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Ein Name wurde bekannt gemacht

Michel Avalon
Michel Avalon © Foto:
FOSCHROEDERN / 08.03.2009, 19:01 Uhr
Basdorf Der Name Georges Brassens war vor fünf Jahren in Basdorf und andernorts kaum jemandem bekannt. Das dies heute nicht mehr so ist, liegt an dem Verein "Brassens in Basdorf", der an diesem Wochenende mit mehreren Konzerten sein fünfjähriges Bestehen feierte und zugleich - mit dem 7. März auf den Tag genau - an den 65. Jahrestag des Weggangs von Brassens aus Basdorf erinnerte. Ab März 1943 hatte der Franzose Brassens Zwangsarbeit in den Brandenburgischen Motorenwerken in Basdorf leisten müssen. In dieser Zeit schrieb er heimlich etwa 30 Lieder, die auch jetzt wieder von Musikern aus Frankreich und Deutschland in einfühlsamen und zugleich begeisternden Konzerten in Berlin, Basdorf und Wandlitz vorgetragen wurden.

In der Basdorfer Bibliothek herrschte am Sonnabend eine ganz besondere Atmosphäre. Das Publikum kam nicht nur, um ein Konzert zu erleben, sondern zu einem Treffen von Musikern und Zuschauern, die die Liebe zu Brassens, zum Chansons und zu Frankreich verbindet. Auf der in Schwarz getauchten Bühne mit behutsamen Lichteffekten wechselten sich leise Töne mit Liedern und Passagen ab, die mit großem musikalischem Spielwitz, Pfiff und Charme vorgetragen wurden. Schöne, markante Stimmen waren zu hören. Und immer wieder stach eine wie selbstverständlich wirkende Virtuosität hervor, die die Zuhörer in ihren Bann zog. Auch das spricht für Konzertveranstalter und Interpreten: Isabel Neuenfeldt, Michel Avalon, Jo'N, Lutz Keller, Alain Laurent, Sonia Rekis, Sébastian Dochy, Jean-Marc Dermesropian, Goun, Karin & David, Bruno Granier und Philippe Lafon ließen keinen Bruch im Programmablauf zu, sondern gestalteten mit ihren einzelnen Beiträgen einen höchst harmonischen Abend des poetischen Liedes.

Ein solches Programm mit zwei Konzerten in Berlin sowie in Wandlitz und Basdorf, sagt die rührige Vereinsvorsitzende Marion Schuster, sei nur zu realisieren, weil die Musiker auf eine Gage verzichten und nur Übernachtung und Fahrgeld erstattet bekommen. Vor fünf Jahren konnte der Verein sogar nur für eine Übernachtung sorgen.

Zum Gründungsfest waren jetzt auch der Sohn und die Tochter von René Iskin gekommen, Brassens Freund, der es ihm 1944 ermöglichte, nach Paris zurückzukehren und dort unterzutauchen. Iskin hatte für Brassens gebürgt und damit unter den Nazis jede Chance auf eine eigene Rückkehr nach Frankreich verwirkt.

Rund 70 Mitglieder zählt der Verein "Brassens in Basdorf" heute. Viele Franzosen sind inzwischen eingetreten, auch viele Brassens-Freunde aus ganz Deutschland.

"So wie die Deutschen wissen, dass Heinrich Heine in Paris lebte, so wissen die Franzosen, das Brassens in Basdorf war", sagte Peter Liebehenschel, Vorstandmitglied im Brassens-Verein und Ortsvorsteher. Das Festival des Vereins, so Liebehenschel nicht ohne Stolz, sei inzwischen das zweitgrößte seiner Art - in Frankreich und Deutschland.

In den fünf Jahren seines Bestehens hat der Verein auch mehr und mehr Anerkennung erhalten. Nicht nur in der Gemeinde, sondern auch vom Landkreis Barnim, der die Arbeit mit Projektmitteln fördert, freut sich die Französischlehrerin im Ruhestand, Marion Schuster. Als nächstes will der Verein verstärkt die Schulen in der Umgebung ansprechen und für eine Zusammenarbeit werben. Das Leben Brassens mit dem Bezug zu Basdorf und seine Lieder sind bestens geeignet, sich mit der Zeitgeschichte zu befassen und Französisch zu lernen.

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