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Depeche Mode auf der Suche nach Spiritualität

Kleiner ging's nicht: "Sounds Of The Universe" haben Depeche Mode ihr zw÷lftes Studioalbum betitelt, das am Freitag erscheint. David Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher (l-r) gehen auch wieder auf Tour. Foto: dpa
Kleiner ging's nicht: "Sounds Of The Universe" haben Depeche Mode ihr zw÷lftes Studioalbum betitelt, das am Freitag erscheint. David Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher (l-r) gehen auch wieder auf Tour. Foto: dpa © Foto:
15.04.2009, 13:12 Uhr
Berlin Nächstes Jahr feiern sie ihr 30. Bandjubiläum. Einen festen Platz in der Pophistorie aber haben Depeche Mode ohnehin längst sicher. Titel wie "People Are People", "Never Let Me Down Again" oder "Enjoy The Silence" sind bereits Popklassiker; mit Alben wie "Music For The Masses" (1987) konnten sich die britischen Synthie-Pop-Pioniere als eine der wichtigsten Bands überhaupt etablieren. Zudem begeistern Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher seit den 80ern mit stimmungsvollen Konzerten Fans auf der ganzen Welt. An diesem Freitag erscheint "Sounds Of The Universe", Depeche Modes mittlerweile zwölftes Studioalbum.

"Es ist unglaublich, dass all die Zeit vergangen ist", sagt Sänger Dave Gahan. "Wir waren ja noch Teenager, als es losging. Ich war 18. Es erschreckt mich, dass ich so jung war. Nun habe ich zwei Söhne, einer wird 17, der andere 22". Und Gahan hat viel durchgemacht: Überdosis, Selbstmordversuch. Dem Tod ist er in den Neunzigern gerade noch von der Schippe gesprungen. Heute macht der Frontmann einen erstaunlich fitten Eindruck, nur ab und zu genehmigt er sich einen Zigarillo. "Es ist 15 Jahre her, dass ich einen Drink hatte", erzählt der 46-Jährige stolz. Drogen habe er genommen, um zur Ruhe zu kommen: "Die einzigen Momente, in denen mein Kopf ruhig war, war als ich Heroin genommen habe." Jetzt sei das anders. "Ich habe nicht mehr diesen Lärm im Kopf."

Die Fans jedenfalls haben Depeche Mode immer die Stange gehalten. Kaum eine Band dürfte treuere Anhänger haben. Erklären kann sich diese Loyalität auch Gahan nicht: "Ich weiß nicht, woran das liegt. Wir haben konstant gute Musik gemacht, die Leute identifizieren sich damit." Deswegen hätten sie das neue Album auch "Sounds Of The Universe" genannt. "Ein sehr arroganter Titel", wie Gahan einräumt. "Wir haben ihn gewählt, weil unsere Musik alle Trends transzendiert."

Tatsächlich findet man auf der neuen Platte kaum Zugeständnisse an irgendeinen Zeitgeist. Dafür sind einige Songs, etwa das tolle "Peace", von einer spirituellen Atmosphäre beseelt. "Die Lieder wurzeln in der Suche nach Zugehörigkeit", erklärt Gahan. Spiritualität habe für ihn nichts mit Religiosität zu tun. "Das sind komplett verschiedene Dinge." Es gehe darum, "Vertrauen zu haben in eine größere Sache, das kann der Ozean sein oder das eigene Kind".

Auf der letzten, 2005 veröffentlichten Platte "Playing The Angel" war Gahan erstmals auch als Komponist vertreten. Für das neue Werk hat er gleich mehrere Stücke geschrieben.

Zu Deutschland, besonders Berlin, hatten Depeche Mode stets eine innige Beziehung. In der Hauptstadt feierte denn auch "Wrong", die eingängige Single, die gerade auf Platz zwei der deutschen Charts geschossen ist, bei der Echo-Verleihung im Februar Weltpremiere. In den 80ern kamen Depeche Mode zu Albumaufnahmen nach Berlin. "Wir sind in Berlin erwachsener geworden. Von Teenagern zu Männern", sagt Gahan. "Berlin hat uns umarmt, eine tolle Stadt."

Noch wohler aber fühlt sich der Sänger in New York, wo er seit gut zehn Jahren wohnt. "Der erste Ort, an dem ich sofort das Gefühl hatte, dass ich dort leben kann." Der Big Apple, erzählt Gahan, habe von der Wahl Barack Obamas profitiert. "Wenn ich Obama zuhöre, habe ich das Gefühl, dass es für meine Kinder Hoffnung gibt. Während der Bush-Jahre gab es keine Hoffnung."

Nach der im Mai beginnenden Welttour wolle er erst einmal Pause von der Musik machen, verrät Gahan. "Das heißt nicht, dass ich nicht Songs schreiben werde. Ich plane, mit einem Freund aus L.A. gemeinsam zu komponieren." Ein Grund für die Auszeit: Gahan möchte sich seiner Familie widmen, dem wohl wichtigsten Punkt in seinem Leben. Seinen Kindern, neben den Söhnen noch eine kleine Tochter, gebe er vor allem einen Rat: "Lebe dein Leben mit so viel Würde wie möglich." Dave Gahan selbst, der einst so gebeutelte Sänger von Depeche Mode, hat seine Würde längst wiedererlangt.

Tourdaten in Deutschland: 2.6. Hamburg, 4./5.6. Düsseldorf, 7./8.6. Leipzig, 10.6. Berlin, 12.6. Frankfurt/Main, 13.6. München

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