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Der Herr der Bügel

Sperriges Hobby: Eberhard Rhode zeigt im Keller seines Hauses seine Kleiderb³gelsammlung. Bislang hat der Berliner 2222 Kleiderb³gel in den verschiedensten Farben, Materialien und Ausf³hrungen aus aller Welt zusammengetragen. Foto: dpa
Sperriges Hobby: Eberhard Rhode zeigt im Keller seines Hauses seine Kleiderb³gelsammlung. Bislang hat der Berliner 2222 Kleiderb³gel in den verschiedensten Farben, Materialien und Ausf³hrungen aus aller Welt zusammengetragen. Foto: dpa © Foto:
dpa / 04.05.2009, 16:42 Uhr
Berlin Ob aus Holz, Metall oder Plastik, umhäkelt oder umstrickt, zusammenklappbar oder ausziehbar - Kleiderbügel dürfen in keinem Schrank fehlen. Im Haus von Eberhard Rhode zieren sie dagegen Wände und füllen einen Kellerraum.

Für den Berliner sind Kleiderbügel mehr als Gebrauchsgegenstände, nämlich ein Kulturgut, das sich sammeln und erforschen lässt. Den Grundstock für die Sammlung bildeten drei beschriftete Kleiderbügel, die Rhodes Frau vor 27 Jahren in den Haushalt einbrachte. "Freunde und Verwandte haben mir seitdem weitere Bügel von Reisen mitgebracht. Und manchmal bekomme ich auch Pakete von Menschen, die von meinem seltenen Hobby gehört haben", erzählt der Sammler.

Sein neuestes Stück ist aus edlem Kirschholz. "Ein Freund hat ihn gebaut und mir zum 60. Geburtstag geschenkt." Bislang hat Rhode 2222 Kleiderbügel in den verschiedensten Farben, Materialien und Ausführungen aus aller Welt zusammengetragen. Die meisten hängen, geordnet nach Ländern, Orten, Kaufhäusern oder Textilherstellern in seinem kleinen Kellermuseum. Zu Rhodes Lieblingsstücken zählt ein rund 100 Jahre altes Exemplar mit Seidenbezug und Puppenkopf aus dem Hotel Bristol in Oslo. "Es ist ein Geschenk von einer älteren Dame, die damit schöne Kindheitserinnerungen verband", erzählt er.

Weniger schmuckvoll, aber dafür umso raffinierter ist ein mit mehreren Wäscheklammern versehener Bügel. "Der war einst für Socken bestimmt", erklärt der Sammler. Ebenso praktisch: Bügel, an denen Kleiderbürsten angebracht sind. "Kleiderbügel sind Geschichte pur", sagt der frühere Sozialarbeiter, der jetzt Zeit hat, diese zu erforschen. Erste Vorläufer heutiger Modelle habe es bereits im 16. Jahrhundert gegeben. Doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts seien sie Adel, Militär und Kirche vorbehalten gewesen. Erst im Zuge der Industrialisierung, als rostfreie Stahlhaken hergestellt werden konnten, setzte die Massenproduktion ein.

Um 1880 hielten Kleiderbügel Einzug in den Durchschnittshaushalt und ersetzten Kleidertruhen. "Vor allem zwischen 1900 und 1930 wurden sie von Schneidern, Textilherstellern und Händlern als Werbemittel eingesetzt", erklärt Rhode. Heute gebe es allerdings kaum noch deutsche Hersteller, weil viele Kunden auf billige Plastikware aus dem Ausland setzen. Allein ist der Karlshorster mit seinem Hobby nicht.

"In Heringsdorf gibt es mit Günter Wegener einen weiteren Sammler. Der hat 250 Bügel mehr als ich", sagt Rhode. In noch größerem Stil hat der heute pensionierte Schweizer Kleiderbügelhändler Hans Martin Dunkel die Sammelleidenschaft betrieben und rund 8000 Exemplare zusammengetragen. Etwa die Hälfte davon ist im Kleiderbügelmuseum der Firma Dunkel in Basel zu sehen, darunter auch das älteste Stück der Sammlung, ein 400 Jahre alter Uniformbügel mit geschmiedetem Haken. "Die Besucher kommen meist ohne große Erwartungen. Doch am Ende sind sie immer begeistert von der Vielfalt der Konstruktionen", sagt Sohn Hans Dunkel, der die Gruppen durch das seinen Angaben zufolge weltweit einzigartige Privatmuseum führt.

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