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Denkmal "ans Messer geliefert"

"Wieder wurde ein Denkmal um die Ecke gebracht": So steht es auf einem Schild, das die Denkmalretter in Greiffenberg genau an der Stelle in die Erde rammten, an der bis vor Kurzem ein mehr als 200 Jahre altes Fachwerkgebäude stand. Der Landkreis ließ das
"Wieder wurde ein Denkmal um die Ecke gebracht": So steht es auf einem Schild, das die Denkmalretter in Greiffenberg genau an der Stelle in die Erde rammten, an der bis vor Kurzem ein mehr als 200 Jahre altes Fachwerkgebäude stand. Der Landkreis ließ das © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 18.12.2016, 06:08 Uhr
Greiffenberg (MOZ) Ein Schild sorgt für Aufsehen: Mitten in Greiffenberg haben die "Häuserretter" stumme Anklage erhoben gegen den Abriss eines Denkmals. Landrat Dietmar Schulze habe das Fachwerkgebäude ans Messer geliefert, lautet ihr Vorwurf. Jetzt verlangen sie seinen Rücktritt.

Leute bleiben stehen und lesen, was da mit roter Schrift auf einem Holzschild geschrieben steht. Autos halten an. Passanten diskutieren. Einige machen Fotos. Die Aktion sorgt für Aufregung, ist sie doch ein direkter Angriff gegen den Uckermark-Landrat. Dessen Behörde hat wegen drohender Einsturzgefahr vor wenigen Wochen ein vernachlässigtes Privatgebäude in Greiffenberg abreißen lassen. Es stand unter Denkmalschutz und befand sich mindestens 200 Jahre lang genau dort, wo jetzt das Schild Anklage erhebt.

"Wieder wurde ein Denkmal in Schutt und Asche gelegt. Wieder war es der Landrat Dietmar Schulze, der auch dieses wunderschöne Gebäude ans Messer lieferte", lautet der Vorwurf von Mats Ciupka und Kiri Westphal. Sie nennen sich "Häuserretter", sind Zimmermann und Architektin und kümmern sich seit vielen Jahren um vom Verfall bedrohte Objekte. Beide haben in Gellmersdorf einen Hof erworben. Weil es den Fachleuten weh tut, wenn uralte Häuser den Bach runtergehen, nehmen sie sogar selbst den Ziegel in die Hand und stopfen Löcher auf maroden Gebäudedächern.

Das Verschwinden eines Denkmals bringt die Häuserretter jedoch auf die Palme. Statt das Haus mit Steuermitteln abzureißen, hätte der Landrat es sichern und enteignen können. In der gerade erschienenen Denkmaltopografie der Region um Angermünde sei gerade dieser Bau besonders gewürdigt worden. Der Landrat hat dazu das Vorwort geschrieben. Mats Ciupka und Kiri Westphal verlangen jetzt Aufklärung über die Hintergründe seiner Entscheidung. "Wir wollen keine Politiker mehr hören, die das Wort Tourismus in den Mund nehmen und dann mit Nachhaltigkeit das kulturelle Erbe zerschlagen oder weggucken." Stadt- und Dorfkerne "zerhackfleischen" und Denkmäler "raussäbeln" sei viel zu kurz gedacht.

Die Häuserretter wollen mit ihrem Schild auf der nun leeren Fläche des verschwundenen Fachwerkhauses die Öffentlichkeit wachrütteln und weitere Abrisse dieser Art verhindern. Der Landrat müsse daher zurücktreten. "Seine Entscheidungen sind auch Schläge ins Gesicht von uns versierten Handwerkern, die solche Häuser mühelos zu retten befähigt sind."

Nach Angaben der Kreisverwaltung reagierte der Eigentümer - er lebt in Italien - nicht auf die Post der Behörde. Schon vor einigen Jahren ließ der Kreis daher auf eigene Kosten Sicherheitsnetze über das Dach werfen, um lose Ziegel aufzufangen. Auch der Abriss kostet Geld. Insgesamt muss der Steuerzahler nun 50 000 Euro zahlen.

"Mir geht es genauso nahe, dass dieses denkmalwürdige Haus abgerissen werden musste", sagt Karsten Stornowski, Dezernent der Kreisverwaltung. "Ich gehe davon aus, dass die Behörde ordnungsgemäß gehandelt hat. Es gab keinerlei Möglichkeit, Kontakt mit dem Eigentümer herzustellen." Stattdessen habe sich der Zustand des Gebäudes immer weiter verschlechtert. Wenn es um Leben und Gesundheit vorbeilaufender Menschen gehe, müsse eingeschritten werden. "Eine Sanierung hingegen ist nicht Aufgabe der Denkmalschutzbehörde", so Stornowski.

Doch die Häuserretter bleiben hartnäckig. Sie verlangen eine lückenlose Aufklärung über alle möglichen Alternativen. Es hätte sogar eine Finanzierungszusage des Landes für Sicherungsmaßnahmen gegeben. Die Bewahrung der Kulturgüter sei öffentliches Interesse. Dagegen habe der Landrat verstoßen. Daher die Rücktrittsforderung.

In Greiffenberg spricht man weiter über den Abriss des alten Gebäudes mit bewegter Geschichte. "Es ist schon komisch", sagt eine Nachbarin. "Erst hat sich jahrzehntelang wirklich niemand um das Haus gekümmert, und wenn es einfällt, geht die Aufregung los."

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matthias ciupka 03.01.2017 - 21:40:34

Pressemitteilung Greiffenberger 1

Die Häuserretter fordern Stellungnahme zum Abriss des unter Denkmalschutz stehenden doppelgeschossigen Fachwerkhauses in der Breitestr.17/18 in Greiffenberg Greiffenberger!!! Uckermärker!!!Wo ist euer Aufbegehren? Wie viele Denkmäler wollen wir eigentlich noch verlieren? Wieder wurde ein Denkmal in Schutt und Asche gelegt. Wieder war es der Landrat Dietmar Schulze der auch dieses wunderschöne Gebäude ans „Messer“ lieferte. Zwangsenteignung und darauf folgende Zwangsversteigerung vor einen angedachten Abriss wären kein Problem gewesen. So hätte das Haus gerettet werden können (So ist es in anderen Städtchen, wie z.B. in Oderberg gang und gebe – bei ungeklärten Besitzverhältnissen, ebenso hat es die Bauaufsicht in Angermünde jahrelang praktiziert) Auch die Aussage Gefahr im Verzug und nicht gegebene Standsicherheit wurden durch Gutachten die dem Landrat vorlagen entkräftet. Für etwas mehr als die veranschlagte Summe des Abrisses, wäre das Haus wieder in sicheren Stand versetzt worden. Auch die Zusage des Landeskonservators für das übernehmen der Differenz durch die oberste Behörde wurde nicht entsprochen. Der Landrat Dietmar Schulze entschied sich Schluss endlich, trotz aller angebotenen Alternativen für den Abriss. Besonders infam finden wir sein Vorwort in dem gerade neu erschienen Denkmalband über die Uckermark wo dieses Gebäude wie folgt beschrieben wird: …Das Wohnhaus prägt durch seine Lage, Größe und bewahrte historische Ansicht die Ortsmitte maßgeblich mit. Bemerkenswert und für die wissenschaftliche Hausforschung von besonderem Interesse sind Reichtum und die Vielfalt der im Hausinneren überkommenen Bau- und Ausstattungsdetails. Eine Seltenheit in der Region stellen vor allem die noch vorhandenen zweigeschossigen Schwarzen Küchen dar… „ Deshalb fordern wir alle Beteiligten zur lückenlosen Aufklärung auf, insbesondere wollen wir vom Landrat Dietmar Schulze eine klare Darlegung seiner Entscheidungsschritte. Dieser Abriss ist nicht der einzige traurige Fall von Vernichtung unter Schutz stehender Denkmäler in Greiffenberg. Wir wollen auch keine Politiker mehr hören die das Wort Tourismus in den Mund nehmen, um mit mit Nachhaltigkeit das kulturelle Erbe zerschlagen oder weggucken. Stadt und Dorfkerne zerhackfleischen und Denkmäler raussäbeln, die Infrastrukturen der kleinen Bahnlinien wieder mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit totrupfen. Es ist alles so kurz gedacht. Wir fordern den Rücktritt des Landrats aufgrund seiner Vergehen gegen öffentliches Interesse – der Bewahrung unserer Kulturgüter. Des weiteren ist seine Unachtsamkeit für eine Region die auf Tourismus als letzten Anker setzen will, nicht tragbar. Er beschädigt den Ruf des Landes, der Menschen die in den Denkmalbehörden und der Denkmalstiftungen arbeiten, die sich alle jeden Tag um den Erhalt der Landesdenkmäler bemühen. Seine Entscheidungen sind auch Schläge ins Gesicht von uns versierten Handwerkern, die solche Häuser mühelos zu retten befähigt sind. Sie sollten sich schämen. Sie sollten so ein Bau mal allein sanieren, oder ihn als Neubau finanzieren. Sie würden die Ohren anlegen. Wir dürfen ein Zitat zitieren aus dem neu erschienen Denkmalband über die Uckermark mit welchen sie sich schmücken wollten: Denkmäler sind die Lesezeichen der Geschichte“ oder ein Satz von Ihnen bemühen: „In der Tat können die Denkmalschützer und alle Interessierten derzeit 850 Kreisdenkmalliste erfasste Denkmale finden.“ Dank Ihnen wieder eines weniger. Die Häuserretter

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