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Fluchtburg an der Liebesinsel

So lebten die Slawen: Helmut G³nzel erklõrt Sch³lern aus der Herman-Nohl-Europaschule in Berlin-Neuk÷lln eines der beiden neuen Modelle in der Buckower Heimatstube.Foto: MOZ/Anett Zimmermann
So lebten die Slawen: Helmut G³nzel erklõrt Sch³lern aus der Herman-Nohl-Europaschule in Berlin-Neuk÷lln eines der beiden neuen Modelle in der Buckower Heimatstube.Foto: MOZ/Anett Zimmermann © Foto:
AZIMMERMANNN / 13.05.2009, 08:44 Uhr
Buckow Von den Pfählen im Buckower Schermützelsee berichtete schon Theodor Fontane. Dass es diese Zeugnisse der Slawenzeit tatsächlich gibt, wiesen später Buckower Taucher nach. Helmut Günzel ist einer von ihnen und hat ein Modell davon für die Heimatstube gebaut.

Bei spiegelglatter Wasseroberfläche sind die Pfähle an der Bu­ckower Liebesinsel vom Ruderboot aus zu sehen. Im Winter war dies zeitweise sogar durch das Eis der Fall. Helmut Günzel, der Gründer des Bu­ckower Tauchclubs, kennt den 38,5 Meter tiefen Schermützelsee bestens. Für das Modell war er extra noch einmal getaucht, um die etwa 80 Pfähle ganz genau festzuhalten. Mit Alfred Krohn baute er danach die slawische Fluchtburg, die jetzt zu Saisonbeginn in die Buckower Heimatstube kam. "Die Lage der Pfähle und die Maße stimmen weitgehend mit dem überein, was ich in Fachliteratur dazu gefunden habe", erzählt Günzel und zeigt auf das Handbuch "Die Slawen in Deutschland".

Gespannt lauschen ihm kurz darauf auch Berliner Grundschüler, die zurzeit in der Buckower Jugendherberge zu Gast sind. Die Mädchen und Jungen staunen unter anderem darüber, dass die Häuser nur aus einem Raum bestanden und statt eines Schornsteins an einem der Giebel eine Öffnung hatten, wo Rauch abziehen konnte. Ergänzt wird das Modell durch ein Weiteres - die Landzunge der Liebesinsel im Maßstab 1:100. Es zeigt die meist senkrecht stehenden Pfähle und auch den Fundort des Mahlsteins, der gegenüber in einer der Vitrinen zu entdecken ist. Darüber hängt ein Fundbericht von Max Krügel aus dem Jahr 1941.

Etliche Stücke aus der Slawenzeit zwischen 700 und 1250, darunter ein Hakenpflug, waren später an das Potsdamer Museum für Ur- und Frühgeschichte gegangen, doch einiges ist den Buckowern auch geblieben, darunter Knochenreste von Tieren und teils verzierte Scherben. Helmut Günzel will zu Letzteren noch einmal Rat von Martin Petzel einholen. Dem Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums wird er heute aber vor allem den während des Abtauchens gedrehten Film zeigen. "Was heute technisch möglich ist", staunt der 71-Jährige selbst, der 1958 seine erste Taucherprüfung ablegte. Der Wasserstand des Schermützelsees sei zur Slawenzeit allerdings ein bis anderthalb Meter niedriger als heute gewesen, berichtet er und auch, dass einst offenbar vier Stämme auf Buckower Gebiet siedelten. Zuvor sei die Gegend möglicherweise lange unbevölkert gewesen. So konnten auf dem Werder bisher nur Funde aus der wesentlich früheren Bronzezeit nachgewiesen werden.

Noch bis zum 3. Oktober hat die Heimatstube jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sonst nach Vereinbarung unter Telefon 033433 260.

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