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Bauern hoffen auf Hilfe gegen den Biber-Boom

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IRATHN / 15.02.2008, 19:32 Uhr
"Biber-Mangement! Ich bin gespannt, was das bedeuten soll", sagt Henrik Wendorff. Der Landwirt und Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland hat seine Erfahrungen mit dem Biber. "Der hat in den letzten Jahren das gesamte Platkower Mühlenfließ in Besitz genommen. Die Tiere sind systematisch flussaufwärts vorgedrungen", weiß der Lietzener, der als Chef des Woriner Agrarbetriebes Flächen am Fließ bewirtschaftet. "Der Biber kostet uns Landwirte und alle GEDO-Gebührenzahler richtig Geld", sagt Wendorff. Denn infolge des Anstauens der Gewässer gebe es immer wieder Grabenabbrüche, "deren Reparatur wir bezahlen müssen", so der Landwirt. Ganz zu schweigen von den vernässten Wiesen, Feldern und auch Kellern.

Als Mitglied im Vorstand des Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch weiß Wendorff um das geplante "Biber-Management". Die Konflikte zwischen dem Biberschutz auf der einen und dem Hochwasserschutz sowie der Landwirtschaft auf der anderen Seite haben sich zugespitzt. "Der Biber ist im Moment eine politisch hoch brisante Art", erklärt Peter Streckenbach von der unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises. Das Landes-Umweltamt (LUA) habe deshalb einen externen Experten beauftragt, die Konflikt-Schwerpunkte zu ermitteln und Vorschläge zur Lösung zu unterbreiten. Streckenbach hat im Juni vorigen Jahres im Zusammenhang mit der neuen Artenschutzverordnung die "Biber-Verantwortung" vom LUA übernommen, ist mithin für Ausnahmegenehmigungen zum generellen Biberschutz zuständig.

Der Auftrag des LUA erstrecke sich jedoch nur aufs Oderbruch, betont Dr. Thomas Hofmann. Weder das Platkower Mühlenfließ, das Streckenbach derzeit nicht für einen Biber-Schwerpunkt hält, noch anerkannte Biber-Hochburgen, wie der Raum Schönfließ, Treplin und Alt Zeschdorf, werden berücksichtigt.

Diplom-Biologe Hofmann hat die Biber-Vorkommen im Oderbruch untersucht und festgestellt, dass sie "ziemlich flächendeckend" sind. Die Zahl der Tiere schätzt er dennoch für "weit unter 500". Nach Ergebnissen seiner Studie befragt, die im Frühjahr vorliegen soll, sagt Hofmann: "Die Bejagung werde ich definitiv nicht empfehlen. Das löst die Probleme nicht." Er will stattdessen für Maßnahmen plädieren, um die Tiere aus bestimmten Bereichen zu vergrämen, zum Beispiel für Verbissschutz an Bäumen und das Beseitigen von Biber-Dämmen.

Eins liegt dem Biologen jedoch noch am Herzen: "Die Diskussion muss versachlicht werden", sagt Dr. Hofmann. Er sei Oderbrüchern begegnet, die ihn "sofort attackiert und behauptet haben, der Biber sei für die Vernässungen verantwortlich und müsse deshalb weg", berichtet er und betont: "Das ist absolut übertrieben und in vielen Fällen einfach unzutreffend."

Angesichts der von ihm mehrfach entdeckten Fälle von "Selbsthilfe" von Bürgern gegen den Biber warnt der Experte: "So etwas ist ein Straftatbestand!" Hofmann mahnt zur "vernünftigen Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde. Diese hat eins bereits entschieden: "Ab Hochwasser-Warnstufe 1 dürfen Biberbauten im Oderhauptdeich sofort verbaut werden", sagt Peter Streckenbach. Ansonsten ist der "Biber-Verantwortliche" des Landkreises der Meinung, dass es "keine Überpopulation" an Bibern im Oderland gebe.

"Wir warten darauf, dass der Populationsdruck so groß wird, dass die Biber in die Spree wandern", erklärt Streckenbach. Die war bislang biberfrei. Nach Frankfurt (Oder) ist der Nager bereits gekommen, weiß man beim Deichverband.

Peter Streckenbach sieht im Oderbruch vor allem im Raum Golzow, in Falkenberg-Papierfabrik, im Hohensaatener Polder und in der Güstebieser Alten Oder Handlungsbedarf. "Hier ist der Biber sehr aktiv", weiß der Vertreter der UNB. Und dass die Biberdämme dort "der Oderwasser-Überleitung bei Güstebiese im Wege stehen". Ein Biber-Management, wie es sich die GEDO-Mitarbeiter wünschen, wird es wohl dennoch nicht geben: "So wie den vom LUA bezahlten Bisamrattenfänger könnte es doch auch einen Biber-Beauftragten bei uns im Verband geben", meint Verbandsingenieur Axel Hulitschke.

l Nach dem Deichbau waren die Biber im Oderbruch ausgerottet worden.

l In den 80er Jahren sind 46 Elbe-Biber im Oderbruch und in Falkenhagen ausgesetzt worden - als genetisches Bollwerk gegen den Osteuropäischen Biber.

l Elbe-Biber aus der Schorfheide wanderten bis nach Bad Freienwalde. Inzwischen hat sich eine Mischpopulation aus Elbe- und Osteuropäischem Biber entwickelt.

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