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Schaufenster der Filmregion

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Max-Peter Heyne / 15.04.2009, 18:03 Uhr
Von Max-Peter Heyne

Berlin/Angermünde Seit Mittwoch heißt es wieder "Achtung Berlin" im Kino Babylon-Mitte. Dort sind bis zum 22. April aktuelle Dokumentar- und Spielfilme zu sehen, die in der boomenden Filmregion Berlin-Brandenburg entstanden. Das vom Medienboard geförderte Festival ist gleichermaßen Schaufenster wie Treffpunkt der mittelständisch geprägten, regionalen Filmszene.

Viele der Regisseure erzählen oder dokumentieren Geschichten aus einer Hauptstadtregion mit Zukunftssorgen. Doch während in Berlin die mangelnde Wirtschaftskraft dank ständigen Entertainments scheinbar kaum vermisst wird, wie die Dokumentationen "SubBerlin", "24 Stunden Schlesisches Tor" oder "Berlin Marheinekeplatz" suggerieren, müssen viele Kleinstädte in der Mark um jeden zufriedenen Bürger bangen.

So zeigt Regisseurin Regina Kräh in ihrem 40-minütigen, sensibel gestalteten Stadtporträt "Heimat Luckenwalde" eine einstige Industriestadt im Fläming im Überlebenskampf gegen Abwanderung und Überalterung. Für die unheilvollen, gesellschaftlichen Transformationsprozesse hat Kameramann Dirk Hilbert eindringliche Bilder gefunden. Erfolge verzeichnet vor allem eine örtliche Bauunternehmerin, die aus dem Schutt der nicht mehr benötigten Wohnhäuser Straßenbeläge fertigt. Auf diesen Straßen werden womöglich viele jener jüngeren Luckenwalder die Stadt verlassen, die Kräh interviewt hat.

Aber auch kleine Lichtblicke konnte die Regisseurin verzeichnen: Nicht nur Pensionäre und Kinder identifizieren sich mit ihrer Heimatstadt, sondern zunehmend auch solche Bürger, die nach einigen Jahren Abwesenheit nach Luckenwalde zurückkehrten und jetzt aktiv versuchen, zum Beispiel das Gastronomie- und Freizeitangebot zu verbessern.

Wie mühsam der Kampf für bessere Lebensperspektiven in Brandenburg sein kann, zeigt die 45-minütige Reportage "Die Kandidatin", die auf dem Festival zusammen mit "Heimat Luckenwalde" als Doppelprogramm gezeigt wird (19.4., 14.30 Uhr, Babylon1). Der an der Babelsberger Filmhochschule ausgebildete, mit seiner eigenen Produktionsfirma in Angermünde residierende Regisseur Axel Kalhorn hat im letzten Jahr den Wahlkampf einer Langzeitarbeitslosen dokumentiert, die 2008 für das Bürgermeisteramt in Angermünde kandidierte. Die Hartz-IV-Empfängerin Birgit Kühr (47) hatte als Vorsitzende des Vereins "Bürgergemeinschaft gegen Sozialabbau Angermünde" und Initiatorin entsprechender Montagsdemonstrationen zwar schon gewisse Erfahrungen in Sachen Kommunalpolitik gesammelt. Dennoch war Kührs basisdemokratischer Entschluss, gegen den SPD-Amtsinhaber anzutreten, ein außerordentlich mutiger Schritt. Denn weder hatte Kühr die geballte Kraft einer etablierten Partei im Rücken, noch verfügte sie über die geschliffene Eloquenz, die für Berufspolitiker in unserer Mediengesellschaft hilfreich, vielleicht auch notwendig ist. Dass Kalhorn das Eine wie das Andere dokumentiert, führte letztlich zum Zerwürfnis mit Kühr, die sich im Film verunglimpft sieht. Das ist schade, denn Kalhorn führt seine eigenwillige "Filmheldin" gewiss nicht vor. Allenfalls erlaubt er sich einen distanzierten Blick sowohl auf sie wie auch ihre potenziellen Wähler, die sich mehrheitlich dann doch für den Politprofi entschieden haben.

Zusätzlich zeigt die Retrospektive "Berlin neun null" fünf Wende-Filme aus der Spätphase der DEFA, darunter von 1990 die Dokumentar-Klassiker "Die Mauer" von Jürgen Böttcher alias "Strawalde" und "Verriegelte Zeit" von Sybille Schönemann.

Filmfest "Achtung Berlin" im Babylon Berlin-Mitte, Tel. 030 2425969 und Passage-Kinos Berlin-Neukölln, Tel. 030 68237018,

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