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Ausflug zum Vorwerk Ernsthof

In seiner Freizeit als Gõstef³hrer von Berlin bis Westpolen unterwegs: Hans-Joachim Wirth, hier an der St.-Marien-Kirche in Strausberg. Am Sonntag f³hrt er Interessierte durch Grunow und Ernsthof.
In seiner Freizeit als Gõstef³hrer von Berlin bis Westpolen unterwegs: Hans-Joachim Wirth, hier an der St.-Marien-Kirche in Strausberg. Am Sonntag f³hrt er Interessierte durch Grunow und Ernsthof. © Foto:
AZIMMERMANNN / 17.04.2009, 04:10 Uhr
Grunow/Ernsthof Das Vorwerk Ernsthof besteht seit 1833/34 - also etwa 175 Jahre. Auf dessen Geschichte wird beim Auftakt der 2009er Auflage des Ausflugsprogramms "Feldstein und Musik" eingegangen.

Der gebürtige Franke Hans-Joachim Wirth fühlt sich seit 1993 im Brandenburgischen wohl. Der freiberufliche Bildungsreferent lebt heute in Pritzhagen. Dort sei der Geist der Frau von Friedland noch immer zu spüren, so der 52-Jährige. Als gelernter Forstwirt hält er viel von der naturgemäßen Waldbewirtschaftung, die Helene Charlotte von Friedland (1754-1803) auf ihren Gütern eingeführt hatte.

Doch am Sonntag beim Auftakt der beliebten Reihe "Feldstein und Musik" stehe das Vorwerk Ernsthof im Mittelpunkt. Dieser vom Hauptgut abgetrennte Wirtschaftsteil sei 1833/34 unter Arnold Freiherr von Eckardstein entstanden. "Mehr gibt die Quellenlage nicht her", sagt Hans-Joachim Wirth. Ernst Jakob Freiherr von Eckardstein, der Vater des Erstgenannten, sei 1799 als Kammerherr nach Berlin gegangen und später durch Friedrich Wilhelm III. geadelt worden. 810 000 Reichstaler habe Ernst Jakob Freiherr von Eckardstein dann in Güter auf dem Barnim investiert, darunter Grunow, Prötzel, Prädikow sowie Reichenow, und dort die moderne Landwirtschaft eingeführt.

"Er war mit Albrecht Daniel Thaer in Möglin befreundet", erklärt Wirth, der 2005 eine vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland anerkannte Ausbildung absolviert hat. Albrecht Daniel Thaer (1752-1828) gilt als Begründer der Agrarwissenschaften. Erst im vergangenen Jahr war in Möglin ein neues Ausstellungsgebäude errichtet worden. Unter dem bei Thaer ausgebildeten Praxislehrer Johann Gottlieb Koppe, 1814 bis 1830 dann Verwalter bei Eckardsteins, wurden deren Güter von der Drei-Felder-Wirtschaft auf Schlag- und Fruchtwechsel nach englischem Vorbild umgestellt.

Laut Hans-Joachim Wirth sei in Ernsthof Schafhaltung betrieben worden. Eckardsteins hätten sich zudem auf den Anbau von Kartoffeln und deren Verarbeitung konzentriert. Wie groß die Flächen waren, die zum Vorwerk gehörten, sei nicht bekannt. Für den Gutsbezirk Grunow/Ernsthof hat der Gästeführer allerdings eine Zahl gefunden: 844 Hektar. 1931 sei Ernsthof aufgesiedelt worden, 1934 folgten über die Siedlungsgesellschaft "Freie Scholle" 15 Familien aus Schwaben und Baden-Baden, die fortan 80 Morgen (20 Hektar) bewirtschafteten. Zu der Zeit sei auch der Ort ausgebaut worden, entstanden unter anderem Siedlerhäuser in der Ringstraße. Noch heute würde es einige Nachfahren dieser Familien geben. Die Kinder hätten die Schule in Grunow besucht. Bei Kriegsende 1945 sei der Treck der Bewohner gen Norden gezogen. "Bei der Rückkehr im Juli war alles ausgebrannt", hat sich Wirth erzählen lassen. Später zu DDR-Zeiten folgte die Zwangskollektivierung in der LPG. "Einige, die sich weigerten, saßen jahrelang in Bautzen im Gefängnis, andere gingen in den Westen."

Je nach Zielgruppe spricht Hans-Joachim Wirth bei den Führungen über die Bereiche Kultur/Geschichte oder Natur/Landschaft. "Wenn ein Vogel vorbeifliegt, lasse ich das allerdings nie unkommentiert. Bei solchen Dingen wissen heute doch nur noch die wenigsten Bescheid." In der Reihe "Feldstein und Musik" sei er bereits seit einigen Jahren dabei. So führte der Vater eines erwachsenen Sohnes im vergangenen Jahr auch durch Grunow. Dort ist nun am Sonntag ebenfalls Treffpunkt, später in der Kirche noch Konzert. Zum Dorf will Hans-Joachim Wirth diesmal nicht viel sagen. "Wir wollen doch nach Ernsthof und pünktlich zurück sein", sagt er und fügt hinzu: "Wenn wir das schaffen, kann ich natürlich noch etwas über die Feldsteinkirche mit ihren Schachbrettsteinen erzählen." Macht das alles nicht neugierig?

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Über Hinweise und historische Dokumente - gern auch entsprechende Abzüge - zur Geschichte von Ernsthof würde sich Manfred Ahrens, Ortsvorsteher in Grunow/Ernsthof, freuen. Er ist unter Telefon 033436 35682 bzw. E-Mail manfred.ahrens@googlemail.com zu erreichen.

"Feldstein und Musik" 2009 im Überblick:

19. April: Grunow/Vorwerk Ernsthof - 175 Jahre, 13.30 Uhr Wanderung zur Geschichte mit anschließender Kaffeetafel, Treffpunkt Evangelische Kirche Grunow, 17 Uhr "Kokott und Schönherr" spielen "European Folkmusic", eine Mischung aus traditionellen irischen, schottischen, skandinavischen und eigenen Liedern und Tänzen

17. Mai: Hasenholz, 13.30 Uhr Wanderung, Treffpunkt Evangelische Kirche, 17 Uhr Konzert mit der Gruppe "Kiltyfanad"

28. Juni: Garzin - 700 Jahre, 13.30 Uhr "Planetenwanderung" zur Sternwarte Liebenhof mit Kaffeetafel, Treffpunkt Evangelische Kirche Garzin, 17 Uhr "Celtic Affair" spielt irische, schottische und skandinavische Folkmusik

19. Juli: Pritzhagen, 13.30 Uhr Wanderung "Auf den Spuren von Theodor Fontane", 17 Uhr Zauber der Zigeunermusik mit "Zigantzigan"

23. August: Garzau, 13.30 Uhr Wanderung "Auf den Spuren von Hofrat Berger und dem Grafen von Schmettau", historischer Ortsrundgang zur fast vergessenen größten Feldsteinpyramide Deutschlands, Kaffeetafel im Eiscafé Melba, Treffpunkt Evangelische Kirche Garzau, 17 Uhr Klezmer und jiddische Lieder mit dem Ensemble "Shoshana"

20. September: Klosterdorf, 14 Uhr historischer Ortsrundgang, Besichtigung der Heimatstube mit anschließendem Kaffeetrinken, Treffpunkt Gemeindezentrum Klosterdorf, (Straße des Friedens 34), 17 Uhr der Paul-Robeson-Chor bringt in der Kirche Gospels, Spirituals und Jazz zu Gehör

18. Oktober: Ihlow, 13.30 Uhr Wanderung "Herbst im Künstlerdorf Ihlow" mit Kaffeetrinken im Café des Biohofs, Treffpunkt Evangelische Kirche, 17 Uhr Chorkonzert mit den "Kneipp-Sisters"

Information und Kartenvorverkauf: Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz, Sebastian-Kneipp-Weg 1, 15377 Buckow, Telefon 033433 57500, Fax 033433 57719, E-Mail touristinfo@amt-maerkische-schweiz.d e

19. April: Grunow/Vorwerk Ernsthof - 175 Jahre, 13.30 Uhr Wanderung zur Geschichte mit anschließender Kaffeetafel, Treffpunkt Evangelische Kirche Grunow, 17 Uhr "Kokott und Schönherr" spielen "European Folkmusic", eine Mischung aus traditionellen irischen, schottischen, skandinavischen und eigenen Liedern und Tänzen

17. Mai: Hasenholz, 13.30 Uhr Wanderung, Treffpunkt Evangelische Kirche, 17 Uhr Konzert mit der Gruppe "Kiltyfanad"

28. Juni: Garzin - 700 Jahre, 13.30 Uhr "Planetenwanderung" zur Sternwarte Liebenhof mit Kaffeetafel, Treffpunkt Evangelische Kirche Garzin, 17 Uhr "Celtic Affair" spielt irische, schottische und skandinavische Folkmusik

19. Juli: Pritzhagen, 13.30 Uhr Wanderung "Auf den Spuren von Theodor Fontane", 17 Uhr Zauber der Zigeunermusik mit "Zigantzigan"

23. August: Garzau, 13.30 Uhr Wanderung "Auf den Spuren von Hofrat Berger und dem Grafen von Schmettau", historischer Ortsrundgang zur fast vergessenen größten Feldsteinpyramide Deutschlands, Kaffeetafel im Eiscafé Melba, Treffpunkt Evangelische Kirche Garzau, 17 Uhr Klezmer und jiddische Lieder mit dem Ensemble "Shoshana"

20. September: Klosterdorf, 14 Uhr historischer Ortsrundgang, Besichtigung der Heimatstube mit anschließendem Kaffeetrinken, Treffpunkt Gemeindezentrum Klosterdorf, (Straße des Friedens 34), 17 Uhr der Paul-Robeson-Chor bringt in der Kirche Gospels, Spirituals und Jazz zu Gehör

18. Oktober: Ihlow, 13.30 Uhr Wanderung "Herbst im Künstlerdorf Ihlow" mit Kaffeetrinken im Café des Biohofs, Treffpunkt Evangelische Kirche, 17 Uhr Chorkonzert mit den "Kneipp-Sisters"

Information und Kartenvorverkauf: Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz, Sebastian-Kneipp-Weg 1, 15377 Buckow, Telefon 033433 57500, Fax 033433 57719, E-Mail touristinfo@amt-maerkische-schweiz.d e

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