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Gedanken zur Wirtschaft: Rückkehr zu bewährten Regeln

Hans-Joachim Schmahl
Hans-Joachim Schmahl © Foto:
schmahl / 14.05.2009, 18:11 Uhr
Von Hans-J. Schmahl

Alfred Rappaport (76) könnte ein zufriedener Mann sein. Sein Durchbruch vom Betriebswirtschaftsprofessor zur Managementlegende gelang ihm 1986. Damals veröffentlichte er ein Buch, das zum Bestseller werden und dessen Titel zwei Jahrzehnte Wirtschaftsgeschichte beherrschen sollte: "Creating Shareholder-Value" - über das Schaffen von Werten für Aktionäre.

"Shareholder-Value: Je nach Weltanschauung ist dieser Begriff zum Synonym geworden für effiziente Unternehmensführung - oder für eiskalten Turbo-Kapitalismus", so das "manager magazin". Dabei habe Rappaport eigentlich nur ziemlich selbstverständliche Thesen aufgeschrieben. Die beste Unternehmensstrategie bestehe darin, den Bargeld-Ertrag kontinuierlich zu steigern. Das gehe am besten durch langfristiges profitables Wachstum. Unternehmen, die sich an diese Strategie hielten, würden dadurch ihre Aktienkurse steigern.

Doch der Begriff des "Shareholder-Value" stand nicht Pate für solides Wachstum, sondern für kurzfristige Maximierung von Gewinnen, für eine Unternehmenskultur, die Mitarbeiter vor allem als Kostenfaktor und Kunden als Freiwild betrachtete. So kann sich Alfred Rappaport um sein Lebenswerk betrogen fühlen: "Die eigentlich Idee wurde beiseite geschubst. Jetzt erleben wir einen hoffentlich heilsamen Schock." Von der Krise könnten Unternehmen profitieren, die auch Zukunftsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung im Blick haben.

Dieter Heuskel, Ex-Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting, sieht eine weitere Gruppe von Unternehmen im Vorteil - Mischkonzerne, die nicht auf einen einzigen Geschäftsbereich setzen, sondern ihr Risiko auf mehrere verteilen: "Konglomerate werden eine Neubewertung erfahren."

Bis in die 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts waren Mischkonzerne in Deutschland hoch angesehen. Dann übernahm eine neue Manager-Generation die Macht und begann, Traditionsunternehmen auf ihre Kerngeschäfte zu reduzieren - häufig auch unter Druck angelsächsischer Aktionäre, die dadurch den Kurs treiben und die Verkaufserlöse ausgeschüttet haben wollten.

"Am stärksten entflochten wurde die Hoechst AG", hat die FAZ gerade festgestellt. Der Name Hoechst verschwand 136 Jahre nach der Firmengründung aus der deutschen Unternehmensgeschichte.

Die unterschiedlichsten Mischkonzerne stellen sich gerade ihrer Bewährungsprobe. Da ist einerseits der Dax-Konzern Thyssen-Krupp. Dessen Vorstands-Chef Ekkehard Schulz sagte gerade über das vierte Quartal 2008: "Wir haben den Beweis erbracht, dass der Mischkonzern die richtige Struktur gegenüber dem ,pure player' ist". Die abgerutschten Teilergebnisse von Stahl und Edelstahl wurden durch steigende Ergebnisse beim Anlagenbau und Aufzügen abgemildert - offenbar aber nur vorübergehend.

Ganz anders gelagert ist der Fall bei der Oetker-Gruppe aus Bielefeld - ein reines Familienunternehmen seit 1891. Firmenpatriarch August Oetker ist stolz darauf, dass die Gruppe dank ihrer gestreuten Risiken niemals einen Verlust gemacht hat. Zu ihr gehört auch die Reederei Hamburg Süd. Die dürfte in der derzeitigen Krise durchaus Probleme bekommen - ohne damit Oetker als Mischkonzern in Bedrängnis zu bringen.

Auch die Größenordnungen in der deutschen Unternehmenswirtschaft scheinen allmählich wieder ins Lot zu kommen. In den vergangenen Jahren sollte mehrfach die alttestamentarische Geschichte von David und Goliath wiederholt werden - so bei der Attacke von Porsche auf VW und von Schaeffler auf Continental. Nunmehr sind VW und Continental wieder die Stärkeren.

Das alles sieht nach einer Abkehr vom Finanzkapitalismus angelsächsischer Art und einer Rückkehr zu bewährten Regeln der deutschen Marktwirtschaft aus. Die Frage ist nur, wie nachhaltig diese Rückbesinnung ist - und ob nicht die Finanzjongleure nach Überwindung ihrer derzeitigen Schockstarre ihr altes Spiel wieder munter weiterspielen.

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