Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ästhetik der Vergänglichkeit

Kombinieren Bronzen mit Zeichnungen: Wilfried Hann (l.) und Micha Reich in Altlangsow   Foto: Johann M³ller
Kombinieren Bronzen mit Zeichnungen: Wilfried Hann (l.) und Micha Reich in Altlangsow Foto: Johann M³ller © Foto:
USTIEHLERN / 24.04.2009, 17:14 Uhr
Altlangsow Von U we Stiehler

Das Schul- und Bethaus von Altlangsow (Märkisch-Oderland) ist doppelt berühmt. Schinkel hat das Gebäude mit seinen charakteristischen Tonnengewölbe als Musterbau konzipiert, der nie in Serie ging und einzigartig blieb. Gerettet wurde er von Künstlern und Kunstinteressierten, die ihn als Ausstellungsraum etablierten, der inzwischen in Brandenburg einen exzellenten Ruf genießt. "In Altlangsow ausstellen zu können, ist als Maßstab zu sehen", schrieb der Bildhauer Werner Stötzer in den neuen Katalog, den der Förderverein des Schul- und Bethauses nun vorgelegt hat. Darin sind ist zusammengefasst, was in den letzten zehn Jahren in Altlangsow zu sehen war. Erinnert wird an die wie Organismen gewachsenen Arbeiten Karl Heinz Jacobs, an die Terrakotten Sylvia Hagens, die Keramiken Doret-Nanette Grzimeks oder die Theatermasken Wolfgang Utzts. Es ist die Verdichtung eines Ausstellungsbetriebes, der Altlangsow so bekannt gemacht hat, dass Künstler aus Berlin und Brandenburg Schlange stehen, um ihre Werke dort präsentieren zu dürfen.

Aktuell sind die Arbeiten von Wilfried Hann und Micha Reich im Schul- und Bethaus zu sehen. Eine Ausstellungen, deren Spannung sich aus den Differgenzen speist, die zwischen den Skulpturen Hanns und den Zeichnungen Reichs liegen.

Wilfried Hann, der im Altlandsberger Ortsteil Wegendorf eine Kunstgießerei betreibt, beschreibt mit seinen Bronzeskulpturen und -gefäßen die Suche nach eine Perfekten Form und erinnert in seiner Rückbesinnung auf eine strenge Geometrie an die griechische Antike. Der Künstler Hann kann den Techniker in sich nie ganz verleugnen. Er ist sowohl Maschinenbau- als auch Keramik-Ingenieur.

Im Kontrast zu seinen durchkonstruierten Skulpturen stehen die Akte von Micha Reich - auch er ein Quereinsteiger. Der Autodidakt ist gelernter Schlosser und war von 1986 bis 1989 Meisterschüler bei Professor Jo Jastram an der Akademie der Künste der DDR.

Micha Reich will sich in seinen Zeichnungen keinem idealisierten menschlichen Schönheitsideal annähern, sondern beschreibt den menschlichen Körper in seiner Unvollkommenheit, seinem Blühen und seinem Dahinwelken. Manchmal tut er es mit einem voyeuristischen Blick, der etwa an Egon Schiele erinnert. Immer wieder widmet er sich Figuren, in denen sich das Leben bereits tief eingegraben hat. Die Spuren, die es hinterließ, sucht er gründlich auszuforschen. Was er dabei entdeckt, gerät durch seine Handschrift zu einer Ästhetik der Vergänglichkeit.

Schul- und Bethaus Altlangsow, mittwochs bis sonntags 13 bis 16 Uhr, Tel. 03346 844343

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG