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Erörterung für Schweinezuchtanlage beginnt schleppend

Was f³r eine Schweinerei! Mitglieder des BUND und anderer B³rgerinitiativen protestierten am Montag in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) vor Beginn des Genehmigungsverfahrens gegen die geplante Ferkelaufzuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin). Foto: dpa
Was f³r eine Schweinerei! Mitglieder des BUND und anderer B³rgerinitiativen protestierten am Montag in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) vor Beginn des Genehmigungsverfahrens gegen die geplante Ferkelaufzuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin). Foto: dpa © Foto:
06.04.2009, 16:09 Uhr
Demmin Schweinezüchter brauchen Geduld - nicht nur bei der Zucht, auch bei der Planung, wie sich am Montag in Demmin zeigte. Dort begann, begleitet von Protesten einer Bürgerinitiative und des Umweltverbandes BUND, das Erörterungsverfahren für eine der größten Schweinezuchtanlagen in Deutschland. Der aus Holland stammende Schweinezüchter Adrian Straathof will in der Nähe von Alt Tellin (Kreis Demmin) 10 000 Muttersauen halten, hinzu kommen 36 000 Ferkel. Dagegen gibt es Widerstand von Tier- und Umweltschützern sowie Nachbargemeinden. "Solchen Gigantismus braucht eigentlich keiner", sagt auch Gerd-Heinrich Kröchert, Bürgermeister in Daberkow und früherer Präsident des Landesbauernverbandes.

Schirmherr des amtlichen Genehmigungsverfahren ist das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) Neubrandenburg. Zu Beginn pocht der Moderator des Verfahrens, Wilfried Schumacher, auf die Unabhängigkeit der Behörde: "Die Erörterung wird keine Vorentscheidung treffen." Doch gerade diese Unabhängigkeit zweifelt Anwalt Ulrich Werner, der die Gegner der Anlage vertritt, an. Er verlangt den Abbruch der Erörterung, weil im Vorfeld Mängel im Verfahren aufgetreten seien. Nach drei Stunden ist klar, das Verfahren geht weiter, aber es wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Rund 15,6 Millionen Euro will Straathof, der in Gladau (Sachsen- Anhalt) lebt, in Alt Tellin investieren. Die Landesregierung in Schwerin hat Alt Tellin als Vorranggebiet für gewerbliche Tierhaltung ausgewiesen und sucht Investoren. Straathof hat in Ostdeutschland nach eigenen Angaben sieben Anlagen mit 165 Beschäftigten, zwei davon im Nordosten in Fahrbinde (Kreis Ludwigslust) und Medow (Ostvorpommern). "Deutschland führt pro Woche bis zu 150 000 Mastferkel mit bis zu 30 Kilogramm Gewicht aus Dänemark oder Holland ein, weil hier ein Mangel besteht", argumentiert der 54-Jährige.

"Es gibt diese Diskrepanz", räumt Kröchert ein, der selbst zu den rund 700 Einwendern, aber nicht zur Bürgerinitiative gehört. Nach seiner Auffassung würde jedoch eine Anlage mit 1000 Sauen völlig ausreichen. Dem Fachmann liegt vor allem der Zustand der Gemeinde- und Kreisstraßen und die Sauberkeit des gemeindeeigenen Baches am Herzen, in den das Oberflächenwasser der Anlage eingeleitet werden soll. Doch am Montag kommt Kröchert nicht zu Wort - nur ein Bruchteil der Tagesordnung kann abgearbeitet werden.

Anders als Kröchert will Jörg Kröger die Schweinezuchtanlage in Alt Tellin vollkommen verhindern. Der Unternehmer betreibt in der Nachbarschaft ein Hotel und befürchtet irreparable Schäden für den langsam wachsenden Tourismus in der Region. Gestank, schlechtere Wasserwerte und Wertverluste der Immobilien sind weitere Befürchtungen, die die Stallgegner vorbringen. Das lässt Arno Karp, CDU-Bürgermeister im benachbarten Jarmen, nicht gelten: "In Dänemark gibt es eine viel intensivere Schweinehaltung, aber die Touristen fahren trotzdem dorthin."

Auf Touristen wartet auch Frank Karstädt, parteiloser Bürgermeister von Alt Tellin, seit langem. Er setzt aber auch auf die Schweinezucht. Die Gemeindevertreter erwarten 40 neue Arbeitsplätze und hatten sich zweimal knapp für den Bau der Anlage ausgesprochen. Jetzt hoffen die Gegner der Anlage auf die Kommunalwahl im Juni und damit auf neue Mehrheiten.

Damit müssen sich die Einwohner weiter südlich in Wildberg vorerst nicht mehr befassen. "Wir habe die Pläne, in Wildberg eine weitere Schweinezuchtanlage aufzubauen, zurückgezogen", sagt der Bauleiter der Straathof Holding, Peter Meyer. Über die Genehmigung für Alt Tellin will das StAUN bis zum Sommer entscheiden.

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