Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Uraufführung: "Raoul" beleuchtet das Leben des Judenretters Wallenberg

Schwerer Stoff in Musical-Form: Eine Szene aus "Raoul", das am Musiktheater Bremen am Donnerstag Premiere hatte. Foto: dpa
Schwerer Stoff in Musical-Form: Eine Szene aus "Raoul", das am Musiktheater Bremen am Donnerstag Premiere hatte. Foto: dpa © Foto:
22.02.2008, 15:01 Uhr
Bremen Mit Schutzpässen hat der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg im Zweiten Weltkrieg Tausende Juden in Budapest vor dem Transport ins Konzentrationslager Auschwitz bewahrt. Mit der Uraufführung "Raoul" am Donnerstag hat sich das Theater Bremen auf ungewöhnlich lebendige Weise mit dem Holocaust-Thema auseinandergesetzt. Die Musik des Komponisten Gershon Kingsley, als Kind selbst von den Nationalsozialisten verfolgt, bewegt sich zwischen Oper und Musical. Ungewöhnlich auch, dass zwei Deutsche, Kingsley und der Librettist Michael Kunze, die Oper in englischer Sprache spielen lassen. Im nahezu ausverkauften Neuen Schauspielhaus feierte das Publikum die zweieinhalbstündige Uraufführung mit langem Applaus.

Das Leben des nach dem Zweiten Weltkrieg verschollenen Schweden Raoul Wallenberg ist bereits in mehreren Büchern, Filmen und der Oper des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür aufgearbeitet worden. Anders als der durch Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" berühmte Oskar Schindler war der Bankierssohn zu keinem Zeitpunkt Kriegsgewinnler. Chronologisch, bisweilen allzu detailverliebt, beleuchtet Kunze das Leben Wallenbergs in Ungarn von der Rettung Tausender Juden bis zu seiner Verhaftung durch die Rote Armee. Dabei überzeugen die Regieeinfälle von Julia Haebler, etwa wenn der Nazi Adolf Eichmann seine SS-Leute wie Tiere an der Leine ausführt und singt: "I'm not a monster."

Neu bei dieser Auseinandersetzung mit dem Thema ist die Mischung von Musical, Oper und Theater. Opern-Pathos wird dadurch vermieden. Es geht um Tempo und um große Emotionen. Der 85-jährige in New York lebende Kingsley, bekannt auch durch seine frühe Melodie "Popcorn", gibt sich nicht avantgardistisch. Seine typisch amerikanische Oper spielt vielmehr mit Zitaten von Bert Brechts und Kurt Weills "Dreigroschenoper". "Raoul" erinnert an Straßentheater und Workshop- Situationen: lebendig und sehr populär. Während Tenor Alexej Kosarev am Premierenabend in der Raoul-Rolle überzeugte, erinnerte die Botschaft, dass die Welt nicht verloren sei, solange es "36 wirklich gute Menschen" auf dieser Erde gebe, an dieser Stelle allzu platt an die Hollywood-Sehnsucht nach einem Happy End.

Klarer als die verschraubte Handlung ist der Rahmen der Bremer Produktion. In dem dunklen Bühnenraum werden abstrakte Ebenen bespielt und bewegt. Darüber hängt eine Plattform mit einem jüdischen Liebespaar, eine Insel der Hoffnung. Alle Sänger - bis auf den Bankersohn Wallenberg - tragen einheitliche Kleidung im Stil der 40- er Jahre. Lediglich Hitlermasken und Gesten verwandeln sie in Täter oder aber in Opfer, die gemeinsam um die schwedischen Schutzpässe kämpfen: "just a piece of paper", nur ein Stück Papier, das Leben rettet.

Zu dieser Oper habe ihn in New York die Begegnung mit den von Kingsley vertonten Gedichten von Holocaust-Häftlingen inspiriert, sagte Kunze am Donnerstag kurz vor der Uraufführung. "Als ich Kingsleys "Stimmen aus dem Schatten" gehört hatte, wusste ich: Genauso muss die Musik sein." Ohne den Auftrag irgendeines Theaters oder Opernhauses habe er dann den Text in New York auf Englisch geschrieben und gemeinsam mit dem Komponisten die Oper über Wallenberg entwickelt. Dem Theater Bremen gefiel das Stück. Ab November soll "Raoul" in Ungarn gezeigt werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG