Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Rapunzel entdeckt den Askanierturm

Probe f³r die nõchste Klappe: Schauspiel-Coach Patrick Dreikaus spricht mit Evelina Sidikowa, der kleinen Aschenputtel, die Szene durch. Sebastian Richter bringt dabei schon seine Kamera in Position. Gedreht wird in den Regenpausen und unter Zeitdruck. Fo
Probe f³r die nõchste Klappe: Schauspiel-Coach Patrick Dreikaus spricht mit Evelina Sidikowa, der kleinen Aschenputtel, die Szene durch. Sebastian Richter bringt dabei schon seine Kamera in Position. Gedreht wird in den Regenpausen und unter Zeitdruck. Fo © Foto:
SVEN KLAMANN / 13.06.2009, 06:20 Uhr
Eichhorst Rapunzel lässt ihr langes blondes Haar vom Askanierturm herunter. Immer und immer wieder. Im Auftrag des RBB werden in Eichhorst Szenen für einen Märchenfilm gedreht. Wo sonst Touristen die Schorfheide genießen, sind Stress und Hektik angesagt.

Hinter dem Absperrband, das Schauspieler, Kameramann und überhaupt die gesamte, beinahe 50-köpfige Produktion vor zu neugierigen Zaungästen schützt, steht Karl Ernst und schüttelt den Kopf. "Ist das hier ein Aufwand", wundert sich der 80-Jährige, der seit fast drei Jahrzehnten die Chronik für Eichhorst führt.

Aus sicherem Abstand schaut der Ortschronist staunend zu, wie Rapunzel zum fünften Mal aus dem Gebüsch tritt und auf der Suche nach einem Täubchen, das in dieser Einstellung gar nicht zu sehen ist, zufällig den Turm entdeckt, der später ihr Gefängnis wird. Rapunzel gibt es Set gleich zweimal - einmal als Mädchen, verkörpert von Evelina Sidikowa (12) aus Berlin und einmal als junge Frau, die einem Prinzen den Kopf verdreht und ihr Herz schenkt. Die große Rapunzel heißt Luisa Wietzorek, hat schon in der RTL-Serie "112 - Sie retten Dein Leben" mitgespielt und gerade Drehpause. Die kleine Rapunzel hingegen ist arg gefordert.

"Evelina macht das richtig gut", lobt Patrick Dreikaus, dessen Aufgabe es ist, während des Drehs die Kinderschauspieler zu coachen.

Doch Regisseur Bodo Fürneisen, verantwortlich zum Beispiel für die "Polizeiruf"-Folgen des RBB, ist noch lange nicht zufrieden. Das aber liegt nie an Rapunzel, die jedes Mal genau im richtigen Augenblick ein paar Schritte geht, lächelt und mit einem Mal erschrocken guckt. Das ist der Augenblick, in dem sie im fertigen Film die böse Zauberin, dargestellt von Suzanne von Borsody, nach sich rufen hört. Der aus unzähligen TV- und Kino-Erfolgen bekannte Star, der jüngst für seinen Part in "Jahrestage" gefeiert wurde, bereitet sich auf die nächste Szene vor und darf unter keinen Umständen gestört werden. "Frau von Borsody braucht ihre Ruhe", bittet Produktionsleiter Finn Freund um Verständnis.

Derweil sind die Proben so weit gediehen, dass der Regisseur die Dreharbeiten beginnen lässt. Alle Einstellungen des Bildes wurden etliche Male durchgespielt - in Varianten, die sich in winzigen Details unterscheiden. Endlich haben sich Bodo Fürneisen und Kameramann Sebastian Richter zum Beispiel darüber geeinigt, an welcher Stelle Rapunzel stehen bleibt. Die erste Klappe fällt. Die Aufnahme dauert dann kaum länger als eine Viertelstunde.

In dem Märchen spielen viele prominente Darsteller mit - so der Berliner Tatort-Kommissar Boris Aljinovic, der als Vater der Titelfigur verpflichtet wurde, Piet Klocke, bekannt aus "Räuber Hotzenplotz", als Hoflehrer des Prinzen und Dieter Montag, oft im "Polizeiruf" zu sehen, als König.

Gegen alle diese Profis ist Evelina Sidikowa zwar eine blutjunge Anfängerin. Doch die kleine Rapunzel ist im wahren Leben alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Sie war bei "Der Sturm" und "Wege zum Glück" dabei.

"Da ist es ganz nett, auch einmal in einem Märchen mitzuwirken", verrät die Zwölfjährige, die von ihrer Mama nach Eichhorst begleitet wurde und sich freut, dass ihre Szene endlich gestorben ist. Von der Schule hat sie für den Dreh frei bekommen. Der Askanierturm gefällt ihr prima. "Wenn bloß der Regen nicht wäre", sagt die Nachwuchs-Mimin und hüllt sich frierend in ihren Mantel.

Auch Aufnahmeleiter Tom Kretschmar sieht sorgenvoll gen Himmel. Dicke Wolken ziehen über den Werbellinkanal hinweg. "Wir müssen das Wetter nehmen, wie es ist. Uns bleibt nur noch der heutige Tag", sagt er.

"Rapunzel" wird mit sieben anderen Märchenfilmen Ende des Jahres im Weihnachtsprogramm der ARD laufen. Der Streifen ist eine Stunde lang. Maximal sechs Minuten davon gehören den Bildern, die am Askanierturm entstanden sind.

Kein Zuschauer wird in dem Streifen Eichhorst erkennen. Das Denkmal wurde optisch verändert, die Umgebung ausgeblendet. Und niemand wird merken, dass es nicht Suzanne von Borsody und der Prinzen-Darsteller Jaime Ferkic ("Die Welle") sind, die an Rapunzels Haar hochgezogen werden. Die Schauspieler werden bei diesen Aufnahmen gedoubelt. Das ist sicherer und spart Zeit.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG