Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Reichelts Geschichtsstunde in Golzow

Hintergr³nde aus erster Hand: Ex-Minister Hans Reichelt (2.v.l.) im Gesprõch mit Eckhard Hoppe, Barbara und Winfried Junge, Christian Struwe, Willy Sommerfeld und Bernhard Oestreich - den Kindern von Golzow. Foto: Johann M³ller
Hintergr³nde aus erster Hand: Ex-Minister Hans Reichelt (2.v.l.) im Gesprõch mit Eckhard Hoppe, Barbara und Winfried Junge, Christian Struwe, Willy Sommerfeld und Bernhard Oestreich - den Kindern von Golzow. Foto: Johann M³ller © Foto:
Ulf Grieger / 02.03.2009, 06:00 Uhr
Golzow Eine Lektion in Golzower Geschichte haben die "Kinder von Golzow", Protagonisten der gleichnamigen Langzeitdokumention von Barbara und Winfried Junge, am Sonnabend erhalten. Hans Reichelt, einst DDR-Landwirtschafts- und Umweltminister, erläuterte die Hintergründe des Aufstiegs der Golzower LPG zum Musterbetrieb.

Es geschieht nicht mehr häufig, dass die einstigen Klassenkameraden jener 1. Klasse zusammenkommen, die als "Kinder von Golzow" weltberühmt geworden sind. Ihre Lebenswege wurde seit 1961 auf über 400 Kilometer 35mm-Zelluloidstreifen gebannt, wurden bereits in aller Welt gezeigt. Doch am Sonnabend waren sie dabei, als zwei der 19 Filme in der Oderbruchhalle Golzow gezeigt wurden. Und zwar auf Wunsch der "Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde" (GBM). Das ist ein rund 3000 Mitglieder starker Verein, dem zumeist ehemalige Mitglieder des Partei- und Staatsapparates der DDR sowie Kulturschaffende und Wissenschaftler angehören. Mit rund 160 Teilnehmern war der GBM nach Golzow gereist. Unter ihnen auch Hans Reichelt.

Für die meisten der "Kinder von Golzow" war der 84-Jährige bislang ein weitgehend Unbekannter. Dabei hat der langjährige DDR-Minister die Entwicklung der Oderbruchregion mehr geprägt, als selbst die umfangreiche Golzower Chronik verrät, die voriges Jahr zum 700. Jubiläum des Dorfes gedruckt worden war. Als Hans Reichelt zum ersten Mal in Golzow war, waren die "Kinder von Golzow" noch nicht geboren. 1951 tourte der aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft Heimgekehrte als Beauftragter der neu gegründeten Bauernpartei durch die Dörfer, um Ortsgruppen zu gründen. "Da waren die Schäden von Krieg und Hochwasser noch unübersehbar. In Alt Tucheband lebten die Menschen noch in Erdlöchern ausgebombter Häuser", erzählte Reichelt. Von einer mustergültigen Landwirtschaft war zu jener Zeit in Golzow noch nichts zu sehen.

1955, im Geburtsjahr der "Kinder von Golzow", hatte es eine Regierungs-Beratung zu Versorgungsfragen gegeben, in dessen Folge war festgelegt worden, dass das Oderbruch zum "Gemüsegürtel Berlins" werden muss. Wichtiger Ansprechpartner für ihn als Minister sei damals Arthur Klitzke gewesen, Vorsitzender der LPG Golzow. "Heute würde man ihn als Regierungsberater bezeichnen", so Reichelt. Etwa 60 persönliche Treffen habe es gegeben. Was Klitzke als notwendig ansah, wurde weitgehend ermöglicht.

Die Golzower Gemüseanbaufläche wuchs rasant, von 20 auf 50, bis 1961 auf 150 Hektar. Immer mehr Dörfer wurden einbezogen, unter fachlicher Anleitung des Golzower LPG-Chefs. "Es gab auch Ärger mit dem Handel, der die produzierten Mengen nicht verteilen konnte", erinnerte sich der Ex-Landwirtschaftsminister.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG