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Klein Schauen wieder eigenes Dorf

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elke lang / 27.03.2009, 08:00 Uhr
Klein Schauen Horst Wichmann ist seit den letzten Kommunalwahlen Ortsvorsteher von Klein Schauen. Das ist neu - oder auch nicht, denn vorher war er Ortsbürgermeister von Görsdorf, zu dem Klein Schauen gehörte. Dass er jetzt statt 479 nur noch 190 Einwohnern vorsteht, stört ihn nicht. Stolz zeigt er bei einem Spaziergang sein kleines, sauberes Dorf.

"Sauberkeit und Ordnung im Dorf haben bei mir erste Priorität", erklärt Horst Wichmann freundlich, aber bestimmt. Man glaubt es ihm, wenn man sich in dem noch in seiner ursprünglichen Struktur erhaltenen Runddorf umschaut. Die Bausubstanz des im 15. Jahrhundert ersterwähnten Dorfes rundherum hat nach Willi Gnädig ihren Ursprung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei den meisten Häusern erfolgten jedoch so viele Um- und Anbauten, dass das kaum noch erkennbar ist.

Auf ein Haus allerdings sind die Klein Schauener stolz. Es ist das markante Feldsteinhaus von Frank Lehmann, dem stellvertretenden Ortswehrführer. Ihm sieht man an, dass es mindestens 150 Jahre alt ist, wie der Besitzer schätzt. Neben dem Feldsteinhaus weist ein großes Schild noch auf Werner Lehmanns "Tante-Emma-Laden". "Ihn hat die Zeit überholt, er bestand bis 1998, dann war er nicht mehr rentabel", bedauert der Ortsvorsteher.

Nicht zu übersehen ist am Dorfanger auch das kleine, aber schmucke, 1989 erbaute Domizil der Freiwilligen Feuerwehr Klein Schauen, die in diesem Jahr ihr 75. Jubiläum feiert. Es wird von den 16 Kameraden, davon sechs Frauen, immer bestens instand gehalten. Auch das Dorfgemeindehaus am einstigen Gutshof steht in der Nähe des Dorfangers. Es soll einmal Eierabgabestelle gewesen sein. Um 2000 wurde es ausgebaut, so dass es einen Saal für 25 Leute bietet, der für wenig Geld für Privatfeiern gemietet werden kann. In dem Haus befindet sich auch das Büro des Ortsvorstehers, ausgestattet mit Top Mobiliar, das von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt wurde.

Neben dem Dorfgemeindehaus befindet sich der öffentliche, "unheimlich große" Spielplatz, wie Horst Wichmann stolz einschätzt. Er ist sicher eingezäunt und wird mit Schaukelpferdchen, Sandkasten, Wippe und Rutsche gern von den etwa 20 Kindern des Ortes genutzt.

Klein Schauen sei altersmäßig gut strukturiert, ist der Ortsvorsteher zufrieden. Von den 190 Einwohnern sind 45 Rentner, und die Dorfälteste, Klara Batke, ist 87 Jahre alt. Im vorigen Jahr seien drei neue Kinder dazugekommen. Begeistert zählt der 75-Jährige auf, in welchen Häusern mit weiterem sichtbarem Nachwuchs zu rechnen ist. Sein größter Wunsch ist, dass die von den Klein Schauenern mit genutzte Kita in Groß Schauen erhalten bleibt. Abwanderungen gebe es keine, vielmehr seien seit 1989 etwa dreißig Leute zugezogen. Außerdem gebe es die erstaunlich hohe Anzahl von 19 Gewerbebetrieben und einen Landwirt hier.

Zu den Zuzüglern gehörten 1990 auch Brigitte und Horst Wichmann. 1998 ließ sich Horst Wichmann in den Gemeinderat von Görsdorf, Busch und Klein Schauen wählen. Sein Anliegen war die Einrichtung einer zentralen Abwasserentsorgung und einer ausreichenden Straßenbeleuchtung.

Fünf Jahre lang sorgte er im Vorstand des WAS mit dafür, dass alles reibungslos vonstatten ging. "Es gab keine Probleme mit den Einwohnern. Durch Grundstücksverkäufe waren wir eine ziemlich reiche Gemeinde, die 400 000 DM bezahlte, so dass für die Einwohner nur im Schnitt 1500 DM bis zum Anschluss im Grundstück aufgebracht werden mussten", freut er sich.

Schon zu DDR-Zeiten war Klein Schauen als Ortsteil Görsdorf zugeschlagen worden. Im Rahmen der Kommunalreform, als ganz Görsdorf Ortsteil von Storkow wurde, war Klein Schauen dann nicht einmal mehr Ortsteil. Das betrachteten die Einwohner als "Zwangseingemeindung", wie Horst Wichmann erklärte. "Es war der Wunsch der Alteinwohner, dass 2008 wieder die Trennung vollzogen wurde. Sie wollten nicht, dass ihr Ort auf der Landkarte verschwindet."

Nach einem halben Jahr Selbstständigkeit sind alle Einwohner zufrieden. Auch Horst Wichmann. Nach Problemen und Wünschen befragt, kommt erst einmal die Antwort: "Gar keine." Dann aber doch. "Die ABM-Stelle von Jens Nossak ist Ende des Jahres ausgelaufen. So sauber wie bei ihm war es hier noch nie. Schauen Sie nur auf den um 1850 gegründeten Friedhof. Da liegt kein Blatt. Und die Bushaltestelle hat er gestrichen. Ich hoffe, wir kriegen ihn wieder."

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