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Neuer Anlauf für Tram nach Slubice

 Ein Bild aus alten Zeiten: Vor rund hundert Jahren entstand diese Postkarte, die den Blick auf die damalige Crossener Stra▀e zeigt. Repro: Sammlung Bernhard Klemm
Ein Bild aus alten Zeiten: Vor rund hundert Jahren entstand diese Postkarte, die den Blick auf die damalige Crossener Stra▀e zeigt. Repro: Sammlung Bernhard Klemm © Foto:
Heinz Kannenberg / 12.05.2009, 21:21 Uhr
Für die Erweiterung des Straßenbahnnetzes nach Slubice wird jetzt ein neuer Anlauf genommen. "In seiner Sitzung am 23. April hat mich der Nahverkehrsbeirat der Stadt damit beauftragt, die Linienführung über die Oder noch mal zu prüfen", bestätigte jetzt Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU). Ein Grund für den Neuanlauf seien die veränderten Bedingungen an der Grenze. "Es gibt keine Kontrollen mehr, wir müssen auf keine Abfertigungsanlagen mehr Rücksicht nehmen", sagte Patzelt. "Die Fördermittel für deutsch-polnische Projekte stehen jetzt zur Verfügung, die ersten sind erst kürzlich bewilligt worden." Die Situation sei sogar noch günstiger als vor vier Jahren, da der Bau einer Gleisverbindung in die Nachbarstadt schon einmal vorbereitet worden war: "Eine Förderung durch die EU könnte jetzt noch höher ausfallen, bis zu 80 Prozent", so Patzelt.

Für die Sicherung der Zukunft der Straßenbahn ist die Erweiterung aus Sicht des Oberbürgermeisters unumgänglich. "Damit die Straßenbahn weiter in Frankfurt fahren kann, brauchen wir auch die Fahrgäste nach Slubice und umgekehrt", sagte er. Die Zeit dränge. "Wir müssen uns beeilen", betonte Martin Patzelt, "innerhalb der nächsten zwei Jahre sollten die Planungen fertig sein und dann muss gebaut werden."

Eine Verbindung nach Slubice ist aus wirtschaftlicher Sicht auch für die Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) wichtig, und zwar nicht nur wegen der zusätzlichen Fahrgäste. Im Investitionsplan für 2010 ist der Bau einer Wendeschleife in der Berliner Straße für 1,1 Millionen Euro bereits enthalten. Die Schienenverbindung in die Lebuser Vorstadt ist seit Jahren unwirtschaftlich. Künftig sollen vor allem kleinere Busse dorthin fahren und die Straßenbahnen bereits vorher wenden. Nur in Stoßzeiten wie vor Unterrichtsbeginn sollen noch einzelne Bahnen bis in die Lebuser Vorstadt fahren - Mischverkehr nennt das die SVF. Kleinere Busse könnten auch weiter fahren, etwa bis zum Triftweg.

Mit einer Verbindung nach Slubice könnte die Schleife eingespart werden. Der Aufsichtsrat der Frankfurter Dienstleistungsholding GmbH hat deshalb bereits am 30. Januar die SVF-Geschäftsführung damit beauftragt, eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung aufzustellen. "Es soll untersucht werden, was günstiger ist: der Bau der Wendeschleife oder die Erweiterung nach Slubice", erklärte Patzelt.

Seit der Ablehnung der Bahntrasse in der Bürgerbefragung im Januar 2006 wird alternativ auch über einen Busverkehr nach Slubice nachgedacht. "Sämtliche Gutachten und Untersuchungen haben bisher ergeben, dass diese Verbindung mit Straßenbahnen am wirtschaftlichsten bewältigt werden könnte", betonte gestern SVF-Geschäftsführer Michael Ebermann. So wäre die Anzahl der vorhandenen Bahnen für einen Verkehr über die Oder hinweg ausreichend, während für eine Busverbindung neue Busse angeschafft werden müssten.

Für Ebermann ist klar: "Die Straßenbahnverbindung nach Slubice muss schnell kommen." Und Patzelt betont: "Eine spätere Erweiterung zum SMC würde auch den Slubicer Bürgern nutzen."

Martin Patzelt stellt in seinem letzten Amtsjahr als Oberbürgermeister die Ampel für eine grenzüberschreitende Straßenbahn nach Slubice nochmals auf Grün. Das ist mutig. Denn das Projekt ist vor drei Jahren ja gerade am dilettantischen Handeln der Frankfurter Stadtpolitiker gescheitert.

Für einen Neuanlauf spricht das Zusammenwachsen der Städte im Alltag. Es sind längst nicht mehr nur Studenten und Einkaufstouristen, die täglich von einer Stadt in die andere pendeln. Der Frankfurter Bahnhof, das zeigen die polnischen Taxen, ist auch für viele Slubicer inzwischen der Startpunkt für eine Reise.

Jetzt gilt es über das Projekt sachlich aufzuklären. Jeder Schritt muss zudem mit den polnischen Partnern abgestimmt werden. Eine grenzüberschreitende Straßenbahn wird die Doppelstadt lebenswerter machen. Die Menschen fühlen es jetzt schon. Heinz Kannenberg

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Anlauf Martin Patzelt Nahverkehrsbeirat Heinz Kannenberg Tram

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