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Stilles Gedenken an Dr. Koyenuma

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Heike Stachowiak / 09.03.2009, 08:53 Uhr
Wriezen

Mit einer stillen Kranzniederlegung haben am Sonntag Wriezener und japanische Bürger anlässlich seines Todestages dem japanischen Arzt Dr. Nobutsugu Koyenuma gedacht. Er hatte mit seinem aufopferungsvollen Wirken in der Nachkriegszeit als Arzt unzähligen Menschen Hoffnung und Hilfe gegeben. 1994 verlieh ihm die Stadt posthum die Ehrenbürgerschaft.

Rote und weiße Blumen hält sie in der Hand - Irmgard Engel. Die Wriezenerin komme immer an seinem Todestag auf den Kirchhof. Auch zwischendurch. Ihre Eltern seien hier begraben. Die 79-Jährige hat eine ganz persönliche Beziehung zu Dr. Koyenuma. "Ich habe als 15-jähriges Mädchen im Haushalt von Dr. Koyenuma gearbeitet", erzählt sie. Er sei ein ganz freundlicher Menschen gewesen, weiß sie noch. "Wenn er vom Krankenhaus kam, war er immer guter Laune." Sie habe meistens auf die damals vierjährige Tochter der Lebensgefährtin von Dr. Koyenuma aufgepasst. Am Sonntag legt sie Blumen an seinem Grab nieder.

Mit ihr auch japanische Gäste. Dazu gehört Hideharu Chikura, er lebt in Berlin, er hat Freunde mitgebracht. Shigetada Kawanishi, der viele Jahre in Berlin lebte, aber inzwischen wieder nach Japan zurückgekehrt ist. Und Ihei Yoshimura aus Osaka. Er ist überhaupt das erste Mal in Deutschland und damit in Wriezen. Er habe im japanischen Fernsehen einen Bericht über Dr. Koyenuma gesehen und daraufhin Kontakt zu Shigetada Kawanishi aufgenommen. Gemeinsam mit Wriezens Bürgermeister Uwe Siebert, Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums, und Wriezens Stadtchronist Jörg Kritzler sowie Ulf Stumpe vom TKC Wriezen gedenken sie des japanischen Arztes. Er habe über Dr. Koyenuma geforscht und herausgefunden, dass der Bürgermeister von Hachioji, der Geburtsstadt des Mediziners, und auch Schüler erfahren haben, was Koyenuma in Wriezen getan hat. Er freue sich, dass inzwischen ein Austausch zwischen den beiden Nationen begonnen hat, so Shigetada Kawanishi. Im vergangenen Jahr weilte eine zwölfköpfige Schülerdelegation aus Hachioji in Wriezen. Wriezener Schüler werden in diesem Jahr zum Gegenbesuch in Hachioji erwartet. Als Erinnerung und Dankeschön überreicht Shigetada Kawanishi am Grab von Dr. Koyenuma Wriezens Bürgermeister einen japanischen ukiyo-e (Sammelbezeichnung für ein bestimmtes Genre der japanischen Malerei und der japanischen Druckgrafik). Siebert ist angetan von der Geste der Japaner.

Es sei eine schöne Tradition, dass sich Wriezener am Todestag von Dr. Koyenuma an seinem Grab treffen. Wriezener, die ihn selbst persönlich kennengelernt haben. Menschen, die ohne staatlichen Auftrag seine Grabstätte gepflegt haben. Und Menschen wie Reinhard Schmook, dem es unter anderem zu verdanken sei, dass der Kontakt zur Familie Koyenuma hergestellt werden konnte. "Wir versuchen seit der Wende, das Wirken des Arztes wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen", sagt Siebert. Mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft für Koyenuma habe die Stadt sein aufopferungsvolles Engagement gewürdigt. Seither gebe es viele Aktivitäten in der Stadt, die durch die Bürgerschaft getragen werden. Siebert nennt in diesem Zusammenhang den Verein TKC, der mit dem Beachvolleyballturnier ein recht frühes Zeichen gesetzt habe. Denn Dr. Nobutsugu Koyenuma ist der Namensgeber des Masters und des Beachparkes in Wriezen.

Der Bürgermeister erinnert aber auch an das beispielhafte Wirken der Mitglieder des Koyenuma-Kommitees, allen voran Klaus Stermann. Seine redaktionelle Handschrift werde auch eine Gedenkbroschüre tragen, die in diesem Jahr anlässlich des Geburtstag des japanischen Arztes erscheinen wird. Der jährt sich am 9. Oktober zum 100. Mal.

Und genau so erfreut wie Uwe Siebert über den ukiyo-e war, so überrascht zeigt sich Marcus Schultz aus Wriezen, als ihn der Bürgermeister das Geschenk der Japaner überreicht. Der 14-Jährige besucht das Evangelische Johanniter-Gymnasium in der Oderbruchstadt. Dort werde es gewiss einen würdigen Platz finden, ist sich das Stadtoberhaupt sicher.

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