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Ein Lächeln. Ein Weinen. Ein Knurren.

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OKOEHLER / 28.05.2009, 08:03 Uhr
Bernau/Klosterfelde Der kleine Ben-Luca fiel vor zwei Jahren in einen Swimmingpool. Seitdem muss er rund um die Uhr betreut und therapiert werden. Doch nicht alle Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Die Schüler der Grundschule Klosterfelde starteten nun einen Spendenlauf.

Das Inhalieren mag Ben-Luca überhaupt nicht. Ziemlich laut knurrt er vor sich hin, wenn Mutter Michaela Slomka ihm das Gerät vor das Gesicht hält. Der weiße Rauch, der daraus quillt, soll die Schleimhäute des Vierjährigen feucht halten. Dreimal am Tag muss der Junge mit den kurzen hellbraunen Haaren diese Prozedur über sich ergehen lassen. Immer zehn Minuten lang. Sie ist ein kleiner Teil seines täglichen Überlebenskampfes.

Vor zwei Jahren war Ben-Luca beim Spielen in den Swimmingpool der Großeltern gefallen. Er konnte reanimiert werden. "Dass er die nächsten Tage überleben würde, daran glaubte von den Ärzten aber niemand", erinnert sich Michaela Slomka. "Doch Benni wollte nicht gehen."

Stattdessen fiel er ins Wachkoma, in einen Zustand des minimal möglichen Bewusstseins. Seitdem muss er rund um die Uhr betreut werden. Dazu gehört nicht nur Waschen, Füttern, das Verabreichen von Medikamenten etwa gegen epileptische Anfälle oder Inhalieren. Auch Ben-Lucas Lunge und seine Muskeln werden trainiert. Die Liste seiner Therapien füllt eine ganze Seite.

Ein schweres Leben - nicht nur für Ben-Luca. Für Michaela Slomka änderte sich mit dem Unfall schlagartig ihr gesamtes Leben. "Alles dreht sich nur noch um meinen Jungen", weiß sie. Oft genug glaubt sie sich deshalb am Ende ihrer Kräfte. Doch immer wieder gibt es Menschen, die der 29-Jährigen unter die Arme greifen, sie stützen und ihr Hoffnung geben. Ihren Lebenspartner Ronny Flohr etwa lernte sie erst nach dem Unfall kennen. Er besuchte die beiden in der Reha-Klinik, blieb ein paar Tage und entschied für sich, dass er mit der Situation umgehen kann. "Er ist der beste Papa der Welt und hat uns eine Zukunft zurück gegeben", ist sie sich sicher und strahlt. "Es ist unglaublich, wie er mit dem Jungen umgeht."

Auch Ben-Luca scheint diese tiefe Zuneigung zu fühlen. Seit neuestem lächelt er, wenn Ronny Flohr von der Arbeit kommt und in sein Zimmer tritt. "Für uns ist das ein Riesenfortschritt", erklärt die Mutter. "Darauf haben wir lange warten müssen."

Ein Lächeln. Ein Weinen. Ein Knurren. Es sind die kleinen Dinge, die Ben-Luca zurück ins Leben finden lassen. Mittlerweile gilt er auch nicht mehr als Wachkoma-Patient, sondern als Kind mit körperlicher und geistiger Behinderung. Mit ein Erfolg der zahlreichen Therapien, die Michaela Slomka mit ihrem Sohn macht. Eine Delphin-Therapie auf Curacao im vergangenen Jahr etwa brachte viele Fortschritte. Akupunktursitzungen, für die die Bernauerin einmal in der Woche in die Stadt Brandenburg/Havel fährt, lassen ebenfalls hoffen. Seit einiger Zeit kann Ben-Luca sogar eine Inte- grationskita besuchen.

Doch leider übernimmt bei vielen Verfahren keine Krankenkasse die Kosten. Auch das Pflegegeld reicht bei Weitem nicht aus, um all die Behandlungen, die Ben-Luca sichtlich gut tun, zu finanzieren. Michaela Slomka, die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte, geht deshalb nicht nur zusätzlich arbeiten, sondern ist auch auf Spenden angewiesen.

Als die Lehrer und Schüler der Grundschule in Klosterfelde von Ben-Lucas Schicksal erfuhren, entschlossen sie sich spontan dazu, einen Spendenlauf zu organisieren. Sie suchten sich Spendenpaten und erliefen am Lotschesee über 3500 Euro. "Ein toller Einsatz und vielleicht ein kleiner Beitrag dazu, dass sie die nächsten Therapien bezahlen können", sagte Schulleiter Frank Hamann bei der Übergabe des symbolischen Schecks in dieser Woche. "Mit so viel hätte ich nicht gerechnet", erwiderte Michaela Slomka sichtlich bewegt. Wer weiß, vielleicht reicht das Geld ja sogar für einen weiteren kleinen Fortschritt von Ben-Luca.

Mehr Informationen zu Spenden unter: www.hilf-benni.de

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