitparade der Kunstfälschungen anführt. Experten behaupten, fast 90 Prozent aller sich im Umlauf befindenden Arbeiten des Surrealisten stammten nicht aus seiner Hand.

Sieben Dali-Fälschungen sind jetzt in der Ausstellung "Wa (h)re Lügen - Original und Fälschung im Dialog" zu sehen. Eine kleine aber feine Schau im Schloss Britz, welche die emsige Kulturstiftung des Hauses gemeinsam mit dem Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster, der Galerie Albstadt sowie dem Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg auf die Beine gestellt hat. 21 Originalen von Picasso, Chagall, Schmitt-Rottluff, Dix und Hundertwasser stehen 35 Fälschungen gegenüber. Allesamt bei Ausstellungen, Auktionen und Messen von Beamten des LKA beschlagnahmt.

Jährlich werden 2,5 Milliarden Euro auf dem illegalen Kunstmarkt umgesetzt. Da lohnt sich das Ermitteln. Baden-Württemberg nimmt eine Vorreiterrolle ein bei der Bekämpfung von Kunstkriminalität und besitzt seit den 1990er Jahren eine "Lehrmittelsammlung" aus 1300 gefälschten Objekten. Die Palette der Fälscher-Techniken ist dabei so breit wie die der Farben, welche die Maler auf ihren Bildern verwenden. Mal wird wie bei Hundertwassers Holzschnitt "Wasserende am Dach" (1987) eine Farbkopie des Originals auf Büttenpapier geklebt und noch einmal übermalt. Mal wird wie bei Marc Chagalls Farblithographie "Der Zirkus" (1960) zur Wertsteigerung einfach die Signatur des Künstlers hinzugefügt. Oder wie bei Dalis "Bullfight" gar ein ganz neues Aquarell angefertigt, das der Vorgänger einer Original-Grafik sein soll.

Manchmal stellen sich die Fälscher auch ziemlich einfältig an, wie bei der Picasso-Radierung, bei welcher das Originalmotiv am Ende durch eine fotografische Reproduktion spiegelbildlich abgebildet ist. Bei Magritte wurde das Echtheitszertifikat gleich mitgefälscht, das angeblich die Künstlerwitwe Georgette auf die Rückseite des Bogens mit Bleistift geschrieben haben soll. Dummerweise ist die Gouache auf der Vorderseite so dilettantisch ausgeführt, dass man kein Experte sein muss, um die Fälschung ohne Mühe zu erkennen.

Was mit den Imitationen geschieht, wenn sie nicht in der Asservatenkammer des LKA zu Lehrzwecken aufbewahrt werden zeigt die aufschlussreiche Ausstellung übrigens auch: Schon am Eingang begrüßt den Besucher ein großer gläserner Container mit zerschredderten Grafiken.

"Wa (h)re Lügen - Original und Fälschung im Dialog", Schloss Britz, Alt-Britz 73, Berlin-Neukölln, Di bis So 11 bis 18 Uhr, bis 1. Februar,

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