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Getragene Melodien zum Lobe Gottes

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Wilhelm Schmidt / 03.03.2008, 16:56 Uhr
Von Wilhelm Schmidt*

Wriezen Heute vor 30 Jahren starb der Kirchenmusikdirektor Günther Marks, der schaffensreiche und schöpferische Jahrzehnte des Lehrens, Komponieren und Musizieren in Wriezen im Oderbruch und in Dahme (Mark) erlebte.

Günther Marks wurde am 28. November 1897 in Gollnow/Pommern, heute Goleniow in Polen, geboren. Er wuchs in einem Elternhaus auf, in dem anspruchsvolle Hausmusik zum Familienleben gehörte. Bereits mit vier Jahren erhielt Günther Marks Violinunterricht von seinem Großvater. Da der Junge viel auf dem Klavier herum fantasierte, hielt man einen methodischen Unterricht auf diesem Instrument nicht für erforderlich. Oftmals begleitete der Großvater seinen Enkel bei dessen Improvisationsübungen mit der Violine und umgekehrt begleitete der Junge frei und ohne Noten den Großvater beim Spiel alter Tänze. Das war die erste spielerische Begegnung des späteren Komponisten mit der Harmonielehre.

Seinen Wunsch, Musik zu studieren, verweigerten ihm seine Eltern. Sie überzeugten ihn, den Lehrerberuf zu ergreifen. Seine erste Ausbildung erhielt Günther Marks auf dem Lehrerseminar in Drossen, heute Osno, wo er mit der "Kindersymphonie" von Leopold Mozart sein Debüt als Dirigent gab. In dieser Zeit wandte er sich mit Liebe und Eifer seinen späteren Hauptinstrumenten Klavier und Orgel zu.

Seine Ausbildung, die durch seine Teilnahme am 1. Weltkrieg unterbrochen wurde, beendete er 1920 mit der Lehramtsprüfung. In dieser Zeit schrieb er im Gedenken an seinen am ersten Kriegstag gefallenen 18-jährigen Bruder ein Requiem mit Chor und großem Orchester, das in Leipzig und Berlin mehrfach aufgeführt wurde. Leider ist durch den 2. Weltkrieg die vollständige Partitur verloren gegangen. Nach Auffinden eines Klavierauszuges gestaltete Marks jedoch eine kürzere Fassung für einfache kirchenmusikalische Verhältnisse, die Kantate "Von der Nichtigkeit des Menschen und der Gnade Gottes".

Die erste Anstellung als Lehrer erhielt er in Wriezen im Oderbruch. Für den vom ihm gegründeten Kinderchor schuf er zahlreiche Kompositionen. Bald wandte sich Günther Marks dem kirchenmusikalischen Schaffen zu und komponierte Kantaten, Motetten und Orgelwerke für den Gottesdienst. 1930 wurde er an die St. Marienkirche in Wriezen berufen, wo ihm die 1729 erbaute Wagner-Orgel, die leider 1945 durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde, ein ihn inspirierendes Betätigungsfeld bot. 1939 wurde er auf Grund seiner Verdienste um die Kirchenmusik zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1947 wurde Günther Marks als Dozent für Orgelspiel und Tonsatz an das Evangelische Katechetische Seminar in Dahme berufen, in dem er bis zu seinem Ruhestand 1964 tätig war. Er lebte in bescheidenen Wohnverhältnissen zusammen mit seiner Ehefrau im Viktoriastift. In dieser Zeit unterwies er mehr als 70 Seminaristen im Orgelspiel.

In der Gemeinde wirkte er als Organist und Leiter des Kirchenchores. Jährliche Höhepunkte seiner Tätigkeit als Kantor waren die Musikalischen Feierstunden in der Dahmer Hauptkirche zu Karfreitag und Bußtag, in denen er auch eigene Kompositionen aufführte.

Aus seinem umfangreichen kirchenmusikalischen Schaffen ragen seine 1957 bzw. 1969 und 1972 geschriebenen Oratorien zur Passionszeit "Eden-Gethsemane", "Herr, bin ich´s" und "Ich bin´s - quo vadis homo" besonders heraus. Diese Werke machten ihn in Ost- und Westdeutschland bekannt und wurden u. a. im Dom zu Greifswald, in Magdeburg, Rostock, Eisleben, Köln und Duisburg und im Rundfunk zu Gehör gebracht. Außerdem schrieb Marks Orchesterwerke, zum Beispiel das Konzert für 4 Waldhörner und Streichorchester, Kompositionen für Bläser, insbesondere Waldhornquartette, Kantaten für Männer-, gemischten und Kinderchor sowie Sololieder und Spielstücke für verschiedene Besetzungen. Seine Liedkomposition "Helft unsern Brüdern in der Welt" wurde in das ökumenische Liederbuch "Cantate Domino" des Ökumenischen Weltrates der Kirchen aufgenommen.

Hinzu kommen mehr als 200 Choral-Vorspiele, Toccaten (freie, groß angelegte Kompositionen), Partiten (mehrthematische Musikstücke) und Passacaglien (einthematische Vortragsstücke), die zum großen Teil nur handschriftlich vorliegen und von seinen Seminaristen in Dahme auch handschriftlich für den eigenen Gebrauch kopiert wurden.

Die Resonanz auf die zum Teil in mehreren Auflagen erschienenen Werke war seinerzeit eindrucksvoll. Prominente Kirchenmusiker äußerten sich begeistert über seine Kompositionen. Der damalige Oberlandeskirchenrat von Hannover, Prof. D. Dr. Oskar Söhngen, dankte Marks, "dem Künder des Evangeliums in musikalischen Zungen" für sein Lebenswerk. Bischof D. Kurt Scharf, der ihn in den Jahren der Kirchenverfolgung und des 2. Weltkrieges schätzen gelernt hatte, bezeichnet ihn als "Freudenboten des Evangeliums mit seiner herrlichen großen Kunst".

* Wilhelm Schmidt, 69, lebt in Premnitz, hatte als Kind Klavierunterricht bei Günther Marks und forscht zu dessen Leben.

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