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Kaltes Grausen am Bahnhof

Kaum zu ³berbietende Tristesse: So will Prenzlau die Besucher der Landesgartenschau 2013 empfangen.
Kaum zu ³berbietende Tristesse: So will Prenzlau die Besucher der Landesgartenschau 2013 empfangen. © Foto:
oschwers / 04.06.2009, 07:40 Uhr
Prenzlau Der Zustand vieler Bahnhöfe in der Uckermark ist miserabel. So lautet das Urteil des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Am schlimmsten betroffen ist der Bahnhof der Kreisstadt. Ausgerechnet der soll die Besucher der Landesgartenschau empfangen.

Klemmende Eingangstüren mit demolierten Scheiben, kahle Fliesenwände, vernagelte Türen - so nimmt die Prenzlauer Bahnhofshalle Reisende in Empfang. Das "kalte Grausen" erlebte Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) bei seinem Besuch der Uckermark. "Ein verlotterter Zustand", schimpft er. "So darf ein Bahnhof nicht aussehen."

Doch so sehen noch viel mehr Bahnhöfe im Landkreis aus. Nach Prenzlau kommt gleich Templin. "Ein unbefriedigendes Niveau", bestätigt Landrat Klemens Schmitz. Auch in Schwedt hat der Verkehrsverbund Mängel festgestellt, vom stillgelegten Bahnhofsgebäude ganz zu schweigen. In Angermünde, dem wichtigsten Bahnknoten der Region, fehlen Parkplätze. Hier hängen die Verhandlungen zwischen der Stadt und der Bahn fest.

Mit großer Sorge blicken die Veranstalter der Landesgartenschau auf das Desaster in Prenzlau. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um den ersten Eindruck der zahlreichen mit der Bahn anreisenden Gäste zu retten. Im Rathaus hat man große Umbaupläne, doch die können nur mit Zustimmung der Bahn starten. Der Bürgermeister würde am liebsten den Tunnel zu den Gleisen komplett verlegen lassen, um die Prenzlauer Oststadt besser anzubinden.

Doch die Zeit läuft den Organisatoren davon. Jetzt hat Staatssekretär Rainer Bretschneider vom brandenburgischen Infrastrukturministerium sogar einen runden Tisch "Bahn" angeregt, um die Gartenschau zu retten. Er selbst wolle sich dafür verwenden, verkündete er auf der jüngsten Regionalkonferenz des VBB.

Doch das Problem liegt in der Finanzierungsstruktur der Bahn. Denn das Land Brandenburg bezahlt viel Geld für den Regionalverkehr. Jeder Halt in einem Bahnhof kostet sogenannte Stationsbenutzungsgebühren. Die fließen allerdings nicht in die Sanierung der Empfangsgebäude oder Bahnsteige zurück. Stattdessen landen die Erträge aus dem Regionalverkehr im großen Topf der Deutschen Bahn. Fazit: Nur bei einem Viertel aller Bahnhöfe ist das Angebot für Fahrgäste zufriedenstellend. Ansonsten muss die immer weiter steigende Zahl von Reisenden mit falschen oder fehlerhaften Durchsagen, mit schlechten Anzeigetafeln oder ramponierten Gebäuden leben.

Dabei legt die DB Station und Service, eine Tochter der Bahn, selbst fest, welche Qualität auf welchem Bahnhof vorzuhalten ist. Das Unternehmen bestimmt nach Gutdünken, ob Ansagen gemacht werden oder nicht. Der Kreisstadtbahnhof gehört zu den schlechtesten Kategorien. Es gibt kein Steuerungsmittel, kritisiert der VBB.

Aus den Mitteln des Konjunkturpakets will die Bahn jetzt einige Mängel bei der Fahrgastinformation in Templin, Prenzlau, Britz und Bernau beheben. Doch selbst bei der Vergabe der für Brandenburg vorgesehenen 170 Millionen Euro an Investitionsmitteln durften weder das Land noch der VBB mitreden. "Nach der Bundestagswahl muss dieses Strukturproblem gelöst werden", so Hans-Werner Franz.

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